Corona-Krise

Hamburger Gastronom: „Für uns wird es ein Weihnachten light“

Müssen in Kurzarbeit: Alex Fuß (l.) arbeitet im Neumanns am Grindelhof und Antonio Barbuto im Fischereihafen Restaurant.

Müssen in Kurzarbeit: Alex Fuß (l.) arbeitet im Neumanns am Grindelhof und Antonio Barbuto im Fischereihafen Restaurant.

Foto: Michael Rauhe/Andreas Laible

Restaurants müssen wieder schließen. Tausende Mitarbeiter dürfen nicht mehr arbeiten. Das Abendblatt hat zwei von ihnen getroffen.

Hamburg.  Der Lockdown ist zurück, ab heute müssen alle Gastronomen in Hamburg ihre Lokale wieder schließen. Tausende Mitarbeiter werden in Kurzarbeit geschickt. Das bedeutet: Der Staat übernimmt 60 Prozent des Gehalts, wer Kinder hat, bekommt 67 Prozent. „Ich habe als Erstes meinen Vermieter angerufen und ihn gebeten, dass er meine Miete stundet. So wie beim ersten Lockdown“, sagt Alex Fuß. Der Restaurantfachmann ist Teamleiter im angesagten Neumanns Weinbistro am Grindelhof.

Das Abendblatt trifft ihn dort Ende vergangener Woche zum Gespräch, als bereits bekannt war, dass am 2. November wieder alles vorbei ist. Erst mal für einen Monat, aber vielleicht auch länger, wenn sich die Corona-Pandemie nicht wie gewünscht eindämmen lässt. Gleich beginnt das Abendgeschäft. „Das tut gut. Es lenkt mich ab, wenn ich arbeite und mich um die Gäste kümmere. Aber danach ist diese Angst wieder da. Wie lange wird die Schließung dieses Mal dauern? Und vor allem, wie sollen wir finanziell über die Runden kommen?“ Der 38-Jährige schluckt. Seine Tochter Mia-Sofie wird am 13. November elf Jahre alt. „Große Geschenke können wir uns dieses Jahr nicht leisten, es wird auch ein Weihnachten light werden.“

Im November startet normalerweise die Zeit der Weihnachtsfeiern

Bereits beim ersten Lockdown war Fuß rund zwei Monate in Kurzarbeit - von Mitte März bis Mitte Mai musste die Gastronomie schließen. „Da sitzt man dann zu Hause und kann natürlich nicht entspannen. Man denkt oft ans Geld. Da ist ja nicht nur die laufende Miete, es müssen auch Versicherungen bezahlt werden. Ich war gerade dabei, die Verbindlichkeiten vom ersten Lockdown abzustottern, und jetzt geht das Ganze von vorne los.“

Im November startet normalerweise die Zeit der Weihnachtsfeiern. „Da bekommt man gutes Trinkgeld. Und das ist neben dem Gehalt eine wichtige Einnahme, die wir nicht versteuern müssen und die man unbedingt braucht.“ Die Höhe des Trinkgeldes variiert natürlich, aber 50 Euro am Abend kämen da schon zusammen.

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Als am Mittwoch die Lockdown-Pläne bekannt wurden, „da war ich schockiert und habe nur gedacht, warum muss wieder die Gastronomie zumachen? Wir haben uns doch an alle Corona-Auflagen gehalten und werden jetzt bestraft.“ 42 Stunden arbeitete Fuß pro Woche und hatte dabei immer eine Maske auf – weil es so vorgeschrieben ist. „Ich habe mich daran gewöhnt, auch wenn es nicht gerade angenehm ist.“

Schock für Hamburger Gastronomen

Wenn der gebürtige Hallenser von seinem Job erzählt, strahlt er. 2007 hat er seine Ausbildung zum Restaurantfachmann im The Locks in Poppenbüttel gemacht. Das gehört wie die Neumanns Weinbistros am Grindelhof und an der Langen Reihe zur Gastro-Gruppe von Peer Petersen. Der führt auch das Wellingten und das Mellinghus im Alstertal. Bis auf einen kleinen beruflichen Ausflug in die Schweiz ist Alex Fuß, der mit seiner Frau Jennifer und Mia-Sofie in Ohlsdorf lebt, dem Unternehmen seit zwölf Jahren verbunden. „Ich liebe meinen Beruf. Die Gastronomie ist sicherlich eine harte Branche, aber es macht großen Spaß. Wenn die Gäste zufrieden sind, bin ich glücklich.“ Und deshalb hat er nur einen Wunsch: „Ich hoffe, dass wir bald wieder öffnen dürfen. Denn nichts ist schlimmer, als wenn man arbeiten möchte, es aber nicht darf.“

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"Das Coronavirus darf nicht die ganze Stadt erfassen"

Ortswechsel in das traditionsreiche Fischereihafen Restaurant an der Großen Elbstraße, eines der bekanntesten Lokale der Stadt. „Ich konnte es erst gar nicht glauben, als ich von dem zweiten Lockdown gehört habe. Das war ein Schock, jetzt geht alles wieder von vorne los“, sagt Antonio Barbuto.

Trinkgeld macht einen großen Teil des Einkommens aus

Der 39-Jährige ist Oberkellner im Fischereihafen Restaurant, das von Dirk Kowalke geführt wird. Auch für Barbuto ist ab heute wieder Kurzarbeit angesagt. „Natürlich versucht man jetzt zu sparen. Das allein reicht aber nicht aus. Man muss auch an seine Reserven gehen.“ Der Vater von Zwillingen kann die Zwangspause nicht wirklich genießen: „Da sind immer die Gedanken, wie es weitergeht. Ich hoffe, dass wir im Dezember wieder loslegen können und wenigstens noch ein bisschen etwas vom für uns so wichtigen Weihnachtsgeschäft mitnehmen können.“

Das Trinkgeld macht einen großen Teil des Einkommens des Restaurantfachmanns aus. „Das fällt jetzt alles weg. Darüber macht sich die Politik offensichtlich keine Gedanken.“ Aus dem aktuellen Lohn- und Gehaltstarifvertrag des Dehoga geht hervor, dass beispielsweise ein Oberkellner 2280 Euro brutto verdient. Der Anreiz in dieser Branche ist vor allem das Trinkgeld.

Trotz Hygienekonzept muss das Restaurant schließen

Barbuto lässt den Blick aus dem Restaurant über die Elbe schweifen und sagt: „Als wir nach dem ersten Lockdown wieder öffnen durften, da war ich richtig euphorisch und hatte ein Kribbeln im Bauch. Ich arbeite gerne und freue mich über den Kontakt mit unseren Gästen.“ Darauf muss er vorerst wieder verzichten.

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Das Fischereihafen-Restaurant hat viel Geld und Mühe in das Hygienekonzept investiert, zwischen den Tischen stehen hohe Glastrennwände. Barbuto sagt: „Wir haben alle Auflagen erfüllt, und trotzdem müssen wir jetzt schließen. Das kann man nur schwer begreifen.“ Aber Barbuto, der seit 19 Jahren für die Familie Kowalke arbeitet, denkt positiv. „Ich habe jetzt mehr Zeit für meine Familie, und ich hoffe sehr, dass wir Anfang Dezember wieder öffnen dürfen.“

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