Pandemie

Tierheime fürchten Ansturm nach Corona-Auszeit

Im Franziskus-Tierheim landen viele Tiere wie diese Mischlingshündin, wenn ihre Besitzer überfordert sind.

Im Franziskus-Tierheim landen viele Tiere wie diese Mischlingshündin, wenn ihre Besitzer überfordert sind.

Foto: Klaus Bodig

Viele Hamburger schaffen sich Vierbeiner an. Tierschützer wappnen sich für die Zeit nach dem Homeoffice und ahnen Schlimmes.

Hamburg. Schon jetzt kommen Tierheime manchmal an ihre Belastungsgrenzen. Doch Betreibervereine wie der Bund gegen
Missbrauch der Tiere (bmt) in Hamburg fürchten, dass sie noch eine viel größere Herausforderung meistern müssen. Sie wappnen sich schon jetzt für die Zeit nach Corona. Die Befürchtung: Viele Tiere könnten dann von überforderten Haltern abgegeben werden.

"Durch die Pandemie wird einiges auf uns zukommen", ist sich Frank Weber als Leiter des Franziskus-Tierheims in Hamburg sicher. Wenn die Menschen gezwungen seien, den Gürtel enger zu schnallen, treffe das auch ihre Haustiere. "Wir gehen davon aus, dass künftig vermehrt Tiere ausgesetzt werden könnten, weil viele Menschen die Kosten für Futter und Tierarzt nicht mehr tragen können", so Weber weiter. "Die Krise wird auch vor den Tieren nicht halt machen."

Tierschützer bekannt aus der TV-Sendung "Hund Katze Maus"

Weber setzt sich nicht nur als Leiter des Tierheims in Hamburg-Stellingen für das Wohl der Tiere ein. Er ist auch stellvertretender Vorsitzender des Vereins Bund gegen Missbrauch der Tiere. Zudem ist er bekannt als Moderator der Vox-Sendung „Hund Katze Maus“. Am Sonnabend von 18 Uhr an werden er und das Tierheim in einer neuen Folge zu sehen sein.

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Erschwerend zur finanziellen Situation vieler Tierhalter kommt hinzu, dass sich während der Corona-Krise auch viele Menschen unter anderem Hunde, Katzen und Kaninchen angeschafft haben. Gegen die Einsamkeit oder einfach weil sie nun Zeit haben sich zu kümmern. Doch was, wenn die Pandemie vorbei ist und Homeoffice plötzlich doch nicht die Rolle spielt, wie von vielen Experten vermutet?

Weber fürchtet, dass dann das böse Erwachen kommt und überforderte Halter die Haustiere bei den Tierheimen abgeben. "Wir gehen davon aus, dass es einen regelrechten Ansturm auf die Tierheime gibt, viele Tiere ausgesetzt werden, wenn die Zeiten des Homeoffice vorbei sind.“ Umso wichtiger sei, dass jetzt nicht auch noch Tiere zu Weihnachten verschenkt würden.

Weber spricht sich vielmehr dafür aus, eine Patenschaft für ein abgegebenes Fundtier zu verschenken. Solch eine Patenschaft kostet beim Tierheim Franziskus beispielsweise 55 Euro. Dabei handelt es sich um ein neues Angebot, mit dem der Verein auf die angespannte Situation reagiert und sich finanzielle Reserven für die vor ihnen liegende Zeit verspricht. Zudem appelliert er, dass potentielle Käufer sich erst genau informieren, bevor sie sich einen Vierbeiner zulegen. Auch dabei helfen die Tierheime in Hamburg.