Hamburg

Reeperbahn-Festival: Spice Girl trifft Party-Senator

Spice Girl Melanie C war Jury-Mitglied beim Reeperbahn-Festival 2020.

Spice Girl Melanie C war Jury-Mitglied beim Reeperbahn-Festival 2020.

Foto: Georg Wendt / dpa

Melanie C wählt deutsche Band als Preisträger mit aus. Der Mann, der das "Groten" erfand, zeigte sich mit seiner Frau.

Hamburg. Spice Girls und ein Hamburger Senator, der als "Party-Mann" ein neues Verb erschaffen hat: Für Musikerin und Ex-Spice-Girl Melanie C war das Hamburger Reeperbahn-Festival 2020 unter Corona-Bedingungen eine unglaubliche Erfahrung. "Es ist unglaublich, dass es möglich war, trotzdem weiterzumachen", sagte sie am Sonnabend in Hamburg während der Abschlussveranstaltung des Festivals im St.-Pauli-Theater.

"Ich fühlte mich sehr sicher die ganze Zeit." Und sie sei sehr stolz darauf, Teil der diesjährigen Veranstaltung zu sein und "zu zeigen, dass das Leben weitergeht und dass wir junge Künstler einfach unterstützen müssen". Die Britin gab zu Beginn der Show vor 118 Leuten einen ihren Songs zum Besten.

Andy Grote zeigt sich beim Reeperbahn-Festival

Beim Festival zeigte sich auch Innensenator Andy Grote (SPD), der mit seiner offenbar nicht den Hygieneregeln entsprechenden Party nach der Neu-Vereidigung die Hamburger Corona-Regeln gebrochen hatte. Das Verb "groten" war daraufhin für den (nicht-)öffentlichen Regelbruch während der Corona-Pandemie erfunden worden. Grote entschuldigte sich und blieb trotz harscher Kritik im Amt.

Durch den letzten Abend des viertägigen Clubfestivals führte Moderatorin Hadnet Tesfai auf souveräne und charmante Art – allerdings allein. Denn Co-Moderator Steven Gätjen musste wegen einer dringenden Familienangelegenheit absagen.

Reeperbahn-Festival: Anchor Award geht an Ätna

Die deutsche Band Ätna hat den Anchor-Award für aufstrebende Musikerinnen und Musiker des Hamburger Reeperbahn-Festivals gewonnen. "Sie sind unvergessslich. Es ist etwas sehr besonderes. Sie sind so anders. Es war eine besondere Performance", sagte Melanie C. Das Dresdner Duo ist der erste deutsche Act, der den International Music Award seit 2016 mit nach Hause nehmen kann.

Ätna hat sich mit seinem außergewöhnlichen Sound – einer Mischung aus Indie und Electro – und seinem originellen Gesamtpaket aus Musik, Text und Performance gegen vier weitere Nominierte durchgesetzt. Sie alle – Eefje de Visser, Ätna, Tuvaband, Suzane und Arya Zappa – haben in den vergangenen drei Tagen mehrfach auf dem Festival gespielt und mussten dabei die Jury von ihrem Können überzeugen. Zu den Juroren gehörten in diesem Jahr neben Melanie C auch Musikproduzent Tony Visconti, Musikjournalist Markus Kavka und Seed-Gründer Frank Dellé.

Preis kann Sprungbrett für die Künstler sein

Der undotierte Preis ist – wie auch schon die Nominierungen an sich – für Musikbegeisterte und Produzenten eine gute Orientierungshilfe. Für die Künstler kann er deshalb ein Sprungbrett für eine internationale Karriere sein.

Das Reeperbahn-Festival stand in diesem Jahr im Zeichen der Corona-Krise. Als pandemiegerechte und deutlich kompaktere Version wurde strengstens auf das Einhalten aller Hygiene- und Abstandsregeln geachtet. Verteilt auf nur 20 kleinere und mittlere Spielstätten gab es seit Mittwoch rund 300 Veranstaltungen, davon etwa 140 Musikkonzerte. Der Großteil wurde ins Internet gestreamt.