Hamburg-Kolumne

Jubiläum der Boutique Bizarre und eine Benefizauktion

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Der Geschäftsführer der Boutique Bizarre, Kay Arnold, mit Burlesque-Künstlerin Eve Champagne

Der Geschäftsführer der Boutique Bizarre, Kay Arnold, mit Burlesque-Künstlerin Eve Champagne

Foto: Christian Charisius / dpa

Anekdoten aus der Gesellschaft, Rück- und Ausblicke auf Veranstaltungen – alles über die wichtigsten Köpfe der Stadt.

Hamburg. Einen Grund zum Feiern gab es endlich mal wieder auf der Reeperbahn: Die Boutique Bizarre – die nach eigenen Angaben das größte Erotik-Kaufhaus Europas ist – wurde 30 Jahre alt. Seit 1998 kümmert sich Kay Arnold um die Geschäftsführung des Unternehmens, auch in Zeiten der Pandemie laufen die Geschäfte. „Die Leute haben es sich seit Corona zu Hause gemütlich gemacht. Das haben wir vor allem daran gemerkt, dass Kleidung aus Lack und Leder stark nachgefragt sind.“ Die Boutique Bizarre hat inzwischen einen Kultstatus erreicht: Für Olivia ­Jones ist das Geschäft ein fester Bestandteil ihrer Kiez-Touren. Im vergangenen Jahr ist sogar ein Buch mit dem Titel „Eine neutrale Tüte bitte“ über den Laden erschienen, das Mitarbeiterin Candy Bukowski geschrieben hat.

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Tesa spricht mit neuer Stimme. Carolin Adler hat die Leitung der Unternehmenskommunikation der Beiersdorf-Tochter übernommen. Die 40-Jährige kommt vom Körber-Konzern, wo sie unter anderem als stellvertretende Leiterin Konzernkommunikation und als Pressesprecherin tätig war. Die Kommunikationswissenschaftlerin und Betriebswirtin übernimmt das Amt von dem langjährigen Pressechef Reinhart Martin, der Ende 2019 aus dem Unternehmen ausgeschieden ist. Eigentlich war ihr Start unter dem neuen Tesa-Chef Norman Goldberg schon für das Frühjahr dieses Jahres geplant, hatte sich aber verschoben. Aus einem sehr schönen Grund: Carolin Adler hat im Juni einen Sohn zur Welt gebracht – ihr drittes Kind.

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Der virtuelle Hammer fällt am 28. Oktober. Dann endet die Benefizauktion des Förderkreises der Evangelischen Stiftung Alsterdorf. In den vergangenen Jahren fand diese Auktion im Rahmen einer Gala im Spiegelsaal des Museums für Kunst und Gewerbe statt. Diese Veranstaltung musste wegen der Pandemie abgesagt werden. Noch können Preise ersteigert werden, die man nicht kaufen kann, wie ein Box-Training mit Luan Krasniqi , 2002 Europameister im Schwergewicht, eine Schallplattenparty im Mojo Club mit 15 Freunden inklusive Drinks oder eine eintägige Tour mit der Stadtreinigung auf einem Müllwagen. Bieten kann man auch auf eine Kreuzfahrt und eine kostbare Uhr. Der Erlös fließt an den inklusiven Garten- und Landschaftsbaubetrieb der Stiftung Alsterdorf. Alle weiteren Informationen gibt es im Internet unter www.strasbur­gerkreise.com/benefiz.

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„Irgendwas mit Digitalisierung“, das reiche weder für den Wirtschaftsstandort Deutschland noch für einzelne Unternehmen, warnte Professor Klemens Skibicki (Profski GmbH) in seinem Vortrag. Der renommierte Wirtschaftshistoriker sprach auf Einladung von Kristina Tröger, Präsidentin des Clubs europäischer Unternehmerinnen (CeU), im Hotel Vier Jahreszeiten vor rund 50 Zuhörerinnen. Die Corona-Krise sei womöglich der „letzte Weckruf der digitalen Transformation“, so der Hochschullehrer. Er warb dafür, sich auf die digitale Revolution einzulassen. „Der Wandel in den Köpfen ist am schwierigsten“, so der Digitalexperte. Auch als die Smartphones 2007 auf den Markt kamen, hätten viele Entscheider aus der Wirtschaft diese Innovation zunächst für „überflüssig“ gehalten – eine Fehleinschätzung, wie man heute weiß. Unter den Gästen: Sabina Schwitters (Bornhold), Annette von Rantzau (Internat Schloss Rohlstorf) und PR-Unternehmerin Alexandra von Rehlingen.

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In dieser Woche wurde beim „Azubi des Nordens“ von AGA Unternehmensverband und INW – Bildungswerk Nord der Nachwuchs ausgezeichnet. Auch ein Hamburger konnte sich freuen. Der 26-jährige Florian Mlosch , Kaufmann für Groß- und Außenhandel, der bei der Firma Peter Jensen arbeitet, gehörte zu den Ausgezeichneten. Der junge Mann absolvierte nach seinem Hauptschulabschluss eine Lehre zum Anlagenmechaniker für Heizungs-, Sanitär und Klimatechnik. Machte später seinen Realschulabschluss nach und schloss eine kaufmännische Lehre an.

Die Festrede hielt Karin Prien , Bildungsministerin in Schleswig-Holstein. „Ich finde es wichtig und richtig, dass diese Preisverleihung auch unter diesen besonderen Umständen stattfindet“, sagte die CDU-Politikerin. „Denn der Ausbildungspreis ist ein Zeichen der Wertschätzung für die Leistung der Auszubildenden und ein positives Signal für die duale Ausbildung.“ Übrigens führte zum fünften Mal Yared Dibaba, der selbst eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann absolviert hat, durch die Veranstaltung.

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Die Corona-Pandemie fordert Seefahrern eine Menge ab. Wegen der Reisebeschränkungen und der Abschottung vieler Häfen sind Crewwechsel an Bord vielfach unmöglich. Eine schicksalhafte Reise hat jetzt Kim Jes Nagies hinter sich, Wachoffizier bei der Hamburger Traditionsreederei Hapag-Lloyd. Wenige Wochen vor Reiseantritt erfuhr er, dass seine Frau schwanger war. Alles war geplant. Sein Dienst an Bord sollte rechtzeitig vor der Geburt enden. Und dann kam Corona. Je näher sein Urlaub rückte, desto restriktiver wurden die Regelungen für Crewwechsel. Korea, China, Türkei, Israel – nirgendwo konnte er von Bord. Am 19. Juli feierte Nagies seinen 31. Geburtstag – irgendwo im Indischen Ozean hinter Sri Lanka. Ausgerechnet an dem Tag war Netzausfall an Bord.

Als abends die Störung behoben war, blinkten 20 WhatsApp-Nachrichten auf seinem Handy auf. Die erste lautete: „Wir fahren jetzt in die Klinik.“ Die Letzte besagte: „Herzlichen Glückwunsch, du bist Papa. Hanna ist da und kerngesund.“ Am Abend feierte die Crew auf See also gleich zwei Geburtstage. Erst nach sieben Monaten konnte der Vater in Piräus von Bord gehen. Als Nagies nachts nach Hause kam, flossen Tränen, als er seine Frau und sein Neugeborenes in den Arm nehmen konnte. „Es ist verrückt. Ich habe meine Frau gar nicht schwanger gesehen. Jetzt komme ich nach Hause und ein Baby ist da“, sagt er.

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Nie war Malen so sauber. Denn die russische Künstlerin Elena Bulycheva, die ihren Master an der Hochschule für bildende Kunst (HfbK) bei Anselm Reyle und Udo Engel in Hamburg erlangt hat, ist bekannt für ihre „Waschmaschinen-Werke“. Wobei „New Washed Art“, wie die Moskauerin ihre Technik nennt, cooler klingt. Zuerst malt die Künstlerin mit Acrylfarben auf Leinwand, lässt die Bilder bis zu drei Monate trocknen, wäscht sie dann in Industriewaschmaschinen und lässt sie erneut trocknen. Ursprünglich als einmalige Aktion gedacht, wurde die Technik zu ihrem Markenzeichen: „Ich war einfach vom Resultat begeistert.“

Die Besucher der Ausstellung in ihrem temporären Atelier im Levantehaus, die bis Ende des Monats läuft, übrigens auch. Unter den Gästen bei der von PR-Profi Marietta Andreae organisierten Eröffnung waren unter anderem Stararchitekt Hadi Teherani, Jo Groebel und, als Überraschungsgast, Frank Otto.

( yw )

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