Hamburg

Friedhof Ohlsdorf ist jetzt immaterielles UNESCO-Kulturerbe

Carsten Helberg, Geschäftsführer der Hamburger Friedhöfe, Kulturwissenschaftler Norbert Fischer, Michael Karbenk von der Steinmetzinnung Hamburg und Christian Lüdtke vom Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge präsentieren die Tafel mit der Aufschrift "Immaterielles Erbe Friedhofskultur".

Carsten Helberg, Geschäftsführer der Hamburger Friedhöfe, Kulturwissenschaftler Norbert Fischer, Michael Karbenk von der Steinmetzinnung Hamburg und Christian Lüdtke vom Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge präsentieren die Tafel mit der Aufschrift "Immaterielles Erbe Friedhofskultur".

Foto: Georg Wendt / dpa

Sechs Monate nach der Verleihung des Titels wurde die Feier nachgeholt. Was mit der Auszeichnung gewürdigt werden soll.

Hamburg. Mit neuen Schildern weist der Hamburger Friedhof Ohlsdorf künftig Besucher auf seinen frisch erworbenen Titel als immaterielles Kulturerbe hin. Verliehen hatte die UNESCO die Auszeichnung bereits am 20. März – die Würdigung konnte aber wegen der Coronavirus-Pandemie nicht gefeiert werden. Um die Auszeichnung als immaterielles Kulturerbe nachzufeiern und anlässlich des bevorstehenden Tags des Friedhofs am Sonntag, wurden am Freitag in bundesweit mehr als 100 Städten auf den wichtigsten Friedhöfen die Hinweisschilder übergeben.

„In meinen Augen repräsentiert die deutsche Friedhofskultur die Lebendigkeit der Gesellschaft. Wenn man über den Ohlsdorfer Friedhof geht, kann man diese Vielseitigkeit sehen“, sagte Carsten Helberg, Geschäftsführer der Hamburger Friedhöfe. Der Prozess zum Kulturerbe wurde 2015 von der Kultusministerkonferenz angestoßen, wobei die Stadt Hamburg die Rolle als Antragsträger übernahm.

„Die Auszeichnung ist eine internationale Anerkennung. Ein Label das man als Aushängeschild sehen kann“, sagte Norbert Fischer, Kulturwissenschaftler an der Universität Hamburg. Er hatte den Antragsprozess inhaltlich unterstützt und dazu auch ein Gutachten geschrieben. Hamburg habe in der Geschichte der Friedhofskultur in Deutschland eine führende Rolle gespielt. Mit dem Ohlsdorfer Friedhof habe man den ersten Parkfriedhof angelegt und auch eines der ersten Krematorien an der Alsterdorfer Straße gebaut.

Auf Friedhof Ohlsdorf entstehen Mausoleen

Besonderer Wert wurde in dem Antrag auf die Vielfalt an Religionen gelegt, die in Deutschland auf Friedhöfen repräsentiert sind. Auch die Soldatenfriedhöfe wurden als Trauerstätten und Mahnmäler für den Frieden gewürdigt. "Für uns sind sie Lernorte der Geschichte", sagte Christian Lüdtke vom Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge, an Orten wie dem Ohlsdorfer Friedhof könne bei der Jugend ein Bewusstsein für Frieden geschaffen werden.

„Wir müssen weiterhin an der Friedhofskultur arbeiten“, meinte auch Carsten Helberg. Dafür hatte der Senat mit dem Projekt „Ohlsdorf 2050“ vor sechs Jahren ein umfassendes Sanierungsprojekt verabschiedet. Fast 100 Millionen Euro hat der Senat für den Umbau des Friedhofs bereitgestellt. „Die Infrastruktur des Friedhofs muss in Zukunft aufrechterhalten werden“, sagte Rainer Wirz, Leiter der Hamburger Friedhöfe. Der Friedhof in Ohlsdorf habe zum Beispiel ein Abwassersystem von der Größe der Stadt Ahrensburg.

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Auf dem Ohlsdorfer Friedhof wird aber auch Neues errichtet. Jährlich wird wieder ein Mausoleum gebaut und andere außergewöhnliche Gedenkstätten errichtet. Wie eine von einer Hamburger Fangruppe gestiftete Parkbank, neben der sie an den Sänger der Rockgruppe Linking Park, Chester Bennington, erinnert.

Foodtruck bei einer Beisetzung

„Friedhofskultur hat einen enormen Wandel erfahren“, sagte Carsten Helberg, etwa würden sich immer mehr Leute in einer Urne bestatten lassen und sehr individuelle Bestattungen bevorzugen. Auf dem Ohlsdorfer Friedhof gibt es mehr als 20 Themengrabfelder, die den Bedürfnissen der Beigesetzten entsprechen. Von Aschestreuwiesen bis zu einer naturnahen Beisetzung im Ruhewald oder dem Wildblumengarten. Außerdem können sich auf dem Ohlsdorfer Friedhof seit letztem Jahr Herrchen mit ihren Hunden bestatten lassen. Von den strengen Reglementierungen der Bestattungen, die es in der Vergangenheit gab, nimmt man hier Abstand.

Auch die Art wie getrauert wird habe sich verändert, sagt Lutz Rehkopf von den Hamburger Friedhöfen. In den letzten Jahren wurde der mexikanische Totengedenktag „Día de los Muertos“ auf dem Ohldorfer Friedhof mit bis zu 500 Teilnehmern gefeiert. Bei den Beisetzungen werde immer seltener „Ave Maria“ gespielt.

Vor kurzer Zeit habe eine Trauergemeinde sogar einen Foodtruck bei einer Beisetzung organisiert. „Manchmal sind wir auch nicht ganz sicher, ob es die richtige Richtung ist. Da wird einem schon mulmig“, sagte Rainer Wirz. Der Foodtruck sei aber ein voller Erfolg gewesen. Natürlich habe man wegen dieser Offenheit auch eine Menge Kritiker, von solchen bekomme er dann auch häufiger Post.