Pandemie

Corona in Hamburg: Mobile Impfungen in Heimen geplant

Der Corona-Impfstoff soll hohen Schutz bieten.

Der Corona-Impfstoff soll hohen Schutz bieten.

Foto: Christoph Schmidt / dpa

Biontech-Wirkstoff könnte schon im Dezember eingesetzt werden. Viele infizierte Kinder in Schule auf der Veddel.

Hamburg.  Erneut hat es in Hamburg viele Neuinfektionen gegeben. 362 wurden am Freitag gemeldet – immerhin deutlich weniger als am Freitag der Vorwoche (535). Aber Hilfe naht: Noch vor Weihnachten könnten die ersten Hamburger mit dem neuen Wirkstoff der Firma Biontech geimpft werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Donnerstag gesagt, sie rechne schon im Dezember oder „sehr schnell nach der Jahreswende“ mit der Zulassung eines Corona-Impfstoffes in Europa. Sollte es dazu kommen, wäre Hamburg vorbereitet. „Unser Impfzentrum würde, falls der Impfstoff zur Verfügung steht, Mitte Dezember den Betrieb aufnehmen können“, sagte Martin Helfrich, Sprecher der Gesundheitsbehörde. Ursprünglich war von zwei Hamburger Zentren die Rede, mittlerweile plant die Behörde mit nur einer zentralen Impfmöglichkeit.

Offen ist noch, wem der schützende Impfstoff zuerst verabreicht wird. Allerdings gibt es dafür eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko), an die sich wohl auch Hamburg halten wird. Demnach sind zuerst diejenigen dran, deren Leben gefährdet wäre, wenn sie an dem Coronavirus erkranken würden. In der Stiko-Empfehlung werden sie so beschrieben: „Personen, die aufgrund ihres Alters oder vorbelasteten Gesundheitszustandes ein signifikant erhöhtes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf haben, insbesondere bei erhöhter Kontaktdichte (etwa in Pflegeheimen)“. Danach folgen diejenigen, die diesen Menschen beistehen – also Beschäftigte von Pflegeheimen und Krankenhäusern, aber auch häusliche Betreuer.

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Dann sind diejenigen dran, die gesellschaftlichen Grundfunktionen schützen und aufrechterhalten, zum Beispiel Polizisten, Feuerwehrleute, Mitarbeiter der Gesundheitsämter, Kindergärtner, Lehrer.

In der Gesundheitsbehörde geht man davon aus, dass in der ersten Impfphase nicht sehr viele Dosen zur Verfügung stehen werden. Pflegeheimbewohner, die zur Gruppe mit höchster Priorität gehören, will man nicht die Mühen einer Fahrt zu einem Impfzentrum zumuten. „Deshalb wird es mobile Impfungen geben“, sagt Helfrich. Das heißt: Der Impfstoff kommt ins Heim und wird dort verabreicht. Alle anderen Hamburger mit höchster Priorität werden im Impfzen­trum versorgt. In diesem Zentrum – mögliche Standorte sind die Messehallen oder der Flughafen – können nach den Worten von Helfrich viele Hundert Personen am Tag geimpft werden.

Unterdessen stabilisiert sich das Infektionsgeschehen in Hamburg. „Aber das Niveau ist deutlich zu hoch“, sagt Helfrich. Die Sieben-Tage-Inzidenz sank am Freitag auf 139,4, am Vortag waren es 148,5. Ein niedrigerer Wert war zuletzt am 4. November (135,5) erreicht worden - also in den Anfangstagen des November-Lockdowns. Die Zahl der in den Krankenhäusern behandelten Corona-Patienten ist indessen weiter angestiegen – von 310 auf 315. 85 Infizierte wurden auf Intensivstationen behandelt, am Vortag waren es 79. Die Zahl der Verstorbenen liegt unverändert bei 281.

94 Schüler und Lehrer an Hamburger Schule infiziert

Eine Massentestung an der Schule auf der Veddel hat Dutzende Infektionen mit dem Coronavirus bei Schülern und Lehrkräften zutage gefördert. Bei der „Fast Track“-Testung an der Grund- und Stadtteilschule wurden am Mittwoch 465 Menschen auf eine Corona-Infektion untersucht. Bei 65 war das Ergebnis positiv – was einer Quote von 14 Prozent entspricht. Betroffen waren 56 Schüler und neun Lehrer. Bereits zuvor hatte es 29 bekannte Infektionen an der Schule gegeben, von denen 23 Lehrer und sechs Schüler betroffen waren. Damit haben sich auf der Veddel 32 der insgesamt 74 Lehrkräfte mit dem Virus infiziert. Insgesamt sind 94 Schüler und Lehrer infiziert. Das bestätigte die Schulbehörde.

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Bei den Schülern sind nach Abendblatt-Informationen fast alle Jahrgänge von den ersten bis zu den zehnten Klassen betroffen. Besonders hoch sind die Zahlen offenbar im Grundschulbereich. Betroffen ist auch die Schulzweigstelle Billbrookdeich. Beide Schulen würden „bis zur Aufklärung der Lage vorsorglich auf Distanzunterricht umgestellt“, so Behördensprecher Peter Albrecht. Über die näheren Ursachen der Infektionen ist noch nichts bekannt. „Die Streuung über fast sämtliche Klassenstufen deutet aber darauf hin, dass vermutlich viele Kinder bereits mit einer Infektion in die Schule gekommen sind“, sagte Albrecht.

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Schulbehörde meldete am Freitag 116 Neuinfektionen an 44 Schulen

Insgesamt meldete die Schulbehörde am Freitag 116 Neuinfektionen an 44 Schulen, betroffen waren 101 Schüler sowie 15 Schulbeschäftigte. Das waren 32 Prozent der 362 am Freitag gemeldeten Neuinfektionen. Der Anteil von Schülern und Lehrern an der Bevölkerung beträgt 15,3 Prozent. Es gibt derzeit laut Senat 633 akute Infektionen von Menschen aus schulischem Bereich an 206 Schulen.

Hamburgs Kindergärten sollen besser gegen Corona-Infektionen geschützt werden. Das hat Sozial- und Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD) am Freitag mitgeteilt. Zu den Sofortmaßnahmen gehört, dass jede Kita einen Sonderzuschuss in Höhe von 1000 bis 3000 Euro bekommt, gestaffelt nach Größe der Einrichtung. Damit soll der Schutz der Kinder und Erzieher verbessert werden. Außerdem erhalten alle 21.000 Beschäftigten kostenlose Atemmasken. Die Auslieferung soll kommende Woche beginnen.

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