Corona-Krise in Hamburg

Dom steht vor dem Aus, Weihnachtsmärkte auf der Kippe

Impressionen vom Hamburger Winterdom. Das beliebte Volksfest wird wegen der Corona-Krise wohl ausfallen müssen.

Impressionen vom Hamburger Winterdom. Das beliebte Volksfest wird wegen der Corona-Krise wohl ausfallen müssen.

Foto: Hamburger DOM/Henning Angerer

Rate der positiv auf Corona Getesteten liegt jetzt bei zwei Prozent. Hamburger Senat deutet weitere Verschärfungen an.

Hamburg.  Die immer schneller ansteigenden Infektionszahlen werden auch in Hamburg aller Voraussicht nach zu weiteren Einschränkungen für das öffentliche Leben führen. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) machte zum Beispiel am Dienstag im Rathaus deutlich, dass die Wahrscheinlichkeit, dass es in diesem Jahr einen Winterdom geben wird, mittlerweile als „sehr, sehr gering“ eingeschätzt werde.

Tschentscher kündigte an, Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) werde auf die „zuständigen Ansprechpartner zugehen“. Auf die Nachfrage, ob die betroffenen Schausteller für die zu erwartenden Ausfälle mit einer Kompensation rechnen könnten, sagte er, das werde der Senat in den nächsten Tagen erörtern. „Wir helfen natürlich, wo wir können, und deswegen wird auch das vielleicht ein Thema sein“, sagte der Bürgermeister.

Entscheidung über Weihnachtsmärkte in Hamburg steht noch aus

Ob die Weihnachtsmärkte stattfinden werden, konnte Tschentscher nicht sagen. Diese Entscheidung stehe unter Vorbehalt. „Es ist nur vertretbar, auch Weihnachtsmärkte zu organisieren, wenn das Infektionsgeschehen es zulässt.“ Über den Winterdom müsse rasch entschieden werden, für die Weihnachtsmärkte hingegen gebe es noch zwei bis drei Wochen Zeit, um zu einem Urteil zu kommen. Er sei sich bewusst, dass die Organisatoren gerne Planungssicherheit hätten, sagte Tschentscher. „Aber Sie haben ja die Dynamik der Situation erlebt: Das, was wir heute besprechen, ist vor acht Wochen noch nirgendwo in Deutschland ein Thema gewesen.“

Der Bürgermeister verwies darauf, dass es mit Blick auf steigende Zahlen bereits in der vergangenen Woche neue Einschränkungen gegeben habe – wie eine Verschärfung der Maskenpflicht, die Sperrstunde in der Gastronomie und stärkere Beschränkungen für private Feiern. Nun stehe in Hamburg noch die Umsetzung der Beschlüsse der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel aus der vergangenen Woche an. Danach sollen ab einer 7-Tage-Inzidenz von 50 auch Treffen in Privathaushalten auf maximal zehn Personen aus nur zwei Haushalten beschränkt werden.

Zwischen 11.000 und 12.500 Corona-Tests am Tag in Hamburg

Obwohl Hamburg die Zahl von 50 nach den eigenen, angeblich exakteren Berechnungen bereits zweimal überschritten hat, konnte im Senat am Dienstag niemand sagen, ab wann denn diese Regelung nun in Hamburg gelten solle. Auch die Frage, was das geplante Verbot privater Treffen von Menschen aus mehr als zwei Haushalten etwa für Kindergeburtstage, private Skatrunden oder Halloweenzüge bedeute, konnte der Senat nicht beantworten. Man arbeite noch an einer widerspruchsfreien Umsetzung und könne sich zu Detailfragen daher noch nicht äußern, hieß es.

Tschentscher: Wir müssen zweiten Lockdown verhindern

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Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) wies Vermutungen zurück, es gebe viele falsch-positive Tests, oder die stark steigenden Zahlen hätten ausschließlich mit der Erhöhung der Testungen zu tun. Sämtliche Studien zeigten, dass die PCR-Tests, eine „sehr, sehr geringe, fast zu vernachlässigende Falsch-Positivrate“ hätten, so Leonhard. In Hamburg würden zwischen 11.000 und 12.500 Tests am Tag durchgeführt und diese Zahl würde sich durch neue Antigen-Schnelltests noch erhöhen.

Rate der positiv getesteten Menschen ist gestiegen

Allerdings sei nicht nur die Zahl der Tests gestiegen, sondern auch die Rate der positiv getesteten Menschen, das heißt: Der Prozentsatz der Infizierten unter allen Getesteten steigt ebenfalls. „Das zeigt, dass wir eine höhere Inzidenz in der Bevölkerung haben, was uns zu diesen Maßnahmen ja leider zwingt an dieser Stelle.“ Die Positivrate liege derzeit bei rund zwei Prozent.

Grafik Karte Maskenpflicht in Hamburg – die Übersicht

Für wachsende Verwirrung sorgt derweil, dass die Corona-Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) fast durchweg und immer deutlicher von denen des Senats abweichen. Leonhard erklärte dies u. a. damit, dass das RKI stets von 0 bis 0 Uhr rechne, Hamburg aber von 9 bis 9 Uhr und manche Meldungen daher beim RKI erst verspätet verarbeitet würden. Mittlerweile sind die Abweichungen bisweilen gravierend. So wies das RKI am Dienstag eine im Vergleich zum Vortag überraschend gesunkene 7-Tage-Inzidenz von 40,2 aus – während Hamburg selbst eine erneut gestiegene Inzidenz von nun schon 55,4 auf seiner Internetseite veröffentlichte

Mehr Menschen wegen Corona in der Klinik

Weiter zugenommen hat unterdessen auch die Zahl der Menschen, die wegen einer Corona-Infektion in Kliniken behandelt werden müssen. Insgesamt 58 Hamburgerinnen und Hamburger sind nun wegen Covid-19 in stationärer Behandlung, 14 davon auf Intensivstationen. Das ist der höchste Stand seit Mitte Mai. Zudem werden 13 Corona-Patienten aus dem Aus- oder Umland in Hamburger Kliniken betreut, sechs davon auf Intensivstationen.

Corona-Krise in Hamburg: Das sind die neuen Maßnahmen

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Die Forderung der Elternkammer Hamburg, angesichts der immer weiter steigenden Infektionszahlen den verpflichtenden Präsenzunterricht an Schulen für alle auszusetzen oder Klassen zu halbieren, wies der Bürgermeister deutlich zurück. Das sei „ein sehr ungewöhnlicher Vorschlag“. So etwas werde bisher seines Wissens in keinem anderen Bundesland erörtert, „geschweige denn umgesetzt“. Er schlug vor, diese Frage von der Schulbehörde beantworten zu lassen. Die Elternkammer hatte dem Senat vorgeworfen, seit März kein sicheres Konzept für Hybrid- und Fernbeschulung entwickelt zu haben und „an alten Mustern und Vorurteilen“ festzuhalten. Dabei brauche „die Dynamik des Infektionsgeschehens eine Dynamik des Handelns“, so die Elternkammer.

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Auf die Frage, warum Hamburg die RKI-Empfehlung ignoriere, ab einer Inzidenz von 35 eine Maskenpflicht auch in der Mittelstufe im Unterricht einzuführen, sagte Tschentscher, Hamburg habe wie alle anderen Bundesländer auch „eine eigene Sicht auf diese Schulfrage“. Es gebe bisher sehr wenige Infektionsfälle in den Schulen. Bisher habe noch kein Bundesland diese RKI-Empfehlung umgesetzt. Da allerdings irrte der Bürgermeister. In Baden-Württemberg gilt die Maskenpflicht schon ab Klasse 5 seit dieser Woche – und zwar explizit mit Verweis auf eine Inzidenz höher als 35.

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