Prozess in Hamburg

Mann gesteht Missbrauch mehrerer Mädchen – wie schon einmal

Der 41-jährige Angeklagte hat gestanden, sieben Mädchen in Hamburg sexuell missbraucht zu haben (Symbolbild).

Der 41-jährige Angeklagte hat gestanden, sieben Mädchen in Hamburg sexuell missbraucht zu haben (Symbolbild).

Lars P. räumt Taten in Groß Flottbek und Wilhelmsburg ein. Schon 2015 war er in Bayern verurteilt worden, hatte sich reumütig gezeigt.

Hamburg. Lars P. hat es wieder getan. Erst in Schweinfurt, fünf Jahre später dann in Hamburg, in Wilhelmsburg und Groß Flottbek. Insgesamt acht Mädchen sind seiner unheilvollen Neigung bisher zum Opfer gefallen. Nach dem ersten sexuellen Übergriff in Bayern wollte er sich in Therapie begeben – so wie jetzt auch, wie der bullige Mann mit dem runden Gesicht am Mittwoch vor dem Landgericht beteuert.

Der 41-Jährige, angeklagt wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern, soll sich im Juni dieses Jahres an fünf Mädchen in Groß Flottbek und zwei Mädchen in Wilhelmsburg vergangen haben. Wenigstens zurzeit geht von ihm keine Gefahr aus: Er sitzt seit seiner Festnahme in Haft.

Sexueller Übergriff auf Siebenjährige und ihre Schwester

Die Mädchen aus Wilhelmsburg, zwei Schwestern, waren unmittelbar nach den Taten am 14. Juni zu den Übergriffen befragt worden. Am Mittwoch spielt das Gericht die Video-Mitschnitte ihrer polizeilichen Vernehmungen ab. Man sieht Alyssa A. (Name geändert), ihr gegenüber sitzt eine Kriminalbeamtin.

Gegen 21 Uhr, erzählt die Siebenjährige, sei sie vom Spielplatz nach Hause gelaufen, verfolgt vom Angeklagten. „Komm mal her“, habe er ihr befohlen. Sie habe sich geweigert. Der Mann habe ihr wortlos zehn Euro in die Hand gedrückt und ihr an die Brust gelangt, im Treppenhaus ihres Hauses an der Buddestraße.

„Ich war so erschrocken“, gibt das Mädchen zu Protokoll. In dem Augenblick, als der Mann ihre Hose herunterziehen wollte, sei ihr Vater aus der Wohnung gekommen und der Täter geflüchtet. Ihre acht Jahre alte Schwester hatte Lars P. zudem unsittlich im Intimbereich berührt. Das Mädchen erlitt dadurch Schmerzen.

Übergriffs-Serie in Groß Flottbek: Mehrere Mädchen wurden Opfer

Drei Tage zuvor, am 11. Juni, hatte eine Übergriffs-Serie Groß Flottbek erschüttert. Gegen Mittag sprach Lars P. an einer Ampel am Windmühlenweg eine Zehnjährige an und entblößte sich.

Das Mädchen drehte sich aber nicht um, sondern lief weg. Kurz darauf fragte er zwei sechs und zehn Jahre alten Schwestern nach der Uhrzeit, dann nahm er sexuelle Handlungen an sich vor. An der Seestraße verwickelte er eine Elfjährige, die gerade vom Reitunterricht zurückkehrte, in ein Gespräch, griff ihr an die Brust und flüchtete. An der Groß Flottbeker Straße stellte er sich einer zehn Jahre alten Radfahrerin in den Weg, hielt sie an der Schulter fest und nahm erneut sexuelle Handlungen an sich vor.

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Nachdem sich ihre Tochter habe losreißen können, berichtet die Mutter im Zeugenstand mit tränenerstickter Stimme, sei sie von einem silbernen Wagen mit abgedunkelten Seitenscheiben verfolgt worden. Noch heute leide ihr sehr selbstbewusstes Kind unter den Folgen der Tat. „Es geht ihr nicht gut. Sie schläft immer bei uns, hat fürchterliche Albträume und weint im Schlaf“, so die Mutter.

Durchsuchung bei Lars P. hat weitere Ermittlungen angestoßen

Am 19. Juli nahm die Polizei den 41-Jährigen fest, durchsuchte seine Wohnung in Buchholz (Nordheide) und sicherte Beweismittel – deren Auswertung habe weitere Ermittlungen in Niedersachsen angestoßen, wie es hieß.

Wie aus einem vom Vorsitzenden Richter verlesenen Urteil aus Schweinfurt hervorgeht, ist Lars P. einschlägig vorbestraft. Demnach zog der gebürtige Hamburger 2015, damals fast 37 Jahre alt, nach Schweinfurt, um dort mit einer 16-Jährigen zusammenzuleben. Kennengelernt habe er sie auf der Online-Plattform Knuddels – sie habe sich aber für 26 ausgegeben. Als er später ihr richtiges Alter erfahren habe, sei er „geschockt“ gewesen, so der Angeklagte. Auf Nachfrage des Richters, warum er die Liaison da nicht beendet habe, sagt Lars P.: „Dazu habe ich keinen Anlass gesehen.“

Weil der Angeklagte gesteht, müssen die Kinder nicht vor Gericht aussagen

Am 28. Oktober 2015 lauerte er in Schweinfurt einer Achtjährigen auf, sprach sie an und nahm sexuelle Handlungen an sich vor. Wenig später wurde er gefasst. Auf seinem Computer entdeckten die Ermittler 64 Filme, die den Missbrauch von Kindern zeigten. Außerdem stießen sie auf fast 60.000 kinderpornografische Bilder, von denen ein Großteil schon gelöscht war. Das Amtsgericht Schweinfurt verurteilte Lars P. zu 18 Monaten Haft auf Bewährung – allerdings ohne eine Therapie als Auflage.

Weil Lars P. die ihm zur Last gelegten Taten „vollumfänglich“ einräumt, bleibt seinen minderjährigen Opfern eine Zeugenvernehmung vor Gericht erspart. „Mein Handeln tut mir wirklich sehr leid. Ich weiß, dass ich therapeutische Hilfe benötige“, so Lars P.

Lars P. hatte bereits 2015 beteuert, er werde eine Therapie beginnen

Ganz ähnlich klang das schon im Schweinfurter Prozess: Er habe Gespräche mit der Fachambulanz geführt, beteuerte er damals, und wolle sich „dem Problem stellen“. Tatsächlich habe er das wohl „nicht so ernst genommen, wie ich es jetzt tue“.

Zurück im Norden habe er damals zehn Sitzungen absolviert. Der für das aktuelle Verfahren bestellte psychiatrische Sachverständige fragte in der Therapie-Einrichtung nach. Antwort: In den Akten tauche kein Patient mit dem Namen des Angeklagten auf.