Corona-Pandemie

Club der Optimisten: Wie man glücklich lebt

Elbspaziergang mit Lutz Peter Eklöh, Chef des Clubs der Optimisten.

Elbspaziergang mit Lutz Peter Eklöh, Chef des Clubs der Optimisten.

Foto: Roland Magunia

Zeit für etwas Schönes: Der Vorsitzende des Vereins über den wachsenden Wert von Nähe, Anerkennung und Wertschätzung.

Hamburg.  Wir ignorieren einfach die grauenhafte Wettervorhersage, hatte er am Telefon gemeint, und belassen es beim verabredeten Treffpunkt in Teufelsbrück. Wird schon gut gehen. Gesagt, getan. Dass Lutz Peter Eklöh am Elbufer dennoch einen Regenschirm in der Hand hält, ist reine Vorsichtsmaßnahme. Und die Regenbogenfarben seien Zufall: Das gute Stück ließen die erwachsenen Kinder im Kofferraum liegen. Geht unterhaltsam los, dieser Termin mit dem Vorsitzenden des Clubs der Optimisten . Dieser eingetragene Verein mit Sitz in Harvestehude unternimmt seit der Gründung 2005 eine Menge Sinnvolles. Der Name ist Programm.

Club der Optimisten: Mehr Zeit für ernsthafte, intensive Kommunikation

Doch machen wir uns auf den Weg – aus gegebenem Anlass. Darf man sich in Corona-Zeiten lustvoll etwas gönnen? Und wie kann man in dunkelgrauen Tagen Mut schöpfen, wenn einem der Alltag auf die Seele schlägt? Der diplomierte Kaufmann und Vater von Drillingen betreibt in Hummelsbüttel eine Firma, die Gebäck und Süßwaren aus Italien und Südosteuropa importiert. Der 59-Jährige kennt sich also mit Genussmitteln aus. Vor allem schreitet er schnörkellos zur Tat. „Gönnen muss kein materieller Luxus sein“, sagt er mit Blick auf Finkenwerder.

Die Beschäftigung mit der eigenen Person, Freunden oder Familie könne wertvoller sein. Aus seiner Sicht nehmen sich die Menschen aktuell mehr Zeit für ernsthafte, intensive Kommunikation. „Blabla hat ausgedient“, befindet er. Wer seine Kontakte auf ein Minimum beschränkt, erkennt das Wesentliche. „Die meisten gehen bewusst aufmerksamer miteinander um.“ Wahrscheinlich führt die verordnete Stille in der anstehenden Adventszeit zu mehr sozialer Nähe – besonders Älteren und Alleinstehenden gegenüber. „Ich bemühe mich, gezielt und einfühlsam Kontakt zu Senioren in unserer Nachbarschaft zu pflegen“, sagt Lutz Peter Eklöh. Jeder könne dazu beitragen, aus der Krise Nutzen zu schöpfen.

Corona-Infektionen in Deutschland und weltweit

Lutz Peter Eklöh: „Corona ist furchtbar, aber auch eine Chance"

Vor dem Restaurant Dübelsbrücker Kajüt hält er inne. Von Backbord kommt eine steife Brise. Apropos: „Corona ist furchtbar, aber auch eine Chance.“ Unser Leben, meint Eklöh, sei auf der Talfahrt zu einer degenerierten Spaßgesellschaft gewesen: „Oft haben wir uns über Winzigkeiten aufgeregt und das Maß des Wesentlichen verloren.“ Immer schneller, weiter, höher sei passé. Zukünftig, hofft er, werde es Glücksgefühle über Ereignisse geben, die früher selbstverständlich erschienen. Seine 22 Jahre alten Kinder, zwei Söhne und eine Tochter, würden jetzt häufiger das Smartphone oder Tablet beiseitelegen und das familiäre Gespräch suchen.

Dem Club der Optimisten, hat er anfangs erklärt, gehören gut 200 Mitglieder an. Ihnen geht es keinesfalls um „Dauergrinsen in misslicher Lage“, sondern um die Kraft des positiven Denkens. Vor Corona gab es regelmäßig einen „Optimistenschnack“ mit bis zu 60 Teilnehmern. Und jedes Jahr wird ein beispielhaftes Vorbild geehrt. Der Club fördert die Ziele der Preisträger mit jeweils 10.000 Euro. In diesem Jahr wurden Hila und Wana Limar aus Afghanistan ausgezeichnet. Die in ihrer neuen Heimat Deutschland geerdeten Akademikerinnen organisieren Schulprojekte in ihrem Geburtsland sowie in Uganda. Aus schlechtem Grund musste die Zeremonie zweimal verschoben und auf 2021 verschoben werden. Der Verein begreift sich als „Tankstelle für Energie.“ Motto: Jeder muss dafür kämpfen, dass unser Leben schön bleibt. Es gehöre Mumm dazu, so zu denken. Und zu handeln.

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Eklöh hat das Gefühl, dass sich aus der Krise ein Aufschwung ergibt

Doch setzen wir den motivierenden Spaziergang an der Elbe fort. „Unter dem Strich können wir froh sein, den Schrecken dieser Pandemie in einem stabilen Land zu erleben“, sagt Lutz Peter Eklöh. Er habe das sichere Gefühl, dass sich aus der Krise ein Aufschwung ergebe – nicht nur wirtschaftlich. Habe man sich früher Gutes gegönnt, sei dieses Vergnügen meist mit anderen Menschen verbunden. Theater, Fußball oder Freizeitparks beispielsweise. „Die Auseinandersetzung mit sich selbst und seinen Nächsten kann anstrengend und unbekannt, indes lohnenswert sein.“

Der gebürtige Südwestfale Eklöh geht zu Hause tatkräftig voran. Gemeinsam mit Ehefrau Silke überlegt er: „Wie können wir neue Impulse in die Familie tragen?“ Ein kleines Ergebnis war ein asiatischer Feuertopf am vergangenen Wochenende. Von Einkauf bis Abwasch waren alle aktiv beteiligt. Demnächst soll ein Hand in Hand zubereitetes Filet Wellington in Volksdorf auf den Tisch kommen.

Anerkennung und Wertschätzung Gebote der Neuzeit

Zurück am Anleger Teufelsbrück lässt der Chefoptimist seinen Worten Taten folgen. An einem weißen Imbisswagen bereitet eine Frau Crêpes mit Käse und Kochschinken zu. Auch wenn das Geschäft bei Schmuddelwetter in der zweiten Novemberhälfte nicht wie geschmiert läuft, beeindruckt sie mit guter Laune.

„Vielleicht wird die Situation in den kommenden Wochen unsere Kontakte betreffend noch schlimmer werden“, befürchtet Eklöh. „Doch werden wir gemeinsam auch der zweiten Coronawelle trotzen und letztlich Sieger sein.“ Es sei wie auf hoher See: „Jeder Sturm legt sich irgendwann.“ Freundschaft gewinne an Bedeutung. Nähe gleichfalls, nur eben anders. Anerkennung und Wertschätzung seien für ihn die Gebote der Neuzeit.

Digitale Technik hilft, das soziale Leben fortzusetzen

Soziale Taten seien mehr denn je gefragt, Besinnung ebenso. Dagegen verlieren „permanente Sekundärreize durch Fernsehen oder mobile Geräte an Gewicht“. Im Gegenzug helfe die digitale Technik, das soziale Leben fortzusetzen. Praktisches Beispiel: Seinen Spanischkursus absolviert Eklöh derzeit online. Die Lehrerin hält sich bei ihrer Familie in Mexiko-Stadt auf. Und im Elternchor Monday’s Best des Gymnasiums Buckhorn singt jetzt jeder allein.

Via Zoom verschmelzen viele Einzel­töne in Sopran, Bass und Alt zu einem großen Ganzen. Das zumindest macht Mut. „Man muss nur wollen“, sagt er – und regt eine Abschlussrunde durch den Jenischpark an. Der Ginkgobaum abseits des alten Gewächshauses am Hochrad lädt zum kurzen Stopp. Das Laub des asiatischen Baumes leuchtet hellgelb. Wunderbar. „Wie gesagt“, ruft Lutz Peter Eklöh. Tatsächlich: Bis auf zwei, drei Minuten waren die Regenschirme überflüssig.