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Corona-Ausbruch nahe Ferienort an der Nordsee

| Lesedauer: 19 Minuten
St.Peter-Ording: Strandkörbe bei blauem Himmel am Nordseestrand. In Wesselburen gab es ein erhöhtes Infektionsgeschehen mit dem Coronavirus.

St.Peter-Ording: Strandkörbe bei blauem Himmel am Nordseestrand. In Wesselburen gab es ein erhöhtes Infektionsgeschehen mit dem Coronavirus.

Foto: Picture Alliance/Carsten Rehder/dpa

Viele Neuinfektionen – Sieben-Tage-Wert bei über 30. Zwangspausen für Schüler. Verwirrung um Hamburger Kreuzfahrtschiff.

Hamburg. Die Corona-Dynamik im Norden ist ungebrochen, auch nahe eines beliebten Nordsee-Ortes. In einem Pflege- und Altenheim in Neu Wulmstorf gab es am Wochenende einen Corona-Ausbruch mit 40 Infizierten. Und auch in Hamburg steigt die Zahl der positiv Getesteten: Sie liegt jetzt bei 7836.

Die aktuellen Entwicklungen zur Covid-19-Pandemie im Norden lesen Sie in unserem täglichen Corona-Newsblog.

Und: Die Herbstferien stehen vor der Tür. Am Dienstagmittag hat Schulsenator Ties Rabe auf der Landespressekonferenz über die aktuelle Unterrichtsentwicklung unter Corona-Bedingungen an Hamburgs Schulen informiert und die Folgen erklärt. Derweil zieht es viele Urlauber in der Corona-Pandemie statt in den Süden nach Schleswig-Holstein.

Lesen Sie hier alle Nachrichten zu Corona am Dienstag, 29. September:

Das Coronavirus in Deutschland und weltweit:

Corona-Ausbruch nahe St. Peter-Ording

In dem kleinen Ort Wesselburen (Kreis Dithmarschen) bei St. Peter-Ording werden jetzt Corona-Tests speziell für rumänische Mitbürger angeboten. „Mehr als 500 rumänische Mitbürger*innen sind in der Stadt Wesselburen gemeldet – 28 von ihnen sind aktuell mit dem Coronavirus infiziert“, teilte der Kreis Dithmarschen mit. In Wesselburen leben etwa 3400 Menschen. Die Corona-Testungen auf freiwilliger Basis finden auf dem Gelände einer Arztpraxis statt. Die mobile Abstrichpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung habe aus Kapazitätsgründen nicht kurzfristig für eine solche Testreihe zur Verfügung gestanden, hieß es.

Wesselburen, etwa 25 Kilometer südöstlich von St. Peter-Ording, hatte mit stark steigenden Corona-Zahlen zu kämpfen. Besonders problematisch für das Gesundheitsamt sind einem NDR-Fernsehbericht des „Schleswig-Holstein Magazins“ zufolge die Wohnverhältnisse einiger Familien, die teils vor Jahren aus Osteuropa nach Wesselburen gekommen sind. Sie leben laut NDR teilweise auf engstem Raum zusammen – mit Dutzenden in einem Haus.

Tschentscher: So kann man den Lockdown verhindern

Eingreifen statt abwarten: Da die Zahl der Neuinfizierten mit dem Coronavirus steihen, hat Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) nach der Ministerpräsidentenkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel gesagt, es gehe darum, gezielt und zum richtigen Zeitpunkt einzugreifen, um einen Lockdown zu verhindern. Besonders in den Metropolen wie Berlin, München und Hamburg, "wo einfach viele Menschen auf kleinem Raum leben“ müsse man aufpassen. Tschentscher sagte, anders als im März wisse man heute mehr über die Verbreitung des Virus, etwa über die Bedeutung sogenannter Aerosole. „Die geschlossenen Räume sind ein Problem. Wir müssen also auf Belüftung achten.“

Lufthansa: Was wird aus den Pilotenschülern?

Was wird aus den Menschen, die ihren Traum vom Fliegen als Beruf begraben müssen? Die Lufthansa lässt die Ausbildung neuer Piloten an der Verkehrsfliegerschule in Bremen auslaufen. Die rund 700 Flugschüler wurden am Dienstag in einem Webcast dringend aufgefordert, sich einen neuen Berufsweg zu suchen und jetzt die Schule ohne finanzielle Verpflichtungen zu verlassen. Auf Jahre hinaus gebe es bei den Konzern-Airlines keinen Bedarf an Nachwuchspiloten, sagte ein Sprecher des Schulbetreibers Lufthansa Aviation Training den Appell. Die LAT fühle sich allerdings verpflichtet, die seit Monaten unterbrochene Ausbildung fortzuführen, wenn die Schüler darauf bestehen. Diejenigen, die kurz vor der Abschlussprüfung stehen, werde man noch selbst ausbilden. Für die übrigen suche man Plätze an anderen Flugschulen, kündigte der Sprecher an.

Sollte es in diesem Jahr trotz der Corona-Pandemie Weihnachtsmärkte geben?

Es wurden bisher 3035 Stimmen abgegeben.

Die Schüler müssen nach fünf Jahren noch Vorleistungen des Konzerns zwischen 60.000 und 80.000 Euro zurückzahlen. Was aus der 1956 gegründeten Pilotenschule am Flughafen Bremen wird (150 Beschäftigte) überhaupt noch eine Zukunft hat, entscheidet sich nach Informationen aus dem Betriebsrat erst im November. Dann fällt voraussichtlich eine Entscheidung der Bundeswehr, ob ihre Piloten weiterhin in Bremen ausgebildet werden. Der Betriebsrat befürchtet eine Verlagerung des Betriebs nach Rostock-Laage.

Corona-Krise: Finanzielle Unterstützung für das UKE

Auch das Universitätsklinikum Eppendorf erlitt im Zuge der Corona-Krise finanzielle Einbußen: So wurden zum Beispiel OP-Kapazitäten heruntergefahren und die Bettenauslastung reduziert. Das führte zu Mindereinnahmen von mehr als 40 Millionen Euro, die nun aus den Corona-Sondermitteln des Haushaltes kompensiert werden sollen.

„Das Universitätsklinikum Eppendorf hat in diesem Jahr eine beeindruckende Teamleistung gezeigt und eine große Verantwortung für unsere Stadt geschultert", sagt Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank. "Gleichzeitig sind durch die Corona-Pandemie für das UKE erhebliche finanzielle Mehrbelastungen entstanden, die wir durch die zusätzlichen Mittel abfedern".

Dazu erklärt Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel: "Wir haben immer deutlich gemacht, dass der städtische Schutzschirm auch unsere eigenen Einrichtungen sichert. Deshalb ist die Finanzspritze für das UKE jetzt richtig und wichtig, denn in finanzieller Hinsicht sorgt die Corona-Pandemie auch im Gesundheitssektor für erhebliche Mehrbelastungen bei gleichzeitig geringeren Einnahmen."

Senator Ties Rabe: 355 Schüler und Schulbeschäftige infiziert

Auf der Landespressekonferenz am Dienstag im Rathaus informierte Senator Ties Rabe über die Situation an Hamburgs Schulen. 355 Schüler und Schulbeschäftige sind in den vergangenen acht Wochen in der Hansestadt mit Covid-10 infiziert gewesen. Die Zahl sei nicht so gering, wie zunächst angenommen, so Rabe. Jedoch verlief in meisten Fällen die Krankheit altersbedingt sehr milde, oft symptomfrei. Größere gesundheitliche Probleme der Betroffenen seien nicht bekannt.

In drei Fällen habe es offenbar Infektionen innerhalb einer Schule gegeben. Betroffen waren demnach die beiden Stadtteilschulen in Winterhude sowie die Julius-Leber-Schule in Schnelsen. „Dort haben sich vermutlich Schüler und Schulbeschäftigte sowohl außerhalb als auch innerhalb der Schule selbst infiziert.“ In den anderen 146 Schulen sei das Virus von außen in die Schule eingetragen worden.

"Schule ist nach wie vor ein sicherer Ort"

Derzeit befänden sich 58 der rund 9500 Schulklassen sowie 162 Schulbeschäftigte in Quarantäne. Schulschließungen habe es in Hamburg noch keine gegeben, betonte Rabe.

Zwischen 80 bis 90 Prozent der Infizierten hätten sich außerhalb der Schule mit Corona angesteckt. „Schule ist nach wie vor ein sicherer Ort, an dem es nur äußerst selten zu einer Übertragung der Krankheit kommt“, sagte Ties Rabe. "Wichtig ist, dass sich auch weiterhin alle an die Hygienemaßnahmen in Schulen halten, auch wenn das manchmal unbequem sein mag."

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Auffällig sei: Vor allem ältere Schüler gehen unvorsichtiger mit den Regeln und der Krankheit um, das betreffe vor allem Schüler ab Klasse acht und neun. Sie halten sich außerhalb der Schule und am Wochenende nicht an die Vorgaben. "Gerade Jugendliche und junge Menschen sind in ihrer Freizeit viel zu sorglos und vergessen außerhalb des Schulgeländes und außerhalb der pädagogischen Kontrolle zu oft die Regeln", erklärt Rabe.

Lage in den Schulen: Auf das richtige Lüften kommt es an

Eine neue Erkenntnis sei laut Rabe, dass Schmierinfektionen nicht mehr eine so große Rolle im Infektionsgeschehen spielen, wie zunächst angenommen. "Es wird sich keiner infizieren, wenn er das Klassenbuch direkt nach einer anderen Person berührt", so Rabe.

Lüftungskonzepte sollen optimiert werden. „Wir haben nun den vorsichtigen Weg gewählt“, sagte, Rabe. Das bedeutet: Vor und nach dem Unterricht sowie alle 20 Minuten soll für mindestens fünf Minuten auf Durchzug in den Klassenräumen kräftig gelüftet werden. Fenster sollen dafür für wenige Minuten so weit wie möglich geöffnet werden, durch das Öffnen von gegenüberliegenden Fenstern oder Türen wird dann ein Durchzug hergestellt. Dafür wird auch der Unterricht unterbrochen. „Denn gekippte Fenster machen es nur kalt.“ Ein wirkungsvoller Durchzug entstehe erst durch den Austausch und Temperaturunterschied von warmer Innen- und kalter Außenluft. CO2-Ampeln hält Rabe für nicht notwendig, wenn ohnehin alle 20 Minuten gelüftet werde.

Rabe: Lernprogramme in den Herbstferien

Darüber hinaus kündigte Rabe an, versäumtes Unterrichtsmaterial nachzuholen. Daher sollen wie im Sommer auch in den Herbstferien Lernprogramme angeboten werden. Die Schüler der Klassen 1 bis 9 können auf freiwilliger Basis teilnehmen. Das Programm umfasse täglich drei Stunden, so Rabe, sodass auch noch genügend Zeit für Freizeit und Erholung bleibe. Die Lernferien bieten Kapazitäten für 5000 Schüler. An 95 Schulen werden insgesamt 516 organisierte Lerngruppen angeboten.

"Wir werden die Schulen weiter geöffnet lassen", versprach Rabe. "Und wir werden weiter an den Hygienemaßnahmen arbeiten."

Lesen Sie dazu auch: Lernferien: 6900 Schüler haben auf Sommerferien verzichtet

Klassenreisen könne es aus Infektionsschutzgründen aber zumindest bis Jahresende nicht wieder geben. „Eintägige Schulausflüge sind durchaus denkbar, Klassenreisen nicht“, sagte Rabe.

Corona: Erneut viele Neuinfektionen in Hamburg

Am Dienstag meldet die Hamburger Gesundheitsbehörde 87 Corona-Neuinfektionen. Damit steigt die Zahl der Infizierten in der Hansestadt auf 7836. Von den seit Beginn der Pandemie positiv auf das Virus getesteten Menschen können nach Schätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) inzwischen rund 6500 als genesen angesehen werden.

Die Gesamtzahl der vom Institut für Rechtsmedizin am UKE ermittelten Corona-Toten ist unverändert geblieben. Sie liegt in der Hansestadt bei 239, teilte die Gesundheitsbehörde am Dienstag mit.

Inzidenzwert in Hamburg steigt auf über 30

In Hamburger Krankenhäusern werden derzeit 33 Covid-19-Patienten behandelt, 13 von ihnen liegen auf Intensivstationen. Mit 30,3 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner liegt Hamburg zwar nach wie vor unter der Grenze von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen, die neue Beschränkungen nach sich ziehen könnte. Dennoch steigt der Inzidenzwert derzeit kontinuierlich an.

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