Hamburg

Experten-Tipps: So kommen Sie gut durch den Corona-Herbst

Kassiererinnen in den Supermärkten haben besonders viel Kontakt zu anderen Menschen. Drei Dinge sind zentral: Masken, Hygiene und Abstand.

Kassiererinnen in den Supermärkten haben besonders viel Kontakt zu anderen Menschen. Drei Dinge sind zentral: Masken, Hygiene und Abstand.

Foto: Robert Michael / dpa

Von Grippeimpfung über Verzicht auf Reisen bis zum richtigen Lüften: 16 Regeln, mit denen jeder einen Beitrag leisten kann.

Hamburg.  Die Corona-Infektionszahlen steigen an. Doch es gibt einige einfache Verhaltensregeln, die jeder befolgen sollte, damit wir alle gut durch Herbst und Winter kommen. Was Experten raten:

Gegen Grippe impfen lassen

Melanie Leonhard, Sozial- und Gesundheitssenatorin (SPD): „Die Grippeimpfung ist wichtig für Personen ab 60 Jahren und auch für chronisch Erkrankte. Sie sollten bei ihrem Arzt einen Termin machen, um über die Grippeimpfung zu sprechen. Denn: Wer von einer echten Grippe erwischt wird, dessen Immunsystem ist bereits stark angegriffen. Wenn dann noch Corona-Viren hinzukommen, ist eine Infektion noch wahrscheinlicher. Alle Risiken, die sich ausschließen lassen, sollten sie also ausschließen. Deswegen wird die Grippeimpfung in diesem Jahr für die oben genannten Risikogruppen empfohlen.“

Reisen in Risikogebiete vermeiden

Melanie Leonhard, Sozial- und Gesundheitssenatorin: „Ferne Länder erkunden oder Sonne, Strand und Meer – das vermissen schon viele. Ich habe selbst auch eine Reise, die ich mir gewünscht hatte, auf unbestimmte Zeit verschieben müssen. Es gibt aber viele Personen, die sich in Risikogebieten angesteckt haben und das Virus auf diese Weise auch hier nach Hamburg gebracht haben. Auf Reisen in Risikogebiete sollten sie verzichten. Diese sind ja schließlich deswegen Risikogebiet, weil die Gefahr, sich dort zu infizieren, eben viel höher ist. Auch wenn es abgedroschen klingt: Norddeutschland hat wunderschöne Ecken – auch und gerade im Herbst. Jetzt ist eine gute Zeit, um hier Ausflüge zu unternehmen.“

Masken richtig tragen

Dr. Arne Martensen, Leiter der Abteilung Hygiene beim Hamburger Institut für Hygiene und Umwelt: „Die korrektere Bezeichnung für die Alltagsmasken lautet ,Mund-Nasen-Bedeckung‘ Damit wird auch deutlich: Die Masken müssen über Mund und Nase getragen werden! Sie sollten überall an den Rändern eng anliegen, damit möglichst wenige Tröpfchen von innen nach außen und umgekehrt von außen nach innen gelangen können. Wenn alle mitmachen und die Alltagsmasken korrekt tragen, verringern wir alle zusammen die mögliche Menge an Corona-Viren in der Luft: Eine Ansteckung wird unwahrscheinlicher – weil wir uns auf diese Weise gegenseitig schützen.“

Masken nicht zu lange tragen

Dr. Arne Martensen, Leiter der Abteilung Hygiene beim Institut für Hygiene und Umwelt: „Wie lange eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden kann, lässt sich nicht pauschal beantworten, denn das hängt von der Atmung des Trägers sowie der Beschaffenheit der Maske ab. Grundsätzlich gilt aber: Eine durchfeuchtete und/oder verschmutzte Maske sollte umgehend abgenommen oder ausgetauscht werden. Die Tragedauer ist von vielen Faktoren abhängig, zum Beispiel von der Umgebungstemperatur, der Umgebungsfeuchtigkeit und Schweißbildung, eine exakte Festlegung ist somit nicht möglich. Für das zurzeit von vielen praktizierte sporadische Tragen und Zwischenlagern in Hosentaschen, Handtaschen und unter dem Kinn gelten die oben genannten Kriterien.“

FFP-2-Masken für Notfall anschaffen?

Dr. Arne Martensen, Leiter der Abteilung Hygiene beim Institut für Hygiene und Umwelt: „Medizinische Schutzmasken werden nur von medizinischem Personal und in Ausnahmefällen von Personen mit Vorerkrankungen oder sonstigen Risikofaktoren benötigt. Wir möchten daher alle Personen, die nicht zu diesem Kreis gehören, bitten, sich nicht ,für alle Fälle‘ mit Atemschutzmasken zu bevorraten. Sonst kommt es im schlimmsten Fall zu Engpässen dort, wo sie dringend gebraucht werden: in der medizinischen Versorgung.“

Stoffmasken richtig waschen

Dr. Arne Martensen, Leiter der Abteilung Hygiene beim Institut für Hygiene und Umwelt: „Die Masken sollten nach jeder Nutzung mit einem Vollwaschmittel bei mindestens 60 Grad gewaschen werden. Nach der Wäsche sollte die Maske vollständig getrocknet und sauber gelagert werden, bevor sie erneut verwendet wird.“

Auf Umarmungen und Händeschütteln verzichten

Melanie Leonhard, Sozial- und Gesundheitssenatorin: „Ich vermute: Auch, wenn wir das Coronavirus überstanden haben werden, wird die Sensibilisierung höher sein. Wir werden uns zum Beispiel nicht mehr die Hand geben, wenn jemand erkältet ist. Das war bisher schon angemessen, aber noch nicht so akzeptiert. In diesem anstehenden Winter machen wir besser erst mal weiter damit, uns freundlich zuzunicken oder per Ellenbogen-Check zu begrüßen. Auf Umarmungen oder Händeschütteln sollten wir verzichten.“

Private Feiern verschieben

Melanie Leonhard, Sozial- und Gesundheitssenatorin: „In den kommenden Monaten wird es kälter, und Feiern draußen sind leider keine Alternative mehr. Große Feiern sollten deswegen besser verschoben werden. So schade es ist: Ich rate davon ab, viele Leute in geschlossenen Räumen zu versammeln, wenn im Rahmen von Feiern nicht möglichst alle Risiken ausgeschlossen werden können. Wahrscheinlich wird das Fest auch ausgelassener, wenn es zu einer anderen Zeit ohne Sorgen nachgeholt werden kann – oder man trifft kleinere Personenkreise im Rahmen der erlaubten Obergrenzen.“

Regelmäßig gut lüften

Dr. Arne Martensen, Leiter der Abteilung Hygiene beim Institut für Hygiene und Umwelt: „Regelmäßiges, intensives Lüften reduziert die Konzentration der Aero­sole in der Raumluft und damit die Gefahr, sich mit Sars-CoV-2 anzustecken. Es empfiehlt sich daher, mehrmals täglich für jeweils fünf Minuten kräftig zu lüften. Am besten geeignet ist kurzes Querlüften (Durchzug) mit gegenüberliegenden, weit geöffneten Fenstern.“

Abstand halten

Dr. Arne Martensen, Leiter der Abteilung Hygiene beim Institut für Hygiene und Umwelt: „Egal, ob auf dem Weg zur Arbeit, beim Einkaufen oder beim Spaziergang im Park, jeder sollte den empfohlenen Sicherheitsabstand von mindestens 1,50 Metern zu anderen Menschen einhalten – und zwar möglichst auch dann, wenn man selbst und die anderen eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Besonders wichtig ist dies in geschlossenen Räumen. Beim heftigen Atmen wie zum Beispiel im Sportstudio oder bei Bühnendarstellern werden 2,5 Meter empfohlen.“

Kontakt-Tagebuch führen

Der Berliner Virologe Christian Drosten rät zum Führen eines persönlichen Kontakt-Tagebuchs. Solche Tagebücher würden die Arbeit der Gesundheitsbehörden deutlich erleichtern und die Fallverfolgung beschleunigen. Es geht dabei nicht um eine aufwendige Beschreibung des Tagesablaufs, sondern lediglich um eine kurze tägliche Notiz, wann man mit anderen Menschen in einer Gruppe zusammengekommen ist – insbesondere dann, wenn es ein Treffen in einem geschlossenen Raum gewesen ist. Der Grund ist klar: Falls der Tagebuchschreiber an Covid-19 erkrankt, kann er den Fallverfolgern des Gesundheitsamts anhand seiner Notizen präzise Auskunft geben, wann und wo er mit welchen Freunden oder Kollegen zusammengewesen ist.

Die Hygieneregeln beachten

Prof. Martin Scherer, Direktor des Instituts und Poliklinik für Allgemeinmedizin am UKE: „Die Hygieneregeln einzuhalten, gehört seit Beginn der Pandemie zu den Grundlagen des Infektionsschutzes. Das bedeutet: Regelmäßig die Hände waschen, am besten mit Flüssigseife, und sich dabei Zeit lassen. Am besten im Geiste zweimal ,Happy Birthday‘ singen, um die richtige Dauer zu bestimmen. Zu den zentralen Hygieneregeln gehört es auch, in die Ellenbeuge zu niesen und sich möglichst nicht mit den Händen ins Gesicht zu fassen. Letztes ist insbesondere in Bus und Bahn wichtig – auch im Hinblick auf andere Erkältungskrankheiten. Da das Coronavirus besonders durch Aerosole übertragen wird, sollten diese Hygieneregeln zwar eingehalten werden – aber noch wichtiger ist es, Abstand zu halten und die Masken zu tragen.“

Richtige und gut zu lesende Kontaktdaten hinterlassen

Melanie Leonhard, Sozial- und Gesundheitssenatorin: „Es ist völlig in Ordnung, mit Freunden ins Restaurant oder in eine Bar zu gehen – auf dem Weg dahin und vor Ort müssen natürlich die Abstandsregeln eingehalten werden. Wer sich zusammensetzt, darf dann ja auch die Maske abnehmen. Falls dann eine infizierte Person Viren verbreitet, ist es nicht ausgeschlossen, dass trotz aller Vorsicht eine Ansteckungsgefahr besteht. Hier kommen die Kontaktdaten ins Spiel: Falls eine Corona-Infektion entdeckt wird, gehen die Gesundheitsämter allen möglichen Kontakten nach. Nur wer richtige Daten angibt, kann im Falle des Falles gewarnt werden. Keine Sorge: Die Daten müssen nach zwei Wochen vernichtet werden und gehen nicht an die Behörden. Sie werden nur abgefordert, wenn ein zwingender Grund besteht.“

Kontaktlisten richtig ausfüllen

Falko Droßmann, Leiter des Bezirksamts Hamburg-Mitte: „Um Infektionsketten rasch und effizient nachverfolgen zu können, brauchen wir korrekte und vollständige Angaben in den Gästelisten. Schon im eigenen Interesse sollte jeder Gast diese Verpflichtung ernst nehmen. Denn nur dann können wir ihn schnell erreichen, wenn in dem von ihm besuchten Lokal eine Infektion festgestellt wurde. Zudem gefährden falsche oder unleserliche Einträge die Existenz unserer Gastronomen, da dann wieder Schließungen drohen. Das müssen wir gemeinsam verhindern.“

Die Corona-Warn-App herunterladen

Prof. Martin Scherer, Direktor des Instituts und Poliklinik für Allgemeinmedizin am UKE: „Die Corona-Warn-App ist wichtig, um Kontaktpersonen schnell über ein Ansteckungsrisiko informieren zu können. Sie signalisiert den Nutzern, ob es Risikobegegnungen gab. Je mehr Menschen die Corona-Warn-App herunterladen, desto effektiver wird sie im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus. Bisher haben dies mehr als 18 Millionen Menschen in Deutschland getan – es wäre gut, wenn es noch mehr würden.“

Wieder öfter im Homeoffice arbeiten

Helmut Fickenscher, Leiter des Instituts für Infektionsmedizin der Universität in Kiel: „Zu den Grundregeln des CoronaSchutzes gehört die Kontaktminimierung. Vieles lässt sich von zu Hause aus per Telefon oder Videokonferenz gut erledigen, das macht viele Kontakte überflüssig – und führt nebenbei auch zu einem Zeitgewinn.“