Hamburg

Chaos am Jungfernstieg: Soll die City nicht autofrei sein?

Polizisten sprechen am Ballindamm mit Autofahrern, die verbotenerweise auf den Jungfernstieg abbiegen wollten.

Polizisten sprechen am Ballindamm mit Autofahrern, die verbotenerweise auf den Jungfernstieg abbiegen wollten.

Foto: Roland Magunia / HA

Fahrer missachten das neue Verbot in der Hamburger City. Weil Schilder verwirren, will der Bezirk nachbessern.

Hamburg.  Über den Jungfernstieg, durch den Neuen Wall und auch durch die Große Bleichen fahren etliche Autos. Am Montagmorgen, kurz nach 9 Uhr, ist nichts davon zu merken, dass der Bereich zwischen Alster und Poststraße, Reesendamm und Neuer Jungfernstieg seit vergangenem Freitag eigentlich autofrei sein soll. Nur Lieferverkehr, Taxis und Radfahrer dürfen hier fahren.

Doch die Schilder, die darauf hinweisen, sind offenbar leicht zu übersehen – oder werden von etlichen Autofahrern bewusst ignoriert. Erst, als sich etwas später je zwei, drei Polizisten am Gänsemarkt, am Neuen Wall/Ecke Poststraße sowie am Ende des Ballindamms positionieren, biegt von dort niemand mehr in den Jungfernstieg ein.

Jungfernstieg: Wie Autofahrer das Verbot umfahren

Nur vom Neuen Jungfernstieg aus kommen noch vereinzelte Autos. Dort weisen keine Polizisten, sondern lediglich Schilder auf das Durchfahrtsverbot hin. Diese werden aber immer wieder von Autofahrern umfahren, die dann erst links und anschließend rechts in die Große Bleichen abbiegen.

Den Beschilderungsplan habe ein Ingenieurbüro erstellt, so eine Sprecherin des Bezirksamts Hamburg-Mitte. „Jetzt prüfen wir momentan mit der Polizei, ob und wo noch etwas nachgebessert werden muss.“ So müsse etwa ein Schild versetzt werden, weil es durch einen Baum verdeckt werde.

Chaos für Radfahrer am Jungfernstieg

Auch wo noch Fahrbahnmarkierungen oder Ampelphasen angepasst werden müssen, wird derzeit geprüft. Denn insbesondere für Fahrradfahrer ist die Verkehrsführung im Bereich Jungfernstieg momentan noch unübersichtlich und teilweise von Nachteil: So ist etwa die Abbiegespur vom Neuen Wall links in den Jungfernstieg mit rot-weißen Baken abgesperrt. Gilt das auch für Radfahrer? Ein kleines weißes Schild mit Fahrradsymbol zeigt Pfeile in beide Richtungen. Also ist das Linksabbiegen wohl erlaubt – aber ohne Ampel und klare Verkehrsführung fühlt man sich dabei eher unsicher.

Auch, wenn man vom Gänsemarkt den Jungfernstieg entlangfahren möchte, fehlen klare Hinweise: Hier muss man nämlich, um geradeaus zu fahren, die Rechtsabbiegespur in die Große Bleichen nehmen. Eine entsprechende Markierung, die das nach rechts gewendete Pfeil-Piktogramm um eine geradeaus führende Spitze ergänzt, wäre hier sinnvoll. Letztlich bleiben auch Radfahrer, die vom Ballindamm kommend links in die Bergstraße biegen wollen, (noch) sich selbst überlassen: Sofern hier keine Autos warten, zeigt die per Kontaktschleife gesteuerte Ampel nämlich dauerhaft Rot. Ein wartender Radler auf der Radspur wird offenbar nicht erfasst.

Der Schwerpunkteinsatz der Polizei am Montag war bereits der zweite, der Autofahrer auf die geänderte Verkehrsführung aufmerksam machen sollte. „Noch gehen wir mit Augenmaß vor und verwarnen nur“, so eine Sprecherin. Das soll auch bei einem weiteren, für Mittwoch geplanten Einsatz gelten. Ab Ende der Woche müssen Autofahrer, die den Jungfernstieg befahren und dabei erwischt werden, aber mit Bußgeldern rechnen.