Corona-Krise

Wenn der Fußballtrainer für alle einkaufen geht

Voller Einsatz, nicht nur für den Sport: Marisa Kohler und Christoph Fenske vom SC Poppenbüttel gehen für die Menschen im Viertel einkaufen.

Voller Einsatz, nicht nur für den Sport: Marisa Kohler und Christoph Fenske vom SC Poppenbüttel gehen für die Menschen im Viertel einkaufen.

Foto: Marcelo Hernandez

Der SC Poppenbüttel versucht mit ungewöhnlichen Ideen durch die Krise zu kommen – und den Menschen zu helfen.

Hamburg.  Der zweite Corona-Lockdown ist für Hamburgs Sportvereine ein großes Problem. Erstens weil sie nicht wie gewohnt ihr Programm anbieten können. Und zweitens weil Mitglieder auch aus finanziellen Gründen ihre Vereine verlassen. Der SC Poppenbüttel kämpft als einer der größeren unter ihnen mit ungewöhnlichen Mitteln gegen die Krise. „Wir als Sportverein sehen unsere Aufgabenstellung in dieser schwierigen Zeit darin, für unsere Mitmenschen in und um Poppenbüttel herum da zu sein“ sagt Geschäftsführer Wolfgang Haumüller. „Wir müssen uns doch einfach gegenseitig unterstützen.“

Und so habe man gemeinsam verschiedene Aktionen beschlossen. Da gibt es zum einen die Onlinekurse, die der SC Poppenbüttel derzeit ausbaut. Seit Beginn des zweiten Lockdowns versuchen die Trainer und Mitarbeiter, möglichst alle Kurse auch in einem Livevideo anzubieten. „Und das, so weit es geht, auch genau zu der Zeit, zu der normalerweise die Angebote stattfinden würden.“ Die Trainer stünden jetzt nur eben alleine in der Halle, vor ihnen eine Kamera. Die Mitglieder wiederum haben die Möglichkeit, von zu Hause aus mitzumachen. „Wir hatten noch ein paar technische Startschwierigkeiten, aber seit dieser Woche laufen die Kurse recht einwandfrei.“ Einige würden allerdings gebündelt gegeben, sodass nicht alle Teilnehmer die gleiche Kurszeit angeboten bekommen könnten. Nun können also die Mitglieder zu Hause Rückengymnastik machen, Pilates oder Rehasport.

SC Poppenbüttel will verhindern, dass noch mehr Mitglieder kündigen

Damit das auch wirklich funktioniert, verleiht der SC Poppenbüttel alle nötigen Sportgeräte. Dazu gehören Langhanteln oder Bälle – einfach alles, was die Mitglieder zu Hause gebrauchen können. „Hier soll keiner mit Kochtöpfen trainieren müssen“, so Haumüller. Das Angebot werde bereits sehr gut angenommen. „Natürlich läuft hier viel über Vertrauen. Wir notieren die Leihgabe und sind uns einfach sicher, dass am Ende dieses Lockdowns alle die Geräte heil zurückbringen werden.“

Diese Angebote hat der SC Poppenbüttel aber auch ins Leben gerufen, damit nicht noch mehr Mitglieder kündigen. „Wir haben bis Oktober schon 300 Männer, Frauen, Jugendliche und Kinder verloren“, so Haumüller. Eine schmerzhafte Zahl für den Verein, der insgesamt jetzt nur noch knapp 4000 Mitglieder verzeichnet. Eine gewisse Fluktuation sei jedes Jahr normal, „aber das Problem ist hierbei, dass wir keine neuen Mitglieder gewinnen können. Wer tritt schon jetzt in einen Sportverein ein?“

Drei bis fünf Austritte in der Woche

Seit Beginn des zweiten Lockdowns hätten die Austritte wieder zugenommen. „Derzeit sind es drei bis fünf in der Woche, Tendenz leider steigend.“ Um jeden Einzelnen würde man versuchen zu kämpfen. „Wenn die Menschen es aus finanziellen Gründen tun müssen, versuchen wir sie mithilfe unseres Fördervereins zu halten.“ Noch könne der SC Poppenbüttel so überleben. „Aber wenn das im kommenden Jahr weitergeht, dann wird die Situation für uns bedrohlich. Diese Tatsache bereitet uns echt Sorgen.“

Dennoch, aufgeben gibt es für Haumüller und seine Kollegen nicht. Ganz im Gegenteil. Gerade haben die Mitarbeiter 3000 Flyer im Viertel verteilt: „Wir helfen euch“, heißt es da. Zu dieser Unterstützung gehört unter anderem ein Einkaufsservice des SC Poppenbüttel. „Jeder, der sich aus gesundheitlichen Gründen jetzt nicht mehr traut, einkaufen zu fahren, kann uns um Hilfe bitten.“ Und Haumüller betont: „Damit ist wirklich jeder hier in Poppenbüttel gemeint, nicht nur unsere Mitglieder.“ Schon im ersten Lockdown hätten die Kollegen regelmäßig für andere Einkaufstouren übernommen. Auch jetzt fahren sie zu Supermärkten, Apotheken oder zum Amt. „Jeder kann uns anrufen oder anschreiben, wir kümmern uns“, so Haumüller. Die Hilfe werde gut angenommen. „Die Menschen sind stark verunsichert – und das zu Recht.“

Weihnachtsbus bringt Geschenke für Poppenbüttler

Doch damit nicht genug. Auch für die Kinder hat sich der SC Poppenbüttel etwas ausgedacht. Gerade ist ein Malwettbewerb gestartet unter dem Motto: „Male dich bei deiner Lieblingssportart“. „Die ersten drei Gewinner bekommen ein Geschenk. Außerdem werden wir die Siegerbilder hier auf der Sportanlage präsentieren“, so Haumüller. Dazu wird es einen Adventskalender für die jungen Mitglieder geben.

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„Wir werden jeden Tag live das Türchen öffnen und einen Gewinner ziehen. All das können die Kinder dann auf unseren Onlinekanälen verfolgen.“ Und sich die Geschenke dann in der Geschäftsstelle abholen. Dazu wird am 5. Dezember der Nikolaus auf Tour gehen. Unter dem Motto: „Der SCP-Weihnachtsbus on Tour“ werden in ganz Poppenbüttel kleine Geschenke an die Kinder verteilt, „Unabhängig von einer Mitgliedschaft.“ (Nähere Informationen über die Fahrtroute und Zeiten gibt es kurz vorher auf der Homepage des Vereins, auf Facebook).

All diese Aktionen sollen zeigen, wie wichtig es dem SC Poppenbüttel ist, den großen und kleinen Menschen aus dem Viertel ein wenig durch die harten Wochen zu helfen. „Wir sind hier im Stadtteil so tief verwurzelt, da muss man einfach Flagge zeigen.“ Und das natürlich ganz besonders für die Mitglieder: „Denn sie sind das Herz eines jeden Vereins.“ Haumüller, ein Optimist, ist sich sicher: „Gemeinsam schaffen wir das.“