Corona-Ausbruch

"Katze"-Chef: verantwortungsvoll und umsichtig gehandelt

Detlef Brunkhorst betreibt die "Katze" am Schulterblatt – und weist die Kritik am Umgang der Bar mit den Corona-Regeln zurück.

Detlef Brunkhorst betreibt die "Katze" am Schulterblatt – und weist die Kritik am Umgang der Bar mit den Corona-Regeln zurück.

Foto: Andreas Laible / Andreas Laible / FUNKE Foto Services

Detlef Brunkhorst weist Kritik zurück – und unterstellt dem Barkombinat "Neid". So verlief die Infektionskette in der Bar.

Hamburg.  Die „Katze“ hat den Shitstorm ganz gut überstanden – zumindest oberflächlich betrachtet. Die Fußböden sind geschliffen worden, der Tresen hat einen neuen Anstrich bekommen. Betreiber Detlef Brunkhorst wird die Bar am Schulterblatt am Donnerstag wiedereröffnen.

Sie geht, verschönert und angeschlagen zugleich, in eine neue Phase – die Phase nach dem Corona-Ausbruch mit 13 Infizierten, der die Bar deutschlandweit in die Schlagzeilen brachte und zu empörten Reaktionen führte. „Das war wie ein Shitstorm“, sagt Brunkhorst.

Chef der "Katze": "verantwortungsvoll und umsichtig gehandelt"

Hat die Bar verantwortungslos gehandelt und den Ausbruch durch laxe Anwendung der Corona-Regeln mitverursacht? Brunkhorst sieht das nicht so. „Die Gesundheitsbehörde hat mir bescheinigt, verantwortungsvoll und umsichtig gehandelt zu haben“, sagt er im Gespräch mit dem Abendblatt.

Dennoch hat die Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD) am Dienstag die „Katze“ gewissermaßen ins Gebet genommen: Hinterm Tresen der Bar könne der vorgeschriebene Corona-Abstand nicht eingehalten werden, so Leonhard, deshalb müssten dort Masken getragen werden. Doch das sei offenbar nicht geschehen. Ein Vorwurf, zu dem sich Brunkhorst nicht äußern will. Allerdings hat er nun angeordnet, dass hinterm Tresen stets Maske getragen werden muss.

Wie die Infektionskette in der "Katze" verlief

Beweisbar ist ohnehin nicht, wer wann wen angesteckt hat. Vier Mitarbeiter der „Katze“ waren positiv getestet worden. Die gute Nachricht: Alle sind wieder genesen, sie hatten nur leichte Symptome. Die Infektionskette wurde vermutlich von einem Mitarbeiter gestartet, der am Sonnabend, 5. September, in der Bar gearbeitet hat, an den folgenden Tagen aber nicht.

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Am Anfang der Folgewoche fühlte er sich krank und ließ sich testen. Am Donnerstag bekam er das Testergebnis: Er hatte Covid-19. Am Freitag, 11. September, schloss Brunkhorst seine Bar. Weitere Tests ergaben, dass der Erstinfizierte an jenem Sonnabend vermutlich drei Kollegen angesteckt hat, die am Dienstag darauf noch gearbeitet hatten.

Neun Besucher der Bar hatten sich ebenfalls infiziert – vermutlich am Sonnabend oder am Dienstag. In der Gesundheitsbehörde geht man davon aus, den Ausbruch in der „Katze“ unter Kontrolle zu haben. Weitere Fälle werde es in diesem Zusammenhang wohl nicht geben, heißt es.

Falsche Kontaktdaten: Kontrollmöglichkeiten der Wirte sind begrenzt

Im Zuge der Ermittlungen wurde auch bekannt, dass viele Gäste der „Katze“ falsche Kontaktdaten angegeben hatten. Brunkhorst hält das für unverantwortlich, findet aber, dass die Kontrollmöglichkeiten der Wirte hier begrenzt sind. Die „Katze“ erhebt die Daten unter anderem mit einem QR-Code, den die Gäste mit ihrem Handy scannen. Dann tragen sie am Handy die verlangten Informationen ein. Um dabei einen Betrug aufzudecken, müsste man dem Gast dabei schon über die Schulter schauen.

Corona-Krise: Junge Hamburger fallen besonders auf

Dass die Senatorin Leonhard dazu aufruft, die Corona-Regeln ernst zu nehmen und einzuhalten, findet er vollkommen richtig. „Da müssen alle diszipliniert sein“, sagt der 59-Jährige. Brunkhorst ist ein erfahrener Gastronom. Drei Läden gehören ihm, neben der „Katze“ das „Goldfischglas“ an der Bartelsstraße und die Pelican Bar (Am Brunnenhof).

Kritik vom Barkombinat: Brunkhorst vermutet "Neid"

Mitglied im Barkombinat ist Brunkhorst allerdings nicht. Der Zusammenschluss von Bars, Kneipen und Schankwirtschaften in Hamburg hat das Ziel, gegenüber dem Senat in Corona-Zeiten mit einer Stimme zu sprechen. In einer aktuellen Stellungnahme des Kombinats zum Corona-Ausbruch wird die „Katze“ zwar nicht genannt, aber scharf kritisiert.

„Es wäre um einiges einfacher, wenn alle an einem Strang ziehen würden“, heißt es da. „Aber während die einen gewissenhaft auf das Tragen von Masken bestehen, die Kontaktdaten abfragen und nur einen Bruchteil ihrer Kapazitäten ausschöpfen, um ihre Gäste und Mitarbeiter bestmöglich zu schützen, nutzen die anderen die geringen Kontrollmöglichkeiten der Stadt Hamburg aus und führen ihren Betrieb, als würde es Corona nicht geben, und verschaffen sich dadurch Wettbewerbsvorteile zulasten der gesamten Bar- und Kneipenszene.“

Brunkhorst kann diese Kritik nicht verstehen. „Da steckt vielleicht auch Neid dahinter“, sagt er. Die „Katze“ sei ein „streng und korrekt geführter Laden“. Seit 2008 gibt es die Bar, seit 2015 ist Brunkhorst alleiniger Inhaber. „Wir sind seit Jahren erfolgreich“, sagt er. Heute beginnt nun die neue Phase – mit Maskenpflicht hinterm Tresen.

Droßmann: Bußgelder schrecken nicht ab

Mitte-Bezirksamtsleiter Falko Droßmann (SPD) hatte am Dienstag in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz erneut geschildert, vor welchen Problemen die Stadt bei der Kontrolle der Corona-Regeln gerade im Bereich der Bars und Clubs steht. Zwar versuche die Hälfte der auf dem Kiez von ihm überprüften Bars, sich an die Regeln zu halten – die andere aber ignoriere sie.

Selbst fünfstellige Strafzahlungen würden die Inhaber nicht abschrecken in Anbetracht der zu erwartenden Umsatzzahlen: „Das Bußgeld interessiert die am wenigsten“, so Droßmann. Abschrecken würde nur die Schließung bei wiederholten Verstößen. Die schwarzen Schafe drohten einen erneuten Lockdown des Kiez zu verschulden – „und das will niemand“.