Drama

Tod eines Hamburgers: Hätte die Polizei ihn retten können?

Eine Leitstelle der Polizei Hamburg. Gegen den Polizisten, der den ersten Anruf von Martina L. entgegen genommen hat, wird nun ermittelt (Symbolfoto).

Eine Leitstelle der Polizei Hamburg. Gegen den Polizisten, der den ersten Anruf von Martina L. entgegen genommen hat, wird nun ermittelt (Symbolfoto).

Foto: picture alliance

Tochter in England bat Kommissariat, Beamte zu ihren Eltern zu schicken. Doch dies ist offenbar nicht geschehen.

Hamburg.  Hat die Hamburger Polizei eine Bitte um Hilfe nicht ernst genug genommen? Musste deshalb ein Mensch sterben?

Nach dem Tod eines Mannes in Niendorf stellen sich schwerwiegende Fragen. Am 4. September hatte sich Martina L., die in Südengland lebt, telefonisch an das Polizeikommissariat in Schnelsen gewandt. Sie war in großer Sorge. Seit Tagen hatte sie kein Lebenszeichen ihrer betagten Eltern in Hamburg erhalten. Ob einmal Beamte bei ihnen vorbeischauen könnten?, bat sie. Tatsächlich versprach nach Abendblatt-Informationen der Beamte, der den Anruf entgegennahm, man werde einen Streifenwagen zu der Adresse schicken.

Berndt V. wurde tot in der Wohnung gefunden

Doch dies ist offenbar nicht geschehen, obwohl an jenem Freitag, wie es heißt, in der Wache nicht ungewöhnlich viel losgewesen sei. Erst zwei Tage später, nach einem erneuten Anruf der Tochter, suchten Polizisten das Ehepaar auf. Dabei wurde der Vater von Martina L., Berndt V., tot in der Wohnung aufgefunden. Seine Frau lag offenbar schon länger hilflos und dehydriert auf dem Boden neben dem Bett, wegen ihrer Gebrechen nicht in der Lage, selber Hilfe zu holen. Sie wurde in eine Klinik gebracht. „Es ist ein Drama“ sagt Martina L. über das, was ihren Eltern geschehen ist.

Wäre der Familie durch schnelleres Handeln viel Leid erspart geblieben? Hätte Berndt V., Jahrgang 1943, gerettet werden können, wenn man ihn rechtzeitig gefunden hätte? Diesen Fragen wird jetzt auch innerhalb der Polizei nachgegangen. Im Präsidium werden klare Hinweise auf ein Fehlverhalten gesehen. Das Dezernat Interne Ermittlungen (DIE) nahm die Ermittlungen auf.

Gegen einen Polizisten wird nun ermittelt

Von dem Vater heißt es, er sei möglicherweise am 4. September spazieren gewesen, danach habe er Kreislaufprobleme bekommen und sich hingelegt. Viel spricht dafür, dass er noch am selben Tag starb, offenbar eines natürlichen Todes. Für ein Fremdverschulden gebe es keine Hinweise, heißt es bei der Staatsanwaltschaft. Ein Todesermittlungsverfahren wurde zunächst eingestellt.

„Gegen den Polizisten, der den Anruf entgegennahm, ermittelt nun die DIE“, sagte Polizeisprecherin Sandra Levgrün dem Abendblatt. „Wir haben im Moment Grund zur Annahme, dass der Einsatz nicht so zeitnah wahrgenommen wurde, wie es erforderlich gewesen wäre. Wir werden den Sachverhalt intern aufarbeiten, um zu verstehen, welcher Fehler hier passiert sein könnte. Auch, um für die Zukunft auszuschließen, dass so etwas noch einmal passiert.“