Hamburg

Ärzte: So hart trifft eine Schulschließung die Kinder

Der Hamburger Kinderarzt Dr. Stefan Renz

Der Hamburger Kinderarzt Dr. Stefan Renz

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Übergewicht, Sprachprobleme, mangelnde Integration: Hamburger Kinderärzte schreiben an Schulsenator Rabe und warnen.

Hamburg. Die Hamburger Kinderärzte haben in einer Stellungnahme an Schulsenator Ties Rabe auf die Folgen möglicher Schulschließungen hingewiesen. Sollte es in den kommenden Wochen zu einem ausgeweiteten Lockdown kommen, bei dem der Präsenzunterricht nicht mehr möglich ist, so raten die Experten dringen, alle Folgen einer solchen Schulschließung zu bedenken. „Wir wollen die Gefahr durch die 2. Corona-Welle keinesfalls verharmlosen. In der aktuellen Diskussion geht aber leider unter, dass auch die Schulschließungen im Frühjahr bei einer Reihe von Patentinnen und Patienten zu massiven gesundheitlichen Störungen geführt hat“, sagt Dr. Stefan Renz, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Hamburg.

Coronavirus – die interaktive Karte

„Wir sehen in unseren Praxen zunehmend übergewichtige Kinder. Da fehlt der regelmäßige Sportunterricht genauso wie schlicht der Schulweg. Auch beobachten wir verstärkt Sprachprobleme, insbesondere bei Kindern, bei denen die Eltern bei der Beschulung zu Hause nicht helfen können oder die gerade dabei sind Deutsch zu lernen. Die Bildungsschere geht hier immer weiter auseinander.“ Dazu kämen Probleme für Kinder mit einem besonderen Betreuungsbedarf, wie etwa durch ADHS oder Autismus.

Der Klinik-Monitor

„Die oft mühsam erarbeitete Integration solcher besonderen Kinder in ihre Klassenstrukturen droht durch das fehlende soziale Training wieder zu verkümmern. Die Verhaltensauffälligkeiten verstärken sich“, so die Kinderneurologin Caroline Maxton. Unterricht in einer festen Lerngruppe sei wichtig für die kindliche Entwicklung und Gesundheit, betonen die beiden Ärzte stellvertretend für ihre Kollegen.

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„Feste Bezugspersonen wie die Klassenlehrerin sind ein guter Sensor, auch für häusliche Gewalt, und Vermittler zwischen Kindern, Eltern und dem Gesundheitssystem.“ Das Gesundheitssystem habe schon jetzt nicht die Kapazität, mit Therapien die gesundheitlichen Folgen der ersten Welle aufzufangen. Deshalb die dringende Mahnung der Hamburger Kinderärzte, bei einem erneuten Lockdown auch die Gesundheit und den Schutz vor allem der benachteiligten Kinder zu bedenken.

„Die Hamburger Kinderärztinnen und Kinderärzte stehen der Behörde und den Schulen gerne mit Rat und Tat zur Seite bei der schwierigen Aufgabe, das System Schule gesund durch diese Pandemiezeiten zu geleiten“, heißt es in einem Brief, der heute an den Schulsenator versandt wurde.