Newsblog für Norddeutschland

Corona-Ausbruch in weiterer Bar im Schanzenviertel

Corona-Test: Am Montag wurde ein weiterer Ausbruch in einer Bar in Hamburg bekannt.

Corona-Test: Am Montag wurde ein weiterer Ausbruch in einer Bar in Hamburg bekannt.

Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto

Viele neue Fälle von Corona-Infizierten. Neumünster spricht von "zweiter Welle". Mehr Grippe-Impfdosen. Der Newsblog.

Hamburg. Die Zahlen der Neuinfizierten steigen, doch in Hamburg und im Rest Deutschlands scheint die Corona-Pandemie deutlich besser beherrschbar als in europäischen Nachbarländern oder in den USA. An einigen Schulen Hamburg sind Klassen in Quarantäne versetzt worden, um die Ausbrüche zu begrenzen. Nach dem Infektionsgeschehen in der Bar "Katze" im Schanzenviertel (Schulterblatt) haben sich politisch Verantwortliche wie Bezirksamtsleiter Falko Droßmann (Mitte) aufgemacht, um die Einhaltung der Hygieneregeln vor Ort zu überprüfen. Dabei wurden teils "katastrophale Zustände" vor allem bei der Dokumentation der Gästelisten festgestellt, zwei Bars wurden sofort geschlossen.

Gleichzeitig ging das Reeperbahn-Festival 2020 auf St. Pauli trotz strenger Corona-Regeln quasi geordnet über die Bühne. Was der Herbst mit der Grippe- und Erkältungszeit mit sich bringt, ist unwägbar, außer dass Homeoffice der Normalfall wird.

Lesen Sie hier die wichtigsten Nachrichten aus Hamburg und Norddeutschland im Newsblog vom 21. September 2020:

Coronavirus: Hamburg und weltweit – interaktive Karte

Gesundheitsamt schließt Kita in Wedel wegen eines Corona-Falls

Wegen eines positiv auf das Coronavirus getesteten Kindes ist eine komplette Kita in Wedel (Kreis Pinneberg) am Montag für zwei Wochen geschlossen worden. "Da es sich nicht klar eingrenzen ließ, mit wem das betroffene Kind Kontakt hatte, hat das Gesundheitsamt entschieden, für alle 130 Kinder und 31 Mitarbeiter*innen eine 14-tägige Quarantäne anzuordnen", teilte der Kreis Pinneberg mit. Eine Betreuung in der Kita sei in dieser Zeit nicht möglich. Insgesamt meldete der Kreis am Montag drei neue bestätigte Corona-Fälle. Die Gesamtzahl liege damit bei 812, wobei 720 (plus acht) als genesen angesehen werden könnten.

Corona-Ausbruch in weiterer Bar im Schanzenviertel

Am Montag wurde ein weiterer Corona-Ausbruch in einer Bar im Schanzenviertel bekannt. 16 Gäste der Shisha-Bar Le Vou in der Juliusstraße am Rande des Schanzenviertels wurden positiv getestet. Laut Stefanie von Berg, Chefin des Bezirksamts Altona, handelt es sich bei den Betroffenen um Personen zweier Freundesgruppen. In einer Gruppe wurden 14 Personen positiv getestet, in der anderen zwei. Sie alle hatten sich nachts vom 11. auf den 12. und vom 12. auf den 13. September im Le Vou aufgehalten. Weitere Gäste sollten sich melden, bittet das Bezirksamt. Bisher seien den Behörden 60 Kontaktpersonen bekannt. NDR 90,3 hatte zuerst darüber berichtet. Demnach befinden sich neben den 16 positiv Getesteten fünf weitere Betroffene in Quarantäne.

Gastro-Kontrolle: Gäste hui, Mitarbeiter pfui

Bei Kontrollen von 47 Gastro-Betrieben am Donnerstag und Freitag hat das Hamburger Amt für Arbeitsschutz zwischen Sternschanze und Reeperbahn in 18 Betrieben Verstöße gegen die Anordnung zum Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung festgestellt. Wie die Justizbehörde am Montag erklärte, hätten von diesen Etablissements bereits vier die zweite Anordnung erhalten, was zu einem Ordnungswidrigkeitsverfahren führt. Die Servicemitarbeiter sollen zwar beim Kundekontakt, aber nicht hinter dem Tresen die Maske oder sie nicht korrekt getragen haben. Könne der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden, müsse man auch im Kontakt mit Mitarbeitern eine Maske tragen. Die Gäste, so die Behörde, hätten sich an die Regeln gehalten.

Ausbruch in der "Katze": 13 Infizierte – Wiedereröffnung angekündigt

Nach dem Corona-Ausbruch in der Schanzen-Bar "Katze" hat die Hamburger Sozialbehörde am Montag 13 bestätigte Covid-19-Fälle gemeldet. Darunter seien bereits die infizierten Bar-Mitarbeiter. "Die Anzahl der hinzugekommenen Erkrankungen ist überschaubar: Insgesamt gehen nun 13 bestätigte Covid-19-Fälle auf den Ausbruch in der Bar zurück, darunter auch die bereits vermeldeten Servicekräfte der Bar."

Zu den den 600 möglicherweise betroffenen Gästen sei eine Kontaktaufnahme "überwiegend" gelungen. Etwa 400 kämen aus Hamburg. Es haben Hunderte telefonische Rückmeldungen von Bar-Besuchern und Kontaktpersonen gegeben. 15 Prozent Namen auf den ausgefüllten Gästelisten seien offenbar "nicht zutreffend oder nicht vollständig" gewesen. Die Sozialbehörde forderte Bar-Besucher auf: "Wer die Bar ,Katze' am 5., 8. oder 9. September jeweils ab 19 Uhr bzw. in den Nachtstunden auf den Folgetag besucht hat und noch nicht kontaktiert wurde, möge sich unverzüglich telefonisch beim Gesundheitsamt unter 040 42811 2000 melden und sich bis zu weiteren Instruktionen durch den öffentlichen Gesundheitsdienst freiwillig in Quarantäne begeben."

Am Montagnachmittag kündigte die Bar via Instagram an: "Ab Donnerstag sind wir wieder für euch da. Das gesamte Team ist gesund." Zudem habe man die Hygienemaßnahmen "verstärkt und optimiert".

Meck-Pomm testet Fiebermessungen

Aus Sorge vor vermehrten Corona-Infektionen im Herbst will Mecklenburg-Vorpommern Fiebermessungen für Kitas und Schulen testen. „Wir werden erproben, ob es Sinn macht, die Kinder vor Beginn von Kita und Schule zu testen“, sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). „Wir werden solche Geräte anschaffen, wissen aber nicht, ob sich Aufwand und Nutzen flächendeckend lohnen. Deshalb starten wir mit einer Pilotphase.“ Die Teilnahme sei freiwillig. Ziel ist laut Schwesig, dass pro Landkreis und kreisfreier Stadt eine Kita und eine Schule mitmachen.

Cloppenburg: Entspannung, aber noch über kritischem Wert

Die Corona-Lage im zuletzt von Neuinfektionen stark betroffenen Landkreis Cloppenburg hat sich leicht entspannt. Cloppenburg war zwar am Montag weiterhin der einzige niedersächsische Landkreis mit einer Überschreitung der sogenannten 7-Tage-Inzidenz, teilte das Sozialministerium in Hannover mit. Auf 100.000 Einwohner gerechnet, lag die bestätigte Fallzahl aber nur noch bei 58,6 nach 63,9 am Vortag.

Die Polizei entdeckte bei Kontrollen zuletzt etliche Verstöße in der Gastronomie und bei privaten Partys. Der Kreis habe zunächst keine weiteren Maßnahmen geplant, sagte ein Sprecher. Für weitere Schülerinnen und Schüler hatte er eine häusliche Quarantäne angeordnet, die ab Montag gilt.

Zahl der Hochzeiten gesunken

In den ersten sechs Monaten wurden nach vorläufigen Zahlen in Hamburg 2162 Ehen geschlossen, das sind 571 weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Bundesweit wurden von Januar bis einschließlich Juni 139.900 Ehen geschlossen, 29.200 weniger als im Vorjahreszeitraum. Viele Standesämter schlossen im März vorübergehend ganz, andere schränkten ihre Dienste ein.

Aktuelle Infektionszahlen aus Hamburg

65 neue Corona-Fälle meldet die Stadt am Montag: Damit liegt der Sieben-Tage-Wert bei 386, der Wert pro 100.000 Einwohner steigt auf 21,4. Erreicht er 50, muss der Senat über neue Beschränkungen entscheiden. Die Zahl der Todesfälle bleibt stabil bei 239, die Zahl der im Krankenhaus Behandelten wurde bisher nicht aktualisiert und liegt mit Stand vom Wochenende weiter bei 33, darunter neun intensivpflichtige Fälle.

Mehr Impfdosen für Grippeimpfung

In Niedersachsen hat die Kassenärztliche Vereinigung jetzt die Bürger und speziell Risikogruppen dazu aufgerufen, sich gegen Grippe impfen zu lassen. Es stünden "zunächst" etwa 1,4 Millionen Impfdosen zur Verfügung, es gebe aber eine Reserve. Die Zahl der Impfdosen wurde um 20 Prozent aufgestockt. Experten wiesen darauf hin, dass die Grippeschutzimpfung in diesem Jahr deshalb so besonders sinnvoll sei, um die Krankenhäuser zu entlasten, die möglicherweise mit ansteigenden Zahlen von Covid-19-Patienten belastet seien. Bei einem schweren Verlauf kann die Grippe tödlich enden. In der zuletzt schwerwiegendsten Grippewelle 2017/2018 starben deutschlandweit gut 25.000 Menschen, so das Robert-Koch-Institut.

Ikea bietet wieder Einlasstickets im Internet an

Die Ikea-Filialen in Hamburg (Schnelsen, Moorfleet und Altona) haben auf die Corona-Pandemie mit neuen Einlassregeln reagiert. Kunden können laut Ikea-Mitteilung vom Montag ein "Zeitfenster" zum Shoppen im Internet buchen. Die Einlasstickets für die "Fast Lanes" sollen Wartezeiten verhindern helfen. Bereits nach Ende des Lockdowns im Frühjahr hatte das Möbelhaus mit diesem System die Besucherzahlen gesteuert.

Testzentrum am Hauptbahnhof: Das muss man wissen

Die beiden Corona-Testzentren der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg an ihren Notfall-Praxen in Altona und Farmsen sind jetzt geschlossen. Das am Hauptbahnhof (am Museum für Kunst und Gewerbe) ist weiterhin geöffnet. Es ist gedacht für Reiserückkehrer (mit Nachweis), Angestellte Hamburger Schulen, Menschen, die eine amtliche Anordnung zu einem Test haben sowie die, denen die Warn-App einen Hinweis gegeben hat. Menschen mit Symptomen sollen sich an ihren Hausarzt wenden oder an den Arztruf 116 117. Die KV hat einen Service im Internet eingerichtet, der schnell über das Testergebnis Auskunft gibt.

Hamburg: Touristenzahl halbiert

Minus 57 Prozent: Die Zahl der Touristen in Hamburg ist wegen der Corona-Pandemie im ersten Halbjahr 2020 eingebrochen, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten am Montag mitteilte. Von einer "beispiellosen Krise" sprach Silke Kettner, Geschäftsführerin der NGG-Region Hamburg-Elmshorn.

Im Landkreis Harburg waren es minus 51 Prozent. Die Übernachtungen seien um 43 Prozent zurückgegangen. Steffen Lübbert, Geschäftsführer der NGG-Region Lüneburg, sagte, das Kurzarbeitergeld habe immerhin einen Anstieg der Arbeitslosigkeit vermieden. In Schleswig-Holstein sank die Zahl der Touristen im ersten Halbjahr 2020 um 36,2 Prozent, die Zahl der Übernachtungen fiel um 28,4 Prozent.

Allein im Hochsaisons-Monat Juli sank die Zahl der Gäste in Hamburg um 46,7 Prozent auf nur noch 386.000, die Zahl der Übernachtungen ging um 44 Prozent auf 835.000 zurück. Deutlich weniger drastisch fiel der Rückgang in Schleswig-Holstein aus. Auch dort sank die Zahl der Gäste, aber nur um 14,2 Prozent auf 1.068.000 – die Gäste, die Schleswig-Holstein besuchten, blieben zudem länger: Die Zahl der Übernachtungen im Juli 2020 nahm im Vergleich zum Vorjahresmonat um nur 5,8 Prozent ab und lag bei 5.697.000.

Neumünster: Zweite Welle

Wegen der stark steigenden Zahlen von Corona-Neuinfektionen droht die Stadt Neumünster mit erneuten Einschränkungen des öffentlichen Lebens. In Neumünster wurden bis Sonntagmittag 12 Uhr insgesamt 155 Fälle einer Covid-19-Erkrankung mit Labornachweis bestätigt, davon sind aktuell 30 Personen erkrankt. 25 bestätigte Neuinfektionen gab es in der vergangenen Woche in der Stadt. Die 7-Tage-Inzidenz für Neumünster lag demnach am Sonntagmittag bei 30,9 auf 100.000 Einwohner. Das war der landesweit höchste Wert. Der Grenzwert, ab dem verstärkte Infektionsschutzmaßnahmen vorgesehen sind, liegt bei 50 Neuinfektionen pro Woche.

Die Leitende Amtsärztin Alexandra Barth sagte: „Angesichts des dramatischen Anstiegs der Infektionen befinden wir uns bereits in der zweiten Welle und es drohen Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Dies muss den Menschen endlich bewusst werden.“ Den Angaben zufolge stecken sich die Neumünsteraner mittlerweile vor Ort bei Veranstaltungen, am Arbeitsplatz, bei Familienfeiern sowie in der Öffentlichkeit an. Es seien nicht mehr nur Reiserückkehrer für die steigenden positiv getesteten Fälle verantwortlich.

Boom an Leuphana Universität Lüneburg

Wegen der Umstellung auf G9 an den Gymnasien gibt es 2020 keinen klassischen Abiturjahrgang in Niedersachsen – trotzdem sind die Bewerberzahlen der Leuphana Universität Lüneburg stark angestiegen. Fast 11.000 Bewerber auf rund 1400 Studienplätze – das sind gegenüber dem Vorjahr deutlich mehr.

Auch in Hamburg war der Run auf die Studienplätze gewaltig. In Lüneburg soll es im Wintersemester mehr Präsenzbetrieb geben. „Der Wunsch auf beiden Seiten ist groß, sowohl bei den Lehrenden als auch bei den Studierenden“, sagte Pressesprecher Henning Zühlsdorff der dpa. Die meisten Bewerbungen gab es für die Betriebswirtschaftslehre, die Umweltwissenschaften und die Psychologie. Besonders attraktiv sei das englischsprachige Studienangebot.

Bar "Katze": Neue Zahlen erwartet

Nach dem Corona-Ausbruch in der Hamburger Bar „Katze“ erwarten die Behörden für den Wochenbeginn neue Zahlen von den Gesundheitsämtern. Sowohl die Sozialbehörde als auch das Bezirksamt Altona hatten für Montag weitere Informationen rund um das Infektionsgeschehen in der Bar im Schanzenviertel angekündigt. Am Mittwoch war bekannt geworden, dass ein Barmitarbeiter der „Katze“ positiv auf Corona getestet worden war.

Bis Freitag wurden insgesamt acht Fälle registriert, vier davon waren „Katze“-Mitarbeiter. Rund 600 Gäste kommen als Kontaktpersonen in Frage. 500 von ihnen konnten mit Hilfe der ausgefüllten Kontaktdaten-Listen über den Corona-Fall informiert werden. Sie alle sollten sich direkt in Quarantäne begeben.

Lesen Sie auch: Corona-Ausbruch in der Bar „Katze“ wirft Fragen auf

Carsten Brosda schreibt Buch zu Corona-Pandemie

Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda legt ein neues Buch vor: Am 7. Oktober erscheint bei Hoffmann und Campe seine Studie „Ausnahme / Zustand: Notwendige Debatten nach Corona“. Darin widmet sich der SPD-Politiker den gesellschaftlichen Folgen der Pandemie.

Corona: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörden

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum, und halten Sie mindestens 1,50 Meter Abstand zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an Ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

Corona: Die Fotos zur Pandemie

Schleswig-Holstein: 20 neue Fälle

Bei Tests auf das Coronavirus sind in Schleswig-Holstein 20 Neuinfektionen bestätigt worden. Die Zahl der nachgewiesenen Corona-Fälle seit Beginn der Pandemie im Norden erhöhte sich damit auf 4420, wie aus den am Sonntagabend von der Landesregierung veröffentlichten Zahlen hervorgeht. Die Zahl der Menschen, die im Zusammenhang mit dem Virus Sars-CoV-2 gestorben sind, blieb bei 161. In Krankenhäusern wurden am Sonntag wie auch schon am Vortag fünf Corona-Patienten behandelt.

Lesen Sie hier den Newsblog vom Wochenende (19. und 20. September)