Hamburg

Dieses Corona-App-System soll Infektionsketten unterbrechen

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Catharina Jäckel
Kai-Peter Siemsen, Inhaber der Neuen Eilbeker Apotheke und Präsident der Hamburger Apothekerkammer, hat am Donnerstag den Corona-Sender angebracht.

Kai-Peter Siemsen, Inhaber der Neuen Eilbeker Apotheke und Präsident der Hamburger Apothekerkammer, hat am Donnerstag den Corona-Sender angebracht.

Foto: Marcelo Hernandez

In der Neuen Eilbeker Apotheke hilft ein Sender bei der Kontaktnachverfolgung. Kunden müssen dazu eine Tagebuch-App installieren.

Hamburg. Wann war ich letzte Woche noch mal in der Apotheke? Wer war alles beim Lauftreff am Dienstag? Und hatte ich schon am Mittwoch Halsschmerzen oder doch erst am Donnerstag? Bei einer Ansteckung mit dem Coronavirus sind schnelle Antworten auf solche Fragen entscheidend. Ein digitales Kontakttagebuch könnte Zeiten, beteiligte Personen und Symptome mit einem Klick liefern – und so vor allem die Hamburger Gesundheitsämter entlasten.

Diese Meinung vertritt auch der Präsident der Hamburger Apothekerkammer, Kai-Peter Siemsen. In seiner Apotheke in Eilbek hat er daher am Donnerstag einen sogenannten "Beacon", einen handygroßen Sender, an der Wand installiert.

Corona-App-System will Infektionsketten unterbrechen

Über Bluetooth sendet dieser ein Signal an die Smartphones der Kunden. Voraussetzung ist allerdings, dass sie sich eine Kontakttagebuch-App auf ihr Handy installiert haben. In der App wird anschließend automatisch ein Eintrag angelegt, in dem Ort und Zeit des Besuchs gespeichert werden.

Meldet das Gesundheitsamt nun einen Infektionsfall an den Apotheker, kann dieser die Meldung über den Sender teilen. Wenn Ort und Zeitpunkt mit einem Eintrag auf der Tagebuch-App übereinstimmen, erhält der Kunde eine Risikowarnung auf sein Smartphone und sollte sich anschließend testen lassen.

Kunden müssen Kontakttagebuch-Apps installieren

"Einfacher wäre es natürlich, wenn die Corona-Warn-App eine Kontakttagebuch-Funktion hätte", so Siemsen. Diese wurde bis zum 23. Oktober laut Robert Koch-Institut bereits 20,3 Millionen Mal heruntergeladen. Für Kontakttagebuch-Apps will Siemsen daher von nun an in der Neuen Eilbeker Apotheke werben. "So können wir ein wenig dazu beitragen, dass sich das Virus nicht weiter ausbreitet", sagt der Präsident der Hamburger Apothekerkammer.

Auch Doctor Box, der Hersteller des Senders, bietet eine dazugehörige kostenlose Kontakttagebuch-App an. Die App des Berliner Unternehmens wurde bisher 500.000 Mal heruntergeladen. Der Sender schickt seine Daten aber auch an andere Tagebuch-Apps. Siemsen und seine Apothekerkollegen wurden über einen Newsletter ihres Digitaldienstleisters Noventi informiert. Das Unternehmen übernimmt zudem die Kosten für die Sender in Apotheken.

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Doctor Box möchte auch Gastronomen mit Sendern ausstatten

"Je mehr Apotheken und Geschäfte einen solchen Sender installiert haben, desto besser", sagt Siemsen. Bisher wurden 72 Apotheken in Hamburg mit den Sendern ausgestattet, wie Doctor Box auf Anfrage mitteilte. Deutschlandweit seien es bereits 5000 Apotheken.

Doctor Box möchte seine Beacon jedoch nicht nur in Apotheken anbringen. Ziel des Unternehmens sei es, auch in Hotels, Restaurants, Geschäften, Behörden und Fitness-Studios Sender anzubringen. Im Frühjahr wurde dazu im Ostseebad Ahrenshoop ein Pilotprojekt gestartet, das laut dem Unternehmen "sehr gut ankam".

Wunder vollbringen werden der Sender und die Apps nicht. Denn diejenigen, die sich sich schon gegen die Corona-Warn-App sträuben oder kein Smartphone besitzen, werden wohl auch keine Kontakttagebuch-App installieren. "Das basiert natürlich alles auf Freiwilligkeit und ist nur eine zusätzliche Maßnahme, damit jeder einen Beitrag leisten kann", so der Apotheker.

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