Hamburg

A-7-Deckel: Aus zwei Parks wird ein großer

Bezirksamtsleiterin Stefanie von Berg über der A 7. Direkt hinter ihr liegt der zerschnittene Lutherpark, in weiterer Ferne schließt der ebenfalls geteilte Bonnepark an.

Bezirksamtsleiterin Stefanie von Berg über der A 7. Direkt hinter ihr liegt der zerschnittene Lutherpark, in weiterer Ferne schließt der ebenfalls geteilte Bonnepark an.

Foto: Roland Magunia/Funke Foto Services

Steht der Autobahntunnel, werden die zerschnittenen Grünzonen in Bahrenfeld nach Jahrzehnten wieder miteinander verbunden.

Hamburg. Der Lutherpark könnte locker zu den schönsten Hamburger Grünanlagen gehören: Die rund 8,4 Hektar große Fläche bildet stellenweise ein lang gezogenes Tal, das sich nach Nordosten bis zu einer Kleingartensiedlung erstreckt. Zwischen Buchen und alten Rhododendren steht seit 1908 die bezaubernde Lutherkirche, die seinerzeit eigens hoch gelegen auf dem damaligen „Platz der Schönen Aussicht“ erbaut wurde – der heutigen Lutherhöhe. Doch mit der schönen Aussicht ist es schon ziemlich lange vorbei. Unmittelbar am Ende der Straße Lutherhöhe verläuft seit rund 50 Jahren die A 7.

Die komplette westliche Seite des heutigen Parks grenzt an die Autobahn. Auf der gegenüberliegenden Seite, südlich der Straße Kielkamp, liegt eine Grünanlage, die stellenweise wie ein Trampelpfad neben dem Autobahnwall aussieht. Selbst manche Anwohner wissen nicht, dass sie ebenfalls zum Lutherpark gehört, der durch den Straßenbau einst in zwei Hälften geteilt wurde.

„In dieser Form ist die Autobahn wie eine offene Wunde mitten in der Stadt"

Treffen mit Bezirksamtsleiterin Stefanie von Berg (Grüne) an der Lutherkirche. Vor Ort herrscht ein beständiges lautes Rauschen, das immer wieder durch beschleunigende Motoren übertönt wird. An diesem Tag ist der Krach etwas leiser als an einer Autobahnraststätte, an anderen ist er dann wieder mindestens genauso intensiv. Die lärmgeplagten Anwohner und Spaziergänger wissen, dass das unter anderem von der Windrichtung und der aktuellen Verkehrslage abhängig ist. Gelegentlich wird ironisch angemerkt, dass sich am Lärmpegel immerhin abschätzen lasse, ob es vorm Elbtunnel gerade einen Stau gibt oder nicht.

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Von Berg geht über die Brücke zwischen Lutherhöhe und Kielkamp. Die Schneise, die Bahrenfeld zerteilt und das ganze Erscheinungsbild einiger Ecken des Stadtteils seit Jahrzehnten negativ prägt, lässt sich von hier mit Blick nach Süden besonders schmerzlich betrachten. „In dieser Form ist die Autobahn wie eine offene Wunde mitten in der Stadt“, sagt von Berg, „da gibt es nichts zu beschönigen.“

Der gesamte Grünzug auf dem A-7-Deckel wird rund 19,2 Hektar groß sein

Links und rechts der Autobahn erheben sich alte Bäume mit schönstem Herbstlaub, doch die darunter verlaufenden Wege enden in westöstlicher Ausrichtung seit vielen Jahren im Nirwana. Das gilt auch für die große Grünanlage, die sich südlich des Lutherparks zwischen den Querungen Bahrenfelder Chaussee und Von-Sauer-Straße erstreckt.

Der 1895 angelegte Bonnepark, der im kommenden Jahr – genau wie die Georg-Bonne-Straße in Nienstedten – umbenannt wird, wurde durch den Autobahnbau ebenfalls in zwei Teile zerschnitten. Der Bahrenfelder See in der westlichen Hälfte, einst eine grüne Oase inmitten einer locker bebauten Wohngegend und trotz allem immer noch ein Kleinod, liegt heute direkt neben der Autobahnabfahrt Bahrenfeld.

Doch in einigen Jahren wird definitiv Schluss sein mit Parktrennung und Lärm. Denn mit der Überdeckelung der A 7 werden nicht nur einige Straßenzüge, die aktuell als Sackgassen enden, wieder verbunden und Sichtachsen neu belebt. Die meisten Hamburger wissen noch nicht, dass dann auch Luther- und Bonnepark wieder zusammengeführt werden, sodass die großen, zusammenhängenden Grünzonen von einst entstehen. Der gesamte Grünzug auf dem Deckel wird rund 19,2 Hektar groß sein, davon zehn Hektar Parkanlagen und 9,2 Hektar Kleingärten. Die Gestaltung der Ober­flächen wird noch eine Weile dauern: Sie soll im Anschluss an Bodenarbeiten und dem Rückbau einiger Behelfskonstruktionen beginnen.

Der Altonaer Grüngürtel hat eine lange Tradition

Stefanie von Berg verweist auch noch einmal auf die lange historische Bedeutung, die das Projekt hat. Die Idee eines Parks mit Kleingärten zwischen Behringstraße und dem Altonaer Volkspark ist nämlich nicht neu. Bereits in den 1920er-Jahren hatte der Stadtplaner Gustav Oelsner den Gedanken, im Rahmen eines ersten Altonaer Grüngürtels eine Verbindung vom Volkspark bis zur Elbe zu schaffen. „Mit der Überdeckelung der A 7 wird diese Idee nun wieder aufgegriffen und in die Realität umgesetzt“, sagt von Berg.

Die Zukunftsvision der Bezirksamtsleiterin: „Die historischen Parkanlagen Luther- und Bonnepark werden nach mehr als 50 Jahren wieder miteinander verbunden. Die Wunde wird endlich geschlossen.“