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Vier Jahreszeiten: XXL-Weinkeller wird zur Erlebniswelt

Im Vier-Jahreszeiten-Weinkeller präsentieren Direktor Ingo C. Peters (l.) und Chefsommelier Christian Scholz edle Rotweine in der Magnum und in der Fünfliterflasche.

Im Vier-Jahreszeiten-Weinkeller präsentieren Direktor Ingo C. Peters (l.) und Chefsommelier Christian Scholz edle Rotweine in der Magnum und in der Fünfliterflasche.

Foto: Roland Magunia / Roland Magunia/Funke Foto Services

Das Hotel hat einen Bestand von 40.000 Flaschen auf 500 Quadratmetern Fläche. Jetzt werden 10.000 davon verkauft.

Hamburg.  Das Vier Jahreszeiten am Neuen Jungfernstieg gehört zu den besten Hotels in Deutschland. Es hat mit dem Haerlin ein mit zwei Michelinsternen ausgezeichnetes Restaurant, das auch über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt ist. Aber das Fünf-Sterne-Superior-Haus hat noch etwas, das eher im Verborgenen liegt und wahre Schätze beherbergt. Es ist der Weinkeller , „der mit einer Fläche von rund 500 Quadratmetern einer der größten in Europa ist. Wir haben aktuell rund 40.000 Flaschen im Bestand, die einen Warenwert von etwa 1,2 Millionen Euro haben“, sagte Direktor Ingo C. Peters beim Ortstermin mit dem Abendblatt.

Aber es fällt sofort auf, dass die wohl temperierten unzähligen Fächer für die Weißweine leer sind. Und da, wo es etwas wärmer ist, weil dort die Rotweine liegen, sind Mitarbeiter damit beschäftigt, die edlen Tropfen behutsam in Kisten zu verstauen. Das wirft Fragen auf. Der Hausherr lächelt und sagt: „Ich erfülle mir einen Traum, den ich habe, seit ich hier als Azubi vor mehr als drei Jahrzehnten die Flaschen reingeschleppt habe. Der rund 100 Jahre alte Weinkeller wird zu einer Erlebniswelt umgebaut und für die Gäste zu einer Eventlocation. Natürlich werden die Flaschen dann hier auch wieder lagern, und ganz am Ende des Gangs kann man einen Blick auf unsere absoluten Spitzenweine in der Raritätenkammer werfen.“

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Bis März soll der neue Weinkeller fertig sein

Bislang sei dieser Bereich nur für eine Handvoll Mitarbeiter zugänglich, bald dürften sich auch die Gäste daran erfreuen. Die wertvollste Flasche ist aktuell ein 2014er Romanée Conti Grand Cru – der Rotwein wird im Burgund in Frankreich angebaut, und für diese Rarität werden 30.000 Euro aufgerufen. Die älteste Flasche ist auch ein französischer Rotwein und stammt aus dem Vier Jahreszeiten-Gründungsjahr 1897 – er ist allerdings nur noch zum Anschauen und nicht mehr zum Trinken geeignet.

Mit den Bauarbeiten wird in Kürze begonnen, und bis März soll alles fertig sein – gestaltet im Stil eines französischen Gewölbekellers. Eine der Flächen wird zur Genussstube umgebaut, „dort können kleine Gesellschaften ein exklusives Dinner genießen oder eine Weinprobe machen“, sagt Peters.

Über Geld wird in der Nobelherberge nicht gesprochen, aber dem Vernehmen nach wird ein hoher sechsstelliger Betrag investiert. Aktuell hat Chefsommelier Christian Scholz die Weine ausgelagert. In der Tiefgarage und im Innenhof wurden extra Räume hergerichtet, und auch der Elbsalon wird genutzt.

Exklusiver Außer-Haus-Verkauf ab 17. November

Der Clou: Das Vier Jahreszeiten lädt vom 17. bis 21. November jeweils von 10 bis 16 Uhr zu einem exklusiven Außer-Haus-Verkauf – unter strenger Einhaltung der Corona-Regeln – in die Großen Festsäle ein. „Eine außergewöhnliche Weinauswahl unseres Sommeliers ist im Angebot, und jeder kann ein Stück Vier Jahreszeiten mit zu sich nach Hause nehmen“, sagt Peters. Chefsommelier Scholz ergänzt: „Wir werden ein Kontingent von etwa 10.000 Flaschen anbieten. Wir haben bewusst Weine ausgewählt, die für jeden erschwinglich sind. Darunter sind bekannte Winzer wie Markus Schneider aus der Pfalz oder Jochen Dreissigacker aus Rheinhessen.“

Bereits für 7 Euro ist man dabei, dafür können sich die Kunden einen Grauburgunder vom Weingut Pfaffmann in der Pfalz sichern. Es werden Weißweine aus Deutschland, Österreich, Italien, Portugal, Südafrika und den USA angeboten. Auch eine große Auswahl an Rotweinen – unter anderem aus Chile und Frankreich – wird präsentiert. Wer etwas mehr Inhalt möchte, für den bietet sich ein südafrikanischer Cabernet Sauvignon & Shiraz in der Magnumflasche für 32 Euro an. Noch ein wichtiger Hinweis: Die Weine müssen direkt vor Ort bezahlt werden, in bar oder mit Kreditkarte, und von den Kunden selbst in den heimischen Keller transportiert werden.

Das Vier Jahreszeiten bleibt geöffnet

Zahlreiche Hotels haben aktuell geschlossen, weil seit dem 2. November ein Beherbergungsverbot für Touristen gilt und die Zahl der Dienstreisen eher überschaubar ist. Die Restaurants dürfen nur noch Außer-Haus-Verkauf anbieten. Das Vier Jahreszeiten bleibt geöffnet, eine kleine Mannschaft hält die Stellung. In der Woche sind etwa 25 Prozent der 156 Zimmer und Suiten belegt. „Wir nutzen die Ruhe im Haus, um das Hotel noch schöner zu machen. Wir haben schon mit der Weihnachtsdekoration begonnen, und das Parkett im Haerlin wird ausgewechselt“, sagt Peters.

Die Wohnhalle erhält eine Frischzellenkur. Der Raum wird mit neuen, mit rotem Samt bezogenen Sofas und Sesseln ausgestattet, die extra in den Bielefelder Werkstätten für das Haus angefertigt werden. Jetzt hat Peters, der das Vier Jahreszeiten nun mehr seit 23 Jahren leitet, nur noch einen Wunsch: „Ich hoffe, dass wir Weihnachten und Silvester wieder Gäste bewirten können.“ Die Restaurants des Hauses sind bereits ausgebucht.