Prozess in Hamburg

Mord an Wilhelmsburger Rentner – lebenslange Freiheitsstrafe

Prozess in Hamburg: Der 54 Jahre alter Angeklagte (vorne) wurde wegen Mordes an einem Rentner verurteilt (Archivbild).

Prozess in Hamburg: Der 54 Jahre alter Angeklagte (vorne) wurde wegen Mordes an einem Rentner verurteilt (Archivbild).

Foto: dpa

Der 54-Jährige habe die Tat "heimtückisch" geplant, urteilte die Richterin und stellte eine besondere Schwere der Schuld fest.

Hamburg. Der Angeklagte sprach von einer Notwehrsituation, doch nach Überzeugung des Gerichtes war es Mord: Wegen der Tötung eines 83 Jahre alten Mannes ist am Donnerstag ein 54-Jähriger in Hamburg zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Darüber hinaus erkannte die Kammer auf die besondere Schwere der Schuld des Angeklagten, was eine vorzeitige Entlassung aus dem Gefängnis nach 15 Jahren praktisch unmöglich machen würde. Die Verteidigung kündigte an, gegen das Urteil in Revision zu gehen.

83-jähriger Rentner in seiner Hamburger Wohnung erstickt

Der 83 Jahre alte Harry P. war am 22. März diesen Jahres tot in seiner Wohnung an der Mokrystraße aufgefunden worden. Der Rentner war zwei Tage zuvor gestorben, er war erstickt worden und wies Strangulationsmarken auf. Nach Überzeugung des Gerichtes, vor dem sich der Angeklagte Riza Y. verantworten musste, kam nur der 54-Jährige als Täter in Betracht.

„Es war ein klassischer Raubmord“, sagte die Vorsitzende über die Tat. Dem gut situierten Opfer, der stets größere Bargeldbeträge zu Hause aufbewahrt hatte, waren nach seinem Tod zudem 99.950 Euro geraubt worden.

Zwar sei der Angeklagte von Zeugen stets als zurückhaltend, freundlich und höflich beschrieben worden, sagte die Vorsitzende Richterin in der Urteilsbegründung. Man könne aber dadurch nicht auf das schließen, „was sich im Inneren eines Menschen abspielt“. Die Kammer habe „keinerlei Zweifel“, dass Riza Y. gemordet habe, um an das Bargeld des Opfers zu gelangen.

Angeklagter ist unter Vorwand in die Wohnung gelangt

Unter dem Vorwand, eine Nähmaschine bei dem 83-Jährigen kaufen zu wollen, habe der angeklagte Schneidermeister sich Zutritt zu der Wohnung des Opfers verschafft. Als dieser sich über die Maschine gebeugt habe, habe Riza Y. den alten Mann „überrumpelt“. „Er war der Angreifende“, so die Richterin.

Dann habe er den Senior stranguliert, sehr wahrscheinlich mit einem Stück Stoff. Anschließend habe er die Wohnung nach Bargeld durchsucht und 99.950 Euro aus einem Versteck an sich gebracht. Weitere 50.000 Euro, die Harry P. in einer Waschmaschine verborgen hatte, blieben in der Wohnung.

Das Motiv des Angeklagten sei eine schwierige finanzielle Situation gewesen, ist das Gericht überzeugt. Unter anderem hatte der Sohn von Riza Y. Spielschulden angehäuft.

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Angeklagter spricht von Angriff des Opfers

Der Angeklagte hatte im Prozess geschildert, er sei mit dem Senior in Streit geraten, dieser habe ihn mehrfach beleidigt, und beide seien in einer Rangelei zu Boden gegangen. Dann habe Harry P. versucht, mit einer Schere auf ihn einzustechen und dabei geschrien, er werde den Schneidermeister „umbringen“.

„Ich wusste weder ein noch aus. Ich war schockiert, dass ich in so eine Situation geraten war. Als wir am Boden lagen, habe ich ihm den Stoff auf den Mund gedrückt, damit er nicht weiter schreit“, so der Angeklagte.

Doch das Gericht geht davon aus, dass die Todesdrohung „frei erfunden war, um eine Notwehrsituation zu konstruieren“. Es sei Riza Y. um die „planvolle Umsetzung eigener Interessen“ gegangen, nämlich an das Geld zu gelangen. Die Beute wurde bis heute nie gefunden.

Gericht sieht besondere Schwere der Schuld

Neben der Verurteilung zu lebenslanger Freiheitsstrafe wegen Mordes und Raubes mit Todesfolge sei die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld geboten, so das Gericht, weil der Angeklagte mit Heimtücke, Habgier und dem Motiv zur Ermöglichung einer Straftat drei Mordmerkmale erfüllt habe.

Bei der Tat, bei der sich Riza Y. zuvor das Vertrauen des Opfers erschlichen und Zugang zu dessen Wohnung verschafft habe, handele es sich um eine „heimtückische Begehungsweise“. Das „Vordringen in den Privatbereich“ des Opfers stelle sich als „besonderes Unrecht dar“.