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"Katze" wieder geöffnet – falsche Kontaktdaten unmöglich

Der Chef der "Katze", Detlev Brunkhorst, hinter dem Tresen der Bar im Schanzenviertel, die nach einem Corona-Ausbruch bundesweit bekannt wurde.

Der Chef der "Katze", Detlev Brunkhorst, hinter dem Tresen der Bar im Schanzenviertel, die nach einem Corona-Ausbruch bundesweit bekannt wurde.

Foto: Andreas Laible / HA

Der Tag im Überblick: Erneut viele Neuinfektionen in Hamburg. Michel-Rettungsringe ein Erfolg. Corona-Fall in Hamburger Kita.

Hamburg. Das Coronavirus bestimmt weiterhin den Alltag im Norden. Während in Schleswig-Holstein am Donnerstag 42 neue Infektionen gemeldet wurden, stieg auch in Hamburg die Zahl der positiv getesteten Personen deutlich. Die Gesamtzahl liegt in der Hansestadt nun bei 7430.

Ungeachtet der Corona-Krise haben sich Wohnhäuser und Eigentumswohnungen weiter verteuert, im Schnitt um 6,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Lesen Sie hier alle Nachrichten zu Corona am Donnerstag, 24. September:

Das Coronavirus in Deutschland und weltweit:

"Katze" wieder geöffnet – falsche Kontaktdaten jetzt unmöglich

Am Donnerstag hat die Bar „Katze“ im Schanzenviertel wieder ihre Türen geöffnet. Vor zwei Wochen hatten sich 13 Menschen hier mit dem Coronavirus infiziert, darunter vier Mitarbeiter des Lokals. Etwa 600 Gäste waren auf den Kontaktlisten aufgeführt, aber etwa 100 von ihnen hatten nachweislich falsche Namen und Daten angegeben, was die Nachverfolgung unmöglich machte.

Wie bislang gehandhabt, müssen sich die Gäste in dem Lokal über einen QR-Code anmelden. Was allerdings neu ist: Ein Verifizierungscode soll die Echtheit der Kontaktdaten sicherstellen. So könnten Gäste zwar theoretisch einen falschen Namen angeben, aber die Mailadresse oder Telefonnummer werden übertragen und können nicht manipuliert werden.

Darüber hinaus müssen sich Gäste und Angestellte der Katze auf keine großen Änderungen einstellen. Die allgemein geltende Maskenpflicht und der 1,5-Meter-Abstand zwischen einzelnen Gruppen galten auch schon vor dem Ausbruch. Ein mögliches Problem: Getränke sollen weiterhin am Tresen bestellt werden. Grade in den Abendstunden könnte es in dem schmalen Raum zu einer Ballung von Menschen kommen.

Sabine und Jana Rauch gehören zu den ersten Gästen am Donnerstag. Die Touristinnen kennen das zurückliegende Infektionsgeschehen aus Presseberichten, sind bei ihrem Besuch dennoch unbesorgt: „So eine Situation hätte jedes Lokal treffen können. Das Risiko muss jedem Gast bewusst gewesen sein“, so Sabine Rauch. Ihre Tochter Jana kennt die „Katze“ noch von früheren Aufenthalten in der Hansestadt und wünscht den Inhabern für die Zukunft alles Gute: „Der Shitstorm gegen die „Katze“ muss endlich aufhören. Für den ersten Abend wünschen ich dem ganzen Team viele Gäste und keinen zweiten Ausbruch!“

Rettungsringe für den Michel: Schon mehr als 700 Paten

Rettungsringe gegen Corona-Geldnot beim Hamburger Michel: Mehr als 700 Menschen haben sich schon an der Rettungsaktion für die berühmte Hamburger Kirche beteiligt. Damit seien bislang rund 195.000 Euro zusammengekommen, sagte eine Michel-Sprecherin am Donnerstag in Hamburg. Das Spendenziel liege für dieses Jahr bei einer halben Million Euro.

Hintergrund der Aktion ist, dass die St.-Michaelis-Kirche derzeit Corona-bedingt deutlich weniger Spenden und Eintrittsgelder einnimmt als sonst. Im Monat fehlen den Angaben zufolge deshalb etwa 50.000 Euro. Mit diesem Geld würden aber zu einem großen Teil die kostenlosen Michel-Angebote wie der Türmer, die Orgelmusik in der Mittagsandacht und die Michel-Küster finanziert.

Die „Aktion Rettungsringe“ war deshalb im Juni ins Leben gerufen worden. Seitdem hängen rund 40 Rettungsringe von teils berühmten Schiffen aus dem Hamburger Hafen an den Emporen des Michel - und für sie werden Paten gesucht. Mindestens 36,50 Euro kostet eine Patenschaft. Wer zahlt, wird symbolisch in die Gäste- oder Mannschaftsliste des ausgewählten Schiffes eingetragen.

Lesen Sie dazu auch: So kann jeder für den Michel spenden

Am Donnerstag sind im Michel auch die Rettungsringe der Panik-Barkasse Ennstal und der MS Europa an Hauptpastor Alexander Röder übergeben worden. Den Ennstal-Ring hat Rockmusiker Udo Lindenberg nicht nur signiert, sondern auch mit zwei Zeichnungen versehen.

Alkohol-Verkaufsverbot für St. Pauli, Schanze und Ottensen verlängert

Auch am kommenden Wochenende wird in den Bezirken Altona, Eimsbüttel und Mitte in bestimmten Gebieten ein Alkoholverkaufsverbot gelten. Das bestätigte der Hamburger Senat am Donnerstag. Das Verbot gilt am Freitag und Sonnabend von 22 Uhr am Abend bis 6 Uhr am folgenden Morgen und bezieht sich auf alle Formen des Außerhaus-Verkaufs von alkoholischen Getränken. Ausgenommen sind erneut gastronomische Betriebe: Sie dürfen für den Verzehr an Ort und Stelle alkoholische Getränke ausschenken.

Mehr Informationen und die Karten der betroffenen Orte in Eimsbüttel, Altona und Hamburg-Mitte finden Sie hier.

SPD fordert zum Schutz vor Corona-Infektion mehr Schulbusse

Zum Schutz vor einer Corona-Infektion von Schülern hat die SPD im Kieler Landtag mehr Schulbusse gefordert. Was bringe der Unterricht in Kohorten, wenn der Schulbus auf dem Land nur einmal am Morgen fahre, sagte ihr Verkehrsexperte Kai Vogel am Donnerstag im Parlament. Es müsse darum gehen, die Zahl der Neuinfektionen in Schleswig-Holstein so gering wie möglich zu halten. „Eng an eng steht man in den Bussen.“ Weil sie teilweise Schulwege von mehr als 20 Kilometern hätten, seien viele Schüler auf Fahrten mit diesem Verkehrsmittel angewiesen.

Die Landesregierung verwies auf die Kosten der Schülerbeförderung. „Ja, die Busse sind unbestreitbar voll“, sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU). In den Bussen schütze aber auch die Maske. Wenn es darum gehe, jedem Schüler einen Sitzplatz im Bus zu verschaffen, „brauchen wir 1000 zusätzliche Busse“. Bei Einhaltung des Mindestabstands von 1,5 Metern wären 2000 nötig. Das würde 30 Millionen Euro pro Jahr kosten. Für die Schülerbeförderung im Norden sind die Kreise und kreisfreien Städte zuständig.

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum, und halten Sie mindestens 1,50 Meter Abstand zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an Ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

Weil über Corona-Krise: Zusammenhalt führt zum Erfolg

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sieht im Verantwortungsbewusstsein eines jeden Einzelnen und im gesellschaftlichen Zusammenhalt wesentliche Erfolgsfaktoren für die Bewältigung der Corona-Krise. Wenn sich alle an die Auflagen wie das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes hielten, „haben wir das ganz gut im Griff“, sagte Weil am Donnerstag in Hannover.

„Wenn wir allerdings nicht Verantwortung für andere übernehmen, sondern ausschließlich daran denken, wonach uns gerade ist, können wir große Risiken auslösen“, bemerkte Weil mit Blick auf steigende Infektionszahlen. „Wir gehen derzeit über dünnes Eis.“ Weil äußerte sich bei einem Podiumsgespräch des Bündnisses „Niedersachsen hält zusammen“. Der überparteiliche Zusammenschluss soll zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts während der Pandemie beitragen.

Laut der Studie „Gesellschaftlicher Zusammenhalt in Deutschland“ der Bertelsmann Stiftung ist das Vertrauen in politische Institutionen wie Bundesregierung oder Kommunen in der Corona-Krise gewachsen. Überdurchschnittlich hoch sei das Empfinden der Niedersachsen, sich in Notlagen auf Bekannte verlassen zu können, sagte Kai Unzicker von der Bertelsmann Stiftung während des per Livestream übertragenen Podiumsgesprächs.

Rot-Grün fordert Reform der Überbrückungshilfe für Solo-Selbstständige

Gerade Solo-Selbstständige scheitern derzeit noch immer an den hohen Hürden des Antragsverfahrens für die Überbrückungshilfe. Die rot-grünen Regierungsfraktionen fordern deshalb eine Reform und haben einen entsprechenden Antrag in die Bürgerschaft eingebracht.

"Wir brauchen dringend ein Existenzgeld, das neben den Fixkosten auch einen Anteil an den Lebenshaltungskosten beinhaltet. Nur so kann die Überbrückungshilfe vom Ladenhüter doch noch zu einem echten Erfolg werden", erklärt Dennis Paustian-Döscher, haushaltspolitischer Sprecher der Grünen Bürgerschaftsfraktion.

Corona-Krise: Gesundheitssenatorin zur Lage in Hamburg

Corona-Krise: Gesundheitssenatorin zur Lage in Hamburg

Baris Önes, Finanzexperte der SPD-Bürgerschaftsfraktion, ergänzt: "Insbesondere Solo-Selbstständige tragen ein erhöhtes unternehmerisches Risiko. Sie brauchen schnelle und unbürokratische Hilfe. Mit unserem Antrag wollen wir die Überbrückungshilfe an entscheidenden Stellen nachschärfen und bestehende Hürden beseitigen."

Wegen Corona: Bruttoinlandsprodukt im Norden gesunken

Die Corona-Krise macht sich in der Hamburger Wirtschaft deutlich bemerkbar. Um 4,5 Prozent ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesunken, wie das Statistikamt Nord am Donnerstag mitteilte. Werden zudem die Preisveränderungen berücksichtigt, ergibt sich eine reale Minde­rung der Wirtschaftsleistung um 6,6 Prozent.

Damit liegt die Entwicklung in Hamburg nah am deutschlandweiten Durchschnittwert: Auf Bundesebene sank das Bruttoinlandsprodukt nominal um 4,2 Prozent und real um 6,6 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019.

In Schleswig-Holstein sank das BIP laut Statistikamt Nord in den ersten sechs Monaten des Jahres zwar auch um 1,0 Prozent und real um 3,8 Prozent, jedoch fällt das Ergebnis im Vergleich zu anderen Bundesländern moderat aus. Dass Schleswig-Holstein die Corona-Krise relativ gut verkraftet hat, führte Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) darauf zurück, dass Schleswig-Holstein weniger Industrie und weniger verarbeitendes Gewerbe hat.

Coronavirus: Erneut viele Neuinfektionen in Hamburg

Am Donnerstag meldet die Hamburger Gesundheitsbehörde 62 Corona-Neuinfektionen. Damit steigt die Zahl der Infizierten in der Hansestadt auf 7430. Von den seit Beginn der Pandemie positiv auf das Virus getesteten Menschen können nach Schätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) inzwischen rund 6400 als genesen angesehen werden.

Die Gesamtzahl der vom Institut für Rechtsmedizin am UKE ermittelten Corona-Toten ist unverändert geblieben. Sie liegt in der Hansestadt bei 239, teilte die Gesundheitsbehörde am Donnerstag mit.

In Hamburger Krankenhäusern werden derzeit 28 Covid-19-Patienten behandelt. Zehn von ihnen liegen demnach auf Intensivstationen. Mit 23,5 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner liegt Hamburg zwar nach wie vor deutlich unter der Grenze von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen, die neue Beschränkungen nach sich ziehen könnte. Dennoch steigt der Wert derzeit kontinuierlich an.

Coronavirus – die Fotos zur Krise:

Corona-Fall in Eimsbütteler Kita

In der Kita St. Stephanus in Hamburg-Eimsbüttel gibt es einen bestätigten Corona-Fall. Eine Person aus einer der drei Elementargruppen hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Die Kinder aus der Gruppe sowie die Erzieher wurden am Donnerstag für zwei Wochen in Quarantäne geschickt. Ob sich Kita-Kinder angesteckt haben, ist noch unklar.

Nach Informationen des Abendblatts war die erkrankte Person am Montag zuletzt in der Kita. Die Eltern und Geschwisterkinder der Kinder aus der betroffenen Gruppe müssen nicht in Quarantäne.

Lesen Sie dazu auch:

Corona-Krise: Preise für Wohnimmobilien in Hamburg gestiegen

Trotz Corona-Krise haben sich Wohnhäuser und Eigentumswohnungen weiter verteuert. Im zweiten Quartal von April bis Juni stiegen die Preise für Wohnungen und Ein- und Zweifamilienhäuser um durchschnittlich 6,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Im Vergleich zum ersten Quartal 2020 betrug der Anstieg zwei Prozent.

Wie das Bundesamt weiter mitteilte, verteuerten sich Wohnimmobilien sowohl in der Stadt als auch auf dem Land. In den sieben größten Metropolen Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf legten die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser um 6,5 Prozent und Eigentumswohnungen um 6,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal zu.

Fridays for Future-Demo soll Corona-bedingt kleiner ausfallen

Statt der ursprünglich geplanten 10.000 Demonstranten sollen am Freitag bei der Fridays for Future-Demo in Hamburg nur noch 2000 Menschen auf die Straße gehen dürfen. Entsprechende Auflagen habe die Sozialbehörde angesichts der Corona-Pandemie erteilt, erklärte ein Sprecher der Jugend-Klima-Bewegung am Donnerstag. Außerdem solle auf die geplante 1,5 Kilometer lange Abschlusskundgebung in der Ludwig-Erhard-Straße verzichtet werden.

Lesen Sie hier den ausführlichen Bericht: Klimademo soll kleiner ausfallen – Fridays for Future empört

42 neue Corona-Fälle in Schleswig-Holstein

Bei Tests auf das Coronavirus sind in Schleswig-Holstein 42 Neuinfektionen bestätigt worden. Die Zahl der nachgewiesenen Corona-Fälle seit Beginn der Pandemie im Norden erhöhte sich damit Stand Mittwochabend auf 4540, wie aus den vom Robert Koch-Institut im Internet veröffentlichten Zahlen hervorgeht. Am Dienstag waren 38 Neuinfektionen gezählt worden. Die Zahl der Menschen, die im Zusammenhang mit dem Virus Sars-CoV-2 in Schleswig-Holstein gestorben sind, blieb bei 161.

Von allen seit Beginn der Pandemie in Schleswig-Holstein nachweislich mit Sars-CoV-2 Infizierten gelten nach Schätzung des Robert Koch-Instituts rund 4100 als genesen.

Coronavirus: Das müssen Sie über Fachbegriffe wissen

  • Coronavirus: Eine Klasse von Viren, zu denen der neuartige Erreger gehört
  • Sars-CoV-2: Die genaue Bezeichnung des Virus, das sich von China aus verbreitet
  • Covid-19: Die Erkrankung, die das Virus auslöst

Sportbund fordert 30 Aktive ohne Abstand für alle Sportarten

Der Hamburger Sportbund (HSB) fordert in einer Resolution zeitnahe Corona-Lockerungen für seine 830 Vereine. Es sei unakzeptabel, „dass bei Mannschaftssportarten eine ,30er-Regel‘ gilt, für andere Sportarten jedoch eine Begrenzung auf zehn Personen“. Laut lokaler Corona-Eindämmungsverordnung können Teamsportarten in der Halle und im Freien mit bis zu 30 Personen ohne Abstand im Vollkontakt wetteifern. Nur Trainer/Betreuer müssen Distanz wahren. Von der Regelung ausgeschlossen sind bisher Einzelsportarten. Die können aber in drei Zehnerblöcken, die sich nicht vermischen dürfen und untereinander 2,5 Meter Abstand halten müssen, zusammen Sport treiben. Das sei aber praxisfremd, klagen die Vereine.

Der HSB-Hauptausschuss fordert in seiner Resolution, die 30-Personen-Regelung auf alle Sportarten zu erweitern. Die aktuelle Maßnahme bedrohe die Existenz der Clubs. Die Hallen könnten in der kälteren Jahreszeit dadurch nicht ausgelastet, Kursangebote müssten reduziert werden. Das könnte zu weiteren Austritten führen, die derzeit nicht über Eintritte kompensiert werden.

Lesen Sie hier den Corona-Newsblog von Mittwoch, 23. September