Hamburg

Dove-Elbe: Forum Tideelbe empfiehlt Wiederanbindung

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Die bisher von der Tide getrennte Dove-Elbe ist besonders bei Wassersportlern beliebt.

Die bisher von der Tide getrennte Dove-Elbe ist besonders bei Wassersportlern beliebt.

Foto: picture alliance

Nach vier Jahren wurden die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie und ihre Auswirkungen auf die Elbe vorgestellt. Kerstan skeptisch.

Hamburg. Der 30. September wurde lange und mit mit großer Spannung erwartet. Nun hat das Forum Tideelbe die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zur Öffnung des Flusses für Ebbe und Flut präsentiert. Das Hauptergebnis der Untersuchung: Eine Wiederanbindung der Dove-Elbe würde eine positive lokale Wirkung auf die Tidedynamik primär im Bereich der Norderelbe erhalten.

Eine erste Kostenschätzung für die Realisierung des Projekts wurde ebenfalls bekannt gegeben. So liegen die Gesamtkosten bei rund 500 Millionen Euro. Auch die Ergebnisse zwei anderer Maßnahmen wurden präsentiert.

Tide der Elbe muss verändert werden

Das Forum Tideelbe hat die Ergebnisse seiner vierjährigen Arbeit im Beisein von Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) sowie weiteren Vertretern aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein und vom Bund vorgelegt. In den gemeinsamen Empfehlungen betont das länderübergreifende Gremium die Notwendigkeit, die Dynamik der Tide wieder einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Ebbe und Flut anzunähern. Der Grund: Menschliche Eingriffe, wie zum Beispiel Fahrrinnenanpassungen, der Ausbau von Häfen, haben dazu beigetragen, dass der Flutstrom im Verhältnis zum Elbstrom stärker geworden ist.

Ein Rückblick: Aufgabe des Forums war es, Lösungen zu finden, die das Missverhältnis der Tide positiv verändern und gleichzeitig wieder mehr ursprüngliche Tide-Lebensräume an der Unterelbe schaffen. Dabei standen Maßnahmen im Mittelpunkt, die dem Fluss mehr Raum geben sollten. Mehr als 20 Projektideen entlang der Tideelbe wurden sondiert, letztlich fünf für eine tiefergreifende Betrachtung ausgewählt.

Welche Maßnahmen wie auf die Elbe wirken

Für drei dieser Maßnahmen beauftragte das Forum Tideelbe schließlich separate Machbarkeitsstudien: für die Wiederanbindung an der Alten Südelelbe, der Haseldorfer Marsch und der Dove-Elbe an die Tideelbe. Nun steht fest: Alle drei Maßnahmen sind technisch machbar. Die Wirkung der einzelnen Maßnahmen ist allerdings unterschiedlich:

  • Die Wiederanbindung der Dove-Elbe würde eine positive lokale Wirkung auf die Tidedynamik primär im Bereich der Norderelbe entfalten.
  • Eine Wiederanbindung der Alten Süderelbe würde im Vergleich die größte hydrologische Wirksamkeit in der Tideelbe erzielen.
  • Ein Wiederanschluss der Haseldorfer Marsch hätte das Potenzial, die Tideelbe ökologisch in besonderem Maße aufzuwerten.

Dove-Elbe: Umweltsenator Kerstan äußert Zweifel am Wiederanschluss

Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie dürfte auf große Ablehnung treffen. So sagte Senator Jens Kerstan zum Abschluss des Forums: "Die jetzt in der engeren Wahl verbliebenen Maßnahmen sind vor Ort schon teilweise kontrovers diskutiert worden. Und gerade mit Blick auf den Wiederanschluss der Dove-Elbe haben wir aus Hamburger Sicht einige Zweifel. Die Maßnahme hat in ihrer Wirkung ein überschaubares, ökologisches Potenzial und löst gleichzeitig viel Betroffenheit vor Ort aus."

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So hatte es in der Vergangenheit beispielsweise immer wieder große Proteste gegen die Idee gegeben, die Dove-Elbe wieder der Tide auszusetzen. Die Bürgerinitiative „Dove-Elbe-retten“ organisierte diverse Aktionen und Demos, um dem Protest Ausdruck zu verleihen. Es wurden auch Unterschriften gesammelt: Zwischen Mai 2019 und August 2020 kamen 13.157 Stimmen zusammen.

Für besonders viel Aufmerksamkeit sorgte die schwimmende Demonstration Ende Juli, als knapp 100 Boote bis zu den Landungsbrücken im Hamburger Hafen schipperten. „Bergedorf und die Vier- und Marschlande stehen geschlossen zur Erhaltung der Dove-Elbe als einzigartiges Naturschutz- und Naherholungsgebiet, Wassersportrevier und landwirtschaftlich genutztes Gebiet mit sportlich und touristisch überregionaler Bedeutung“, ist Andreas Gabriel, Sprecher der Bürgerinitiative „Dove-Elbe retten“, überzeugt.

Bürgerinitiative bekommt Unterstützung aus dem Bezirk Bergedorf

Welche Maßnahme letztlich umgesetzt werden soll oder nicht, ist entscheidet die Politik im Hamburger Rathaus. Deswegen sollen die gesammelten Unterschriften am Sonntag, 4. Oktober, gegen 14 Uhr auf dem Rathausmarkt übergeben werden. Von der Bergedorfer Politik bekam die Bürgerinitiative bereits Rückendeckung.

So sprachen sich alle Fraktionen der Bezirksversammlung in der Augustsitzung einstimmig gegen eine Realisierung der Maßnahme aus. Um der Ablehnung entlang der Dove-Elbe Nachdruck zu verleihen, sollen am Sonntag bis zu 500 Protestler vor das Rathaus ziehen. Wer dabei sein möchte, kann sich bei der Bürgerinitiative als Teilnehmer anmelden.

( ld/isa )

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