Hamburg

"Grüne Oase": Öko-Hochhaus wird in der HafenCity gebaut

Das Wohnhaus „Moringa“, hier eine Simulation, besteht aus drei Teilen mit bis zu 13 Geschossen.

Das Wohnhaus „Moringa“, hier eine Simulation, besteht aus drei Teilen mit bis zu 13 Geschossen.

Foto: HafenCity Hamburg GmbH

Hochhaus "Moringa" mit 190 Mietwohnungen und 13 Stockwerken entsteht größtenteils aus wiederverwendbarem Material.

Hamburg.  „Eine grüne Oase“ solle in der HafenCity entstehen, sagt Architekt Gerhard Wittfeld vom Büro kadawittfeldarchitektur in Aachen. Dabei handelt es sich aber nicht etwa um einen weiteren Park für Hamburgs jüngsten Stadtteil, sondern um ein Hochhaus mit 190 Wohnungen. Es heißt „Moringa“ und soll bis zum Frühsommer 2024 im Quartier Elbbrücken gebaut werden.

Das aus drei Gebäudeteilen mit bis zu 13 Geschossen bestehende Objekt wird begrünte Fassaden, Dachterrassen und Innenhöfe haben. „Insgesamt entsteht horizontal und vertikal mehr Grünfläche als überbaut wird. Die Fassade wirkt als grüne Lunge des Quartiers, indem sie kühlende und luftreinigende Funktionen übernimmt und Sauerstoff erzeugt“, sagt Architekt Wittfeld.

Ein Aachener Unternehmen plant das Öko-Hochhaus

Bauherr des ehrgeizigen Projekts ist die Moringa GmbH by Landmarken AG aus Aachen. Besonders ist auch die Bauweise: „Dem Cradle-to-Cradle-Prinzip folgend werden überall, wo es möglich ist, recycelbare und gesunde Materialien sortenrein trennbar, rückbaubar und wiederverwertbar zueinandergefügt. Das Bauwesen entwickelt sich dadurch langfristig zu einer Kreislaufwirtschaft, die Gebäude auch als eine Art Materiallager versteht“, sagt Moringa-Geschäftsführer Vanja Schneider. Statt Müll und Entsorgungskosten am Ende des Lebenszyklus zu produzieren, werde ein wirtschaftlicher Mehrwert geschaffen und Ressourcen geschont, so Schneider. Es ist laut Schneider das erste Hochhaus in Deutschland, das nach dem sogenannten Cradle-to-Cradle-Prinzip (wörtlich: Wiege zu Wiege, also eine konsequente Kreislaufwirtschaft) entsteht.

Wie viel das Aachener Familienunternehmen in das Wohnhochhaus investiert, wollte Schneider bei der Präsentation am Freitag im Kesselhaus in der HafenCity nicht verraten. Nur so viel: „Es wird teuer.“

Selbstversorgung scheint in der HafenCity allmählich zu einem Trend zu werden

33 Prozent der Wohnungen werden öffentlich gefördert sein, das heißt, die Kaltmieten beginnen bei 6,50 Euro pro Quadratmeter. Für die nicht subventionierten Wohnungen werden Mieten um die 20 Euro kalt pro Quadratmeter verlangt werden. In dem Haus sollen auch Aufenthaltsräume, Küchen und Terrassen entstehen, die von den Mietern gemeinsam genutzt werden. Außerdem sollen die Dachgärten und der Innenhof – dort können auch Obst und Gemüse angebaut werden – von allen Bewohnern benutzt werden können.

Diese Selbstversorgung scheint in der HafenCity allmählich zu einem Trend zu werden. Im September wurde das Bauvorhaben „we-house“ vorgestellt, das von der Archy Nova Projektentwicklung im Quartier Baakenhafen geplant wird. Dort sollen sogar drei Tonnen Salat und Gemüse pro Jahr aus eigenem Anbau in einem Dachgewächshaus hoch über der HafenCity gewonnen und im hauseigenen Restaurant verarbeitet werden.

Lesen Sie auch:

Oberbaudirektor Franz-Josef Höing lobt das Projekt „Moringa“: „Man sieht den Häusern an, dass sie anders gedacht und geplant sind. Diese neue ökologische Rationalität kann zu anderen architektonischen Gesichtern führen.“ Für HafenCity-Hamburg-GmbH-Chef Jürgen Bruns-Berentelg steht fest: „Die HafenCity und insbesondere das Quartier Elbbrücken hat sich zu einem großen Zukunftslabor für nachhaltiges Bauen entwickelt. Das Wohnhochhaus mit einem konsequent durchdachten Konzept der Zirkularität und Ressourcenschonung, verbunden mit einer intensiven Begrünung, ist dafür ein besonders ambitioniertes Beispiel.“ Er ließ durchblicken, dass die HafenCity GmbH dem Investor beim Grundstückspreis entgegengekommen ist.

Eine Kita, Gastronomie und Handel sollen auch einziehen

In dem Haus soll nicht nur gewohnt werden. Im Unter- und Erdgeschoss ist eine Kita mit Außenbereich geplant. Auch Co-Working-Spaces und Flächen für Gastronomie und Handel sind vorgesehen. Doch trotz aller Nachhaltigkeit und Grün wird auch bei Moringa nicht auf eine Tiefgarage mit Platz für 50 Autos verzichtet, außerdem sind 400 Fahrradstellplätze geplant.