Corona-Krise

Hamburger Tafel in Not: Mehr Bedürftige, weniger Spenden

Die Hamburger Tafel hat zunehmend Probleme, genügend Nahrungsmittel für die Ausgabestellen in der Stadt zu bekommen.

Die Hamburger Tafel hat zunehmend Probleme, genügend Nahrungsmittel für die Ausgabestellen in der Stadt zu bekommen.

Foto: picture alliance

Weil wenig Veranstaltungen stattfinden, fehlt es an Grundnahrungsmitteln. Gleichzeitig werden die Schlangen vor den Ausgaben länger.

Hamburg.  Kurzarbeit, arbeitslos oder kaum noch Einnahmen: An den immer länger werdenden Schlangen an den Ausgabestellen der Hamburger Tafel werden die Folgen der Corona-Pandemie sichtbar. „Der Bedarf ist je nach Stadtteil um 20 bis 30 Prozent gestiegen“, sagt Vorstandsmitglied Julia Bauer. Doch während die Nachfrage immer weiter steigt, gibt es immer weniger zu vergeben. Der Grund: Vor Corona waren Großspenden, also Nahrungsmittel, die bei Veranstaltungen, Messen und anderen Events übrig geblieben sind, ein wichtiger Bestandteil. Doch bekanntermaßen findet kaum noch etwas statt. Und wo nichts mehr stattfindet, bleibt auch nichts zum Abgeben übrig. Auch bei den Supermärkten, die ebenfalls nicht mehr verkaufbare Ware an die Tafel abgeben, fällt laut Julia Bauer weniger ab.

Besonders an Grundnahrungsmitteln wie Milchprodukte, Trockenware wie Nudeln und Reis, Kartoffeln und Ähnlichem fehle es. „Wir fahren zwar schon wieder die alten Strecken und steuern dabei auch neue Supermärkte an, aber es kommt weniger rum als vor der Krise“, so Bauer. Aus ihrer Sicht könnte der Grund bei den Supermärkten darin liegen, dass viele Menschen seit Corona verstärkt Grundnahrungsmittel kaufen, aber auch darin, dass Supermärkte besser kalkulieren und deshalb einfach weniger übrig bleibt. Bauer macht deutlich: „Damit wir weiterhin alle versorgen können, sind Großspenden für uns enorm wichtig, weil bei denen mit einem Besuch gleich ein ganzer Sprinter voll ist.“

Der Bedarf ist um 20 bis 30 Prozent gestiegen

Corona hatte die Tafel seit dem Lockdown in eine schwierige Lage gebracht. Denn die meisten der Ehrenamtlichen, die das Essen abholen und verteilen, sind über 60 Jahre alt und zählen damit zur Risikogruppe. „Am Anfang sind die meisten zu Hause geblieben. Es hat gedauert, bis sich alles so eingespielt hat mit Maske und Abstand.“ Inzwischen seien aber fast alle wieder an Bord. „Wir haben die Ausgaben teilweise entzerrt und bieten statt einem Termin nun zwei an, damit nicht alle gleichzeitig da sind. Zudem müssen an den Warteschlangen natürlich die Abstände eingehalten werden“, so Bauer weiter.

Zurzeit seien die Lieferwagen der Hamburger Tafel wieder fast genauso viel unterwegs wie vor der Corona-Krise. „Und Gott sei Dank ist es noch nicht vorgekommen, dass wir Menschen abweisen mussten.“ Dennoch werde schon jetzt an den 27 Ausgabestellen und rund 70 sozialen Einrichtungen deutlich, dass die Vielfalt kleiner geworden sei. „Neben den Grundnahrungsmitteln fehlt es auch an Produkten, die ein bisschen besonders sind, weil sie eben etwas teuer sind. Zum Beispiel Pilze oder im Sommer der Spargel.“

Die laufenden Kosten sind ebenfalls ein Problem

Derzeit holen, sortieren und bringen rund 30 bis 35 ehrenamtliche Helfer am Tag das Essen für die Bedürftigen – insgesamt sind es rund 120 Ehrenamtliche. Die seit mehr als 25 Jahren existierende Hamburger Tafel hatte vor der Corona-Krise eigenen Angaben zufolge pro Woche etwa 40 Tonnen Lebensmittel abgeholt und wieder verteilt. „Schon seit Monaten liegen wir deutlich darunter.“

Und der Blick in die Zukunft macht wenig Hoffnung auf Änderung: „Auch auf absehbare Zeit werden weder Messen oder Veranstaltungen, wenn überhaupt, nur in einem sehr kleinen Rahmen stattfinden können.“ Gleichzeitig rechne man damit, dass die Zahl der Bedürftigen weiter ansteigen werde. Von gut gemeinten Einzelspenden bittet die Tafel dennoch abzusehen. „Was wir brauchen, sind große Mengen. Hersteller, Großhändler und Großlieferanten können sich unbedingt an uns wenden. Wir sind flexibel und in der Lage, schnell große Mengen abzuholen.“

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Aber auch abgesehen von Nahrungsmittelspenden ist die Tafel auf Unterstützung angewiesen. „Wir brauchen heute und in Zukunft Spenden, um die laufenden Kosten der Hamburger Tafel zu decken“, so Bauer. Gemeint sind Kosten wie Miete, die Betriebskosten und die Gehälter der wenigen fest angestellten Mitarbeiter. „Darüber hinaus fließen unsere Ausgaben in unseren Fuhrpark, also die Anschaffung von Fahrzeugen, deren Wartung, Treibstoff und Versicherungen.“ Diese laufenden Kosten werden ausschließlich über Spenden finanziert.

Wer die Hamburger Tafel unterstützen möchte, kann das über diese Verbindung tun: Spendenkonto: Hamburger Tafel e.V. Hamburger Sparkasse/ IBAN: DE65 2005 0550 1217 1305 15 / BIC: HASPDEHHXXX