Hamburg

Vier Millionen Euro für die „Straße der Inklusion“

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Vier Millionen für die Straße der Inklusion der Evangelischen Stiftung Alsterdorf:
Finanzsenator Andreas Dressel, Hanns-Stephan Haas, Vorstandschef der Evangelischen Stiftung Alsterdorf und Bezirksamtsleiter Michael Werner-Boelz (v. l.).

Vier Millionen für die Straße der Inklusion der Evangelischen Stiftung Alsterdorf: Finanzsenator Andreas Dressel, Hanns-Stephan Haas, Vorstandschef der Evangelischen Stiftung Alsterdorf und Bezirksamtsleiter Michael Werner-Boelz (v. l.).

Foto: Peter Wenig

Stadt fördert Sanierung von historischen Gebäuden der Stiftung Alsterdorf. Sieben Gebäude sollen denkmalgerecht saniert werden.

Hamburg. Es ist ein ehrgeiziges Projekt: Die Evangelische Stiftung Alsterdorf wird auf ihrem Gelände für 15 Millionen Euro eine „Straße der Inklusion“ errichten. Sieben Gebäude mit aus historischer Sicht überregionaler Bedeutung – darunter das Fachwerkhaus von 1863 als erstem Gebäude der Stiftung und die alte Großküche von 1912 – sollen denkmalgerecht und barrierefrei saniert werden.

Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) übergab nun eine Förderzusage über vier Millionen Euro aus dem Hamburger Wirtschaftsstabilisierungsprogramm. Damit sollen 2021 und 2022 rund 900 Millionen Euro in kurzfristig wirksame Maßnahmen gelenkt werden, damit die Wirtschaft gut aus der Krise kommt.

„Die Straße der Inklusion ist eingebettet in die Planung des gesamten Stiftungsgeländes als barrierefreies Quartier“, sagte Dressel. „Ein wichtiger Teil unseres Grundverständnisses beruht auf der Erinnerung an unsere Geschichte und Vergangenheit“, sagte Hanns-Stephan Haas, Vorstandschef der Stiftung. Bezirksamtsleiter Michael Werner-Boelz sprach von einem „vorbildlichen Projekt, das Geschichte erfahrbar macht und Erinnerungskultur bietet.“

Spektakuläres Verfahren

Dazu soll der Lern- und Gedenkort beitragen, der neben der St.-Nicolaus-Kirche geschaffen wird. Im Dritten Reich, als die Alsterdorfer Anstalten mehr als 600 Bewohner in Vernichtungslager deportierten, entstand in der Kirche ein Wandgemälde, das die NS-Ideologie verherrlicht: Zwölf Menschen tragen­ einen Heiligenschein, drei behinderte Menschen nicht.

In einem spektakulären Verfahren wird eine Spezial­firma voraussichtlich von März an das Kirchengewölbe abstützen, die gesamte Rückwand heraustrennen und dann auf Rollen Zentimeter für Zentimeter herausrollen. Vor der Kirche wird die Wand in den Boden abgesenkt. Auf der Rückseite dieser Wand werden die Namen der ermordeten Bewohner der Anstalten eingetragen. In die Kirche kommt eine Glaswand, womit man sich dem ursprünglichen Zustand wieder annähert. Denn vor der Renovierung in der NS-Zeit zierte ein Glasfenster aus einer jüdischen Werkstatt die Kirche.

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Senator Dressel lobte die Fähigkeiten von Haas als „exzellenten Netzwerker“. In der Tat hatten sich die Bundestagsabgeordneten Christoph Ploß (CDU) und Johannes Kahrs (SPD, inzwischen zurückgetreten) für einen Zuschuss des Bundes von 7,5 Millionen Euro eingesetzt. Auch Dorothee Martin (SPD, für Kahrs nachgerückt) unterstützt das Projekt: „Mit der Sanierung der Gebäude wird der Wandel im Umgang mit Menschen mit Behinderung in den letzten 157 Jahren sichtbar.“

( pw )

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