Fontenay & Co.

Kein Trinkgeld mehr: Wie Hotel-Mitarbeiter die Krise trifft

| Lesedauer: 3 Minuten
Geneviève Wood und Ulrich Gaßdorf
Im "The Fontenay" und anderen Hamburger Hotels gingen im Corona-Jahr 2020 deutlich weniger Gäste aus als im Vorjahr (hier Fußball-Bundestrainer Joachim Löw im September 2019).

Im "The Fontenay" und anderen Hamburger Hotels gingen im Corona-Jahr 2020 deutlich weniger Gäste aus als im Vorjahr (hier Fußball-Bundestrainer Joachim Löw im September 2019).

Foto: Imago/Andre Lenthe

Hamburgs Gastgewerbe schickt immer mehr Mitarbeiter in Kurzarbeit. Wie sich das Beherbergungsverbot noch auswirkt.

Hamburgs Hotels haben nach der zweimonatigen pandemiebedingten Schließung im Frühjahr immer noch mit den Auswirkungen zu kämpfen. So melden die großen Häuser, dass Mitarbeiter immer noch in Kurzarbeit sind.

So sind beim Grand Elysée derzeit 40 Prozent der Mitarbeiter in Kurzarbeit, im The Madison Hotel sind es 55 Prozent. Dort waren im September mehr als die Hälfte der 52 Angestellten davon betroffen. Die Tendenz für Oktober bis Dezember ist steigend.

Kühnes Fontenay will Kündigungen umgehen

Das Hotel- und Gaststättengewerbe ist laut einer Erhebung des Münchener Ifo-Institutes die am meisten von Kurzarbeit betroffene Branche. Wie in der gesamtdeutschen Hotellerie- und Gastronomie waren und sind auch im The Fontenay von Milliardär Klaus-Michael Kühne an der Außenalster Teile der Belegschaft in Kurzarbeit. „Dieses wurde zwischen der Geschäftsleitung und den Mitarbeitern zu Beginn des Lockdowns vereinbart. Kurzarbeit ist ein probates Mittel, den gesunkenen Gäste- und Besucherzahlen und den damit verbundenen Umsatzrückgängen Rechnung zu tragen. Darüber hinaus verhindert die Inanspruchnahme des Instruments Kurzarbeit, dass betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen werden müssen und sichert die Mitarbeiter ab“, so eine Sprecherin.

„Seit Wiedereröffnung, begünstigt durch die gute Wetterlage und die geltenden Reisebeschränkungen für Teile des Auslands, entwickelte sich die Auslastung an den Sommerwochenenden erfreulich“, so die Sprecherin. An den Wochentagen von Montag bis Donnerstag blieb das Geschäftsaufkommen jedoch gering, da geschäftlich motivierte Reisen ausblieben. „Insgesamt blieben wir deutlich hinter dem Sommer 2019 zurück.“ Bis heute verzeichnet das Hotel eine geringere Auslastung als in den Sommermonaten 2019.

Wagenmeister müssen ohne Trinkgeld auskommen

Angaben zu Gehältern und Trinkgeldern machen die Verantwortlichen nicht, aber: „Die Mitarbeiter werden übertariflich bezahlt und erhalten darüber hinaus zahlreiche Benefits“, so die Sprecherin. Die Wagenmeister müssen derzeit ohne Trinkgeldeinnahmen auskommen, da die Arbeitsschutzstandards der Bundesregierung und die hauseigenen Hygieneschutzmaßnahmen gegenüber den Gästen es nicht erlauben, dass Hotel-Mitarbeiter die Autos der Gäste parken.

Auch die Öffnungszeiten der gastronomischen Outlets wurden an die veränderte Nachfragesituation angepasst. „Die Mitarbeiter aus dem Parkview Restaurant sind auch in anderen gastronomischen Bereichen des Hauses eingesetzt, um weitestgehend Kurzarbeit zu vermeiden.“

Kurzarbeit auch in anderen Hamburger Hotels

„Die Hälfte unserer rund 170 Mitarbeiter ist zur Zeit in Kurzarbeit. Leider ist die Tendenz steigend, weil durch das Beherbergungsverbot in Hamburg auch die Zahl der Übernachtungen in unseren Häusern wieder deutlich zurück gegangen ist. Das wirkt sich auch auf die Zahl der Besucher unserer Gastronomie aus“, sagt Niklaus Kaiser von Rosenburg, der als Geschäftsführender Direktor für die Hotels Baseler Hof an der Esplanade und die Mellingburger Schleuse verantwortlich ist.

Und ähnlich sieht es im Hotel Side um die Ecke aus: „Im Side sind 80 Prozent unserer 125 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Die Höhe der Kurzarbeit richtet sich je nach Aufgabengebiet und Bedarf“, sagt Alex Obertop, Direktor vom Luxus-Designhotel Side an der Drehbahn.

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