Pandemie

Corona: Wann wirkt der Lockdown in Hamburg?

Vor allem das Personal auf Intensivstationen könnte knapp werden.

Vor allem das Personal auf Intensivstationen könnte knapp werden.

Foto: Laurent Gillieron / dpa

„Nur“ 298 Corona-Fälle, doch das ist wohl der Montagseffekt. Ida-Ehre-Schule weiter geschlossen, zwei Flüchtlingsheime unter Quarantäne.

Hamburg.  Sind das schon die Lockdown-Auswirkungen? Oder doch nur der Montagseffekt? Wie so oft wurden am ersten Wochentag in Hamburg mit 298 positiven Corona-Tests vergleichsweise wenige Neuinfektionen vermeldet – jedenfalls gemessen an den bis zu 647 positiven Tests pro Tag in der Vorwoche. Und schließlich gelten einige Verschärfungen wie die Kontaktbeschränkung auf maximal zehn Personen aus zwei Haushalten in Hamburg bereits seit zwei Wochen und der bundesweite Lockdown light mit Schließung von Gastronomie- und Freizeiteinrichtungen auch schon seit einer Woche. Wenn diese Maßnahmen wirken, müsste sich das langsam in den Zahlen bemerkbar machen.

Doch andererseits wurden ähnliche Überlegungen vergangene Woche auch angestellt, als am Montag „nur“ 251 Neu-Infektionen vermeldet worden waren. Dann gab es am Dienstag mit 456 einen neuen Rekordwert, der wieder zwei Tage später von besagten 647 nochmals weit übertroffen wurde. Daher ist man in der Sozial- und Gesundheitsbehörde eher zurückhaltend bei der Bewertung der Lage.

Am Wochenende machen weniger Menschen einen Corona-Test

Die 298 sei wohl „eher ein Montags­effekt“, heißt es. Damit ist gemeint, dass am Wochenende weniger Menschen einen Corona-Test machen, sodass die Zahlen, die bis Montagmorgen um 9 Uhr erhoben werden, regelmäßig etwas niedriger ausfallen. Aufgrund dieses Effekts hat sich die Inzidenz kaum verändert: Die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner lag mit 165,9 nur leicht über der des Vortages. Da die Klinikdaten über das Wochenende nicht aktualisiert werden, gilt unverändert: 191 Hamburger werden mit einer Covid-19-Erkrankung im Krankenhaus behandelt, 45 von ihnen auf den Intensivstationen. Außerdem liegen 49 Auswärtige in den Kliniken der Hansestadt, 13 von ihnen auf Intensivstationen. Die Zahl der Todesfälle liegt ebenfalls unverändert bei 256.

Angesichts der erwartbar steigenden Patientenzahlen auf den Intensivstationen haben die Hamburger Krankenhäuser bereits umgedacht. Nach Abendblatt-Informationen gibt es eine neue Teststrategie für das medizinische Personal, doch die muss noch abgesegnet werden. Die Geschäftsführerin der Krankenhausgesellschaft (HKG), Dr. Claudia Brase, bestätigte: „Die Hamburger Krankenhäuser disponieren derzeit, wie sie mit den Patienten umgehen, die zu elektiven Eingriffen angemeldet sind, damit Personal aus anderen Bereichen auf den Covid-Stationen helfen kann. Auf den Intensivstationen ist der Engpass nicht das Bettengestell, sondern das Intensivpersonal.“

Mitarbeiter seien schon geschult worden, um auf den Intensivstationen auszuhelfen. „Da droht jetzt nicht der Notstand.“ Allerdings seien Ärzte und Pflegekräfte in Quarantäne, wenn sie zum Beispiel auch im privaten Bereich Kontakt zu Infizierten hatten. Diese Mitarbeiter fehlen in den Kliniken. „Das schmerzt uns sehr“, sagte Brase. Die Krankenhäuser haben der Sozialbehörde eine andere Teststrategie vorgeschlagen, über die derzeit Gespräche geführt werden. Danach könnten sich die Krankenhausmitarbeiter in Quarantäne nach fünf Tagen „frei testen“. Sind sie negativ, dürfen sie wieder arbeiten. Allerdings werden sie aus Sicherheitsgründen weitergetestet. Die Asklepios Kliniken haben derzeit mehr stationäre Corona-Fälle in ihren Häusern als auf dem bisherigen Höhepunkt im April: 153 Covid-Patienten, darunter 38 auf Intensivstationen. Auch hier erwartet man ein Ansteigen der Zahlen.

Keine neuen Infektionen auf UKE-Transplantationsstation

Das UKE hat nach einem erneuten Corona-Ausbruch in einem sensiblen Bereich vorsichtig Entwarnung gegeben. Auf der Transplantationsstation seien​ seit dem 28. Oktober keine weiteren neuen Infektionen mehr registriert worden, sagte UKE-Sprecherin Saskia Lemm auf Anfrage. Vier Patienten und drei Mitarbeiter waren zuvor positiv getestet worden. „Bisher sind bei den meisten Betroffenen keine wesentlichen Covid-19-Symp­tome aufgetreten“, so Lemm.

„Bei der Häufung der Fälle scheinen Patientenkontakte außerhalb der Station eine Rolle gespielt zu haben“, sagte Saskia Lemm. Man nehme hier eine Ansteckung untereinander an. Seit vergangener Woche sei die Transplantationsstation wieder im Normalbetrieb. Bereits im März und April war es im UKE im Bereich der Onkologie zu einem schweren Corona-Ausbruch gekommen. Insgesamt infizierten sich damals 60 Menschen, darunter 40 Mitarbeiter. Elf Patienten verstarben infolge der Covid-19-Infektion.

Corona-Massentest an der Ida-Ehre-Schule ist noch nicht vollständig ausgewertet

Der Corona-Massentest an der Ida-Ehre-Schule, bei dem 1200 Menschen getestet wurden, ist noch nicht vollständig ausgewertet worden. Schon jetzt aber wurde das Virus laut Behörde bei 31 Schülern und Schülerinnen nachgewiesen, außerdem bei neun Lehrern oder anderen Schulbeschäftigten. Rund 200 der 1200 Testergebnisse stehen laut Schulbehörde noch aus. Die Schule bleibt vorerst bis einschließlich Dienstag geschlossen. Insgesamt wurden hamburgweit für Sonnabend 85, für Sonntag 40 und für Montag ebenfalls 40 Neuinfektionen an Hamburger Schulen gemeldet. Betroffen waren 128 Schülerinnen und Schüler sowie 37 Schulbeschäftigte. Für zwölf Klassen wurden Quarantänemaßnahmen veranlasst.

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Dabei ist der Anteil von Schülern und Schulbediensteten an allen Hamburger Infektionen über das Wochenende wieder leicht gesunken. Schüler und Schulbedienstete machen etwas mehr als 15 Prozent der Hamburger Bevölkerung aus, ihr Anteil an den Neuinfektionen hatte in der vergangenen Woche jedoch bei bis zu 26 Prozent der täglichen Neuinfektionen betragen. Laut Schulbehörde sank dieser Anteil am Montag auf 13,4 Prozent. Insgesamt liegen aktuell 684 Infektionen von Menschen aus dem schulischen Kontext an 213 Schulen vor, davon 533 Schülerinnen und Schüler sowie 150 Schulbeschäftigte (und einmal unbekannt). Aktuell befinden sich insgesamt 76 Klassen sowie 250 weitere Schulbeschäftigte in Quarantäne.

Zwei Wohnunterkünfte in Harburg unter Quarantäne

Gleich zwei Wohnunterkünfte sind im Bezirk Harburg unter Quarantäne gestellt worden. In Sinstorf ist die Folgeunterkunft am Sinstorfer Kirchweg bereits seit einigen Tagen vermehrt von Corona-Fällen betroffen. Ein Sicherheitsdienst hat das Gelände abgeriegelt. Am Montag wurde dort einen Massentest für die Bewohner der für 288 Menschen ausgelegten Einrichtung durchgeführt. In der Einrichtung gab es bereits einen Vorfall, zu dem die Polizei hinzugezogen werden musste. Offenbar hatte ein Bewohner versucht, die Quarantäne zu brechen. Auch die Wohnunterkunft Wetternstraße in der Nähe des Harburger Bahnhofs steht unter Quarantäne, nachdem dort Corona-Fälle bekannt wurden. Wie viele Infizierte es in beiden Einrichtungen gibt, wurde nicht bekannt.

Die Corona-Hotline ist weiter überlastet. Zuletzt erreichten nur knapp 64 Prozent der Anrufer einen Ansprechpartner. Die Testung von Reiserückkehrern auf dem Flughafen ist seit Anfang des Monats deutlich zurückgegangen. Seit dem 2. November wurden nur noch zwischen 120 und 378 Reisende täglich auf Corona getestet. In der Woche davor waren es bis zu 750.

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