Hamburg

Architekten legen Plan für Belebung der Innenstadt vor

Die Architektenkammer plädiert für mehr Mischnutzung.

Die Architektenkammer plädiert für mehr Mischnutzung.

Foto: Roland Magunia

Im Positionspapier der Kammer ist von mehr Wohnraum, Mischnutzung und Kultur die Rede. Auch ein großes Festival in der City denkbar.

Hamburg.  Mehr kulturelle Angebote, neue Nutzungskonzepte für Gebäude: In ihrem neuen Positionspapier „Hamburg 2021“ schlägt die Hamburger Architektenkammer mögliche Lösungen für die Einzelhandelskrise in der Innenstadt vor. Auch bei den Themen Wohnen, Verkehr und Freizeitgestaltung Einzelhandel fordern die Architekten umfassende Änderungen. „Diese Themen haben uns schon vor Corona bewegt“, meint Claas Gefroi von der Hamburger Architektenkammer. Viele Probleme seien durch die Pandemie jedoch weiter verschlimmert worden.

In der Innenstadt hatten Geschäfte unter wochenlangen Ladenschließungen gelitten und zusätzlich durch die Maskenpflicht sowie die begrenzte Kundenzahl an Attraktivität eingebüßt. Hier sind die Probleme für die Kammer bereits sichtbar: „Es gibt zahlreiche Leerstände“, stellt die Organisation in dem Papier fest. Aktuell kommen Karstadt Sports und Kaufhof an der Mönckebergstraße dazu.

Größere Vielfalt in der Hamburger Innenstadt

Die Kammer glaubt, dass aus den ehemaligen Kaufhäusern Immobilien mit Mischnutzung werden können. „Eine Mischnutzung ist krisenresistenter“, meint Claas Gefroi. Vor allem, weil Einnahmen aus Mietwohnungen den Vorteil hätten, dass sie verlässlicher seien. Die Architektenkammer stellt sich eine vielfältigere Innenstadt vor. „Das Geschäft mit extrem hohen Mieten im Einzelhandel wird so nicht mehr weitergehen“, meint Gefroi. Deswegen würden bereits viele Investoren in den Wohnungsbau wechseln. Die Kammer fordert in dem Papier, dass in leer stehenden, großen Gewerbeimmobilien wieder inhabergeführte Geschäfte anzusiedeln seien. Die Flächen müssten aufgeteilt oder umfunktioniert werden. Im Zweifel solle die Stadt auch von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen.

Darüber hinaus wünscht Gefroi sich, dass auch auf Bezirksebene mehr getan werde, um Projektentwickler aufzuklären: „Die Stadt muss schnell handeln und möglichst früh mit den Eigentümern reden.“ Hierfür fordert die Architektenkammer, dass Hamburg sich auf Bundesebene für den Vorschlag eines von Bund und Ländern finanzierten Bodenfonds einsetzt. Mit dessen Geldern könne die Stadt Immobilien in zentralen Innenstadtlagen erwerben, schreibt sie.

Lesen Sie auch:

Außerdem müsse man prüfen, ob in Lagen mit besonders stark steigenden Ladenmieten temporäre Mietpreisbremsen oder einen Mietpreisdeckel für Gewerberäume sinnvoll sind. Gleichzeitig müsse günstiges Wohnen in der Innenstadt gefördert werden. Umnutzungen von Büro- und Gewerbeimmobilien zu bezahlbarem Wohnraum sollen von der Stadt unterstützt werden, auch im Hinblick auf mögliche Leerstände. „Auf dem Immobilienmarkt wird es wegen des verstärkten Einsatzes von Homeoffice Korrekturen geben“, meint Claas Gefroi. Die Stadt könne jetzt mit den Eigentümern reden und ihnen eine Nutzung für kleine Geschäfte oder Wohnungen nahelegen. Auch der Neubau von Wohnraum solle forciert werden.

Länder fordern negative Corona-Tests von Reisenden aus deutschen Risikogebieten
Länder fordern negative Corona-Tests von Reisenden aus deutschen Risikogebieten

Zusätzlich brauche die Innenstadt neue Kultur- und Freizeitangebote. Möglich sei ein Kunst- und Musikfestival nach dem Vorbild des Dockville-Festivals in Wilhelmsburg. Die Kulturhäuser entlang der Kunstmeile und das Bucerius Kunst Forum könnten sich dazu auf dem Glockengießerwall, Klosterwall und Mönckebergstraße zusammenschließen.