Corona-Maßnahmen

Hamburg gibt Saures: Halloween für Kinder verboten

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Senat schränkt Kontakte weiter ein. Das Regelwerk ist komplex – was es für Zusammenkünfte bedeutet.

Hamburg. „Wir können sehr sicher sein, dass wir im nächsten Frühjahr in einer besseren Lage sein werden.“ Vielleicht ist es ja ganz gut, hin und wieder den Blick zu heben, das Tagesgeschehen beiseitezuschieben und auf den medizinischen Fortschritt zu setzen. Peter Tschentscher (SPD) hat es am Donnerstag getan – in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz. Am Freitag war Hamburgs Erster Bürgermeister dann bei einer Sondersitzung des Senats wieder nah dran an der wenig erfreulichen Aktualität: 360 Corona-Neuinfektionen, schon der zweite absolute Höchstwert in dieser Woche. Wie lässt sich diese Pandemie bremsen?

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Die Zahlen belegen, dass die Lage ernst ist. Die Verhängung der Sperrstunde hat offenbar nicht viel gebracht. Selbst in der Gesundheitsbehörde geht man davon aus, dass die Zahlen in den kommenden Tagen weiter ansteigen werden. Am Freitag vergangener Woche hatte Hamburg 160 Neuinfektionen gemeldet, die Sieben-Tage-Inzidenz lag bei 42,2. Nun sind es 360 Neuinfektionen, die Inzidenz beträgt 75,1 – ein durchaus rasanter Anstieg. Derzeit werden 92 Corona-Patienten in Krankenhäusern behandelt, 30 liegen auf der Intensivstation. Zum Vergleich die Zahlen vom Freitag vergangener Woche: 58 Patienten in Krankenhäusern, 17 auf Intensivstationen. Fazit: Innerhalb von nur einer Woche haben sich die Zahlen nahezu verdoppelt.

Geburtstagsfeiern als Ausnahmen

Also musste etwas geschehen: Zu der Sperrstunde kommt eine Kontaktsperre. Bereits zu Beginn der Woche hatte der Senat die Verschärfung der Regeln für Feiern angekündigt – mit der Entscheidung von Freitag, alle privaten Zusammenkünfte auf maximal zehn Personen aus zwei Haushalten zu begrenzen, führt der Senat nun de facto aber sogar das Kontaktverbot der Pandemie aus dem Frühjahr wieder ein. Mehrfach betonte die Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD), dass sie den Schritt bedauere, er sei aber durch die „noch einmal gestiegene Dynamik“ des Infektionsgeschehens nötig geworden.

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Nicht nur eine Party in der eigenen Wohnung, sondern beispielsweise bereits ein gemeinsames Kochen oder ein Skat-Abend mit Freunden aus zwei weiteren Haushalten sind damit ab Montag erneut verboten. Als einzige Ausnahmen sollen Treffen von Familien und Geburtstagsfeiern mit Kindern unter zwölf Jahren sein. Der Senat begründet das damit, dass (kleine) Kinder das Coronavirus weniger stark verbreiten, wie im Gegensatz zum Frühjahr inzwischen bekannt sei. Man könne hier von einer „Lex Kindergeburtstag“ sprechen, sagte Leonhard.

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Tschentscher: "Jetzt ist keine Zeit zum Feiern"

Wie die neue Verordnung aussehen wird, ist rechtlich komplex. Auch ihre genauen Folgen blieben am Freitagnachmittag zunächst unklar. So sagte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) auf Nachfrage bei einer Pressekonferenz im Rathaus, dass auch eine Zusammenkunft von drei Haushalten in einer Kneipe oder einem Restaurant nicht mehr erlaubt sei. Grundsätzlich laute die Maxime, „dass das jetzt keine Zeit zum Feiern ist“, wie Tschentscher sagte.

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Aus der Sozialbehörde hieß es dagegen nach der Pressekonferenz, dass sich die Regelungen wie bisher auf Zusammenkünfte ohne den Mindestabstand von 1,5 Metern bezögen. Das bedeute, dass es weiterhin legitim wäre, sich doch mit mehr als zwei Haushalten in einem Restaurant zu treffen, solange an den einzelnen Tischen jeweils die Obergrenze eingehalten wird und zwischen den Tischen genug Abstand besteht. Dies würde jedoch nur solange gelten, solange die Zusammenkunft etwa durch ausgiebigen Alkoholkonsum nicht rechtlich den Charakter einer „Feierlichkeit“ bekommt. Genau auf diese Ausnahme – in Senatskreisen damals auch „Regelungslücke“ genannt – berief sich Innensenator Andy Grote (SPD) im Frühsommer, um seinen umstrittenen Umtrunk mit 30 Gästen in einer Bar in der HafenCity zu rechtfertigen.

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Hochzeiten eingeschränkt, Halloween verboten

Bei jeder Zusammenkunft mit mehr als zwei Haushalten in einer Privatwohnung geht die Stadt davon aus, dass der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Deshalb sind sie pauschal verboten. Auf Abendblatt-Nachfrage konnte der Senat am Freitagabend teilweise Angaben zu den genauen Regeln für verschiedene Zusammenkünfte machen. So werden Hochzeiten ebenfalls auf zehn Personen oder zwei Haushalte begrenzt. Für Trauerfeiern und Tanzkurse bleibt es bei den bisherigen Regelungen; für Kinder aus mehr als zwei Haushalten wird es verboten sein, zusammen zu Halloween um die Häuser zu ziehen.

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Bei Verabredungen zum Sport kommt es auf die Sportart und die Umstände an. Unter welchen Bedingungen Wohnungsumzüge stattfinden können, bleibt unklar. Die entsprechende neue Rechtsverordnung werde erst noch erstellt, hieß es.

Das sind einige der neuen Regeln im Überblick:

  • Private Feiern sind nur mit 10 Personen aus zwei Haushalten erlaubt
  • Dazu gehören auch Hochzeiten
  • Ausnahme I: bei Patchwork-Familien und besonderen Konstellationen im Sorgerecht
  • Ausnahme II: Kindergeburtstage für Kinder unter zwölf Jahren, Eltern dürfen aber nicht mitfeiern
  • Halloween-Touren für Kinder sind verboten
  • Feiern im Freien ohne feste Sitzplätze mit bis zu 100 Teilnehmern erlaubt, in geschlossenen Räumen mit bis zu 50. Bei Alkoholausschank dürfen nur 10 Teilnehmer dabei sein.
  • Das Alkoholverkaufsverbot in der Gastronomie (ab 23 Uhr) gilt jetzt auch von 5 Uhr morgens bis 10 Uhr morgens.
  • Diese Regeln gelten von Montag vorerst bis Ende November

Eine Maskenpflicht im Schulunterricht wird es vorerst weiterhin nur für die Oberstufe geben, sagte Bürgermeister Tschentscher am Freitag. Die Schulen seien am Hamburger Infektionsgeschehen nicht maßgeblich beteiligt, sagte Peter Albrecht, Sprecher der Schulbehörde. „Die Schulen sollen solange als möglich geöffnet bleiben und Präsenzunterricht geben.“ An der Klosterschule in St. Georg sieht man das anders. Eltern sind beunruhigt, weil es dort vor den Herbstferien eine Ansteckung gegeben hat. Sechs Schüler und eine Lehrkraft wurden infiziert. Die Eltern fordern nun einen Hy­brid-Unterricht und ein verbessertes Hygienekonzept.

Familien-Initiative überreicht "Blauen Brief"

Die Initiative „Familien in der Krise“ überreichte Behördensprecher Peter Albrecht einen „Blauen Brief“ mit 93 Fragen besorgter Eltern an Schulsenator Ties Rabe (SPD). Anna-Maria Kuricova, Mitbegründerin der Initiative, macht sich Sorgen, dass es zu einer erneuten Schließung der Schulen kommen könnte. „Wir Väter und Mütter können uns das als arbeitende Bevölkerung nicht leisten, dass wir aufgrund von Schulschließungen zu Hause bleiben müssen“, sagte sie.

Laut Schulbehörde gibt es derzeit 43 Neuinfektionen an 35 Schulen. Insgesamt liegen 142 Infektionen von Menschen aus dem schulischen Kontext an 82 Schulen vor, davon 110 Schüler sowie 32 Schulbeschäftigte. Aktuell befinden sich fünf Klassen (von rund 9500) sowie 54 Schulbeschäftigte in Quarantäne.

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Nachdem es in der Flüchtlingsunterkunft am Bargkoppelstieg in Rahlstedt zu einer Ausbreitung des Coronavirus gekommen ist, wurde die Einrichtung am Donnerstag unter Quarantäne gestellt. Jetzt wurde damit begonnen, einen Massentest durchzuführen. In der Einrichtung sind rund 330 Bewohner untergebracht. Ergebnisse liegen noch nicht vor.

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