Hoheluft-West

Das „Zwergenorchester“ sucht ein neues Zuhause

Ein typisches Bild am Eppendorfer Weg: Inhaber Florian Voigt nutzt die Zeit zwischen zwei Kursen oft für ein kleines Straßenkonzert.

Ein typisches Bild am Eppendorfer Weg: Inhaber Florian Voigt nutzt die Zeit zwischen zwei Kursen oft für ein kleines Straßenkonzert.

Foto: Sascha Ornot

Die beliebte Musikschule für Kleinkinder war wegen Corona wochenlang geschlossen. Jetzt wurde der Mietvertrag nicht verlängert.

Hamburg.  Wenn Florian Voigt bei gutem Wetter zwischen zwei Kursen seinen Klappstuhl herausholt und sich an den Eppendorfer Weg setzt, um ein bisschen zu klimpern, dann vergeht kaum eine Minute, in der nicht irgendjemand grüßt und auf einen kleinen Plausch stehenbleibt. Und manch ein Kind ruft dann auch schon mal einen Liedwunsch rüber.

Florian Voigt zählt zu den bekanntesten Menschen in Hoheluft-West. Auch darüber hinaus hat sich das „Zwergenorchester“ längst zu einer Marke entwickelt, die Eltern in ganz Hamburg kennen. Kinderscharen vom Säuglings- bis ins Vorschulalter besuchten und besuchen seine Kurse, und nicht wenige starten mit wenigen Monaten mit einer Rassel in der Hand auf Mamas Schoß und durchlaufen dann jeden Kursus, bis sie die selbst geschriebenen Lieder schon textsicher mitschmettern können.

Die vergangenen Monate haben dem Zwergenorchester viel abverlangt

Doch die vergangenen Monate haben dem Zwergenorchester viel abverlangt. Der Lockdown setzte die Einnahmen auf null und auch seit dem Neubeginn läuft der Betrieb nur mit angezogener Handbremse. „Wegen der Corona-Auflagen können die Kurse nur mit der Hälfte der Teilnehmerzahl stattfinden.“

Und in dieser ohnehin schon schwierigen Zeit, erreichte Voigt kürzlich noch eine weitere schlechte Nachricht: „Mir wurde überraschend mitgeteilt, dass der Mietvertrag am Eppendorfer Weg nicht verlängert wird“, so Voigt. Konkret heißt das: Spätestens im März ist Schluss. Die Suche nach neuen Räumlichkeiten läuft seitdem auch Hochtouren – bisher aber ohne Erfolg.

Es sind schwierige Zeiten für das Zwergenorchester, das sich in den vergangenen Jahren zu einer echten Institution entwickelt hat. Florian Voigt ist mit seinen Musikkursen das gelungen, was sich wohl jeder Gründer wünscht: ein Volltreffer. Wenn er von der Eröffnung vor rund zehn Jahren erzählt, wirkt es noch heute so, als könne er sein Glück kaum fassen. „Ich musste im Grunde wenig Werbung machen.

Lockdown fühlte sich für Voigt wie eine Vollbremsung an

Nachdem ich mit zwölf Kindern gestartet bin, kam der Rest über Mundpropaganda dazu“, so Voigt. Inzwischen ist es zu einer gemeinschaftlichen und gut erprobten Sporteinheit des Viertels geworden, sich so schnell wie möglich mit seinem Nachwuchs bei den Kursen anzumelden, denn die Plätze sind meist schon nach wenigen Minuten vergeben. Das Zwergenorchester entwickelte sich schließlich so gut, dass Voigt vor zwei Jahren noch einen zweiten Ableger in der Sternschanze gründete.

Und so fühlte sich der Lockdown für Voigt wie eine Vollbremsung an. „Es war ja damals nicht abzusehen, wie lange das gehen würde“, sagt er. „Aber mir war schnell klar, dass es nicht reichen würde, in dieser Zeit einfach nur auf Besserung zu warten.“ Und so fasste er einen Entschluss: „Wenn die Kinder nicht zu mir kommen können, dann komme ich eben zu den Kindern“, so der gebürtige Hamburger.

Und so startete er eine tägliche Zwergenorchester-Liveshow auf Insta­gram. „Ich habe mein Wohnzimmer in ein Studio umgebaut, und dann haben ich und mein Team einfach losgelegt. Jeden Tag haben wir eine halbe Stunde lang musiziert und auch einen Bastel-Tipp mitgegeben.“ Und auch hier war der Erfolg sofort da: „Wir hatten innerhalb weniger Tage mehr als 2000 Follower“, so Voigt, der auch heute noch einmal pro Woche mit der Show live auf Instagram zu sehen ist.

Enormer Zuspruch

Ohnehin sei der Zuspruch enorm gewesen. „Ich hatte gedacht, dass viele vielleicht ihre Kursgebühr zurückhaben wollen, weil nicht klar war, wann die Kurse weitergehen würden. Aber das kam so gut wie gar nicht vor. Die meisten Eltern waren einfach nur super nett und verständnisvoll“, so Voigt weiter.

Auch bei der Suche nach einer neuen Räumlichkeit setzt er nun auf die Hilfe aus dem großen Netzwerk aus aktiven und ehemaligen Zwergenorchester-Eltern. In einer E-Mail, die er vergangene Woche verschickt hat, schreibt er: „Es wäre toll, wenn ihr mithelfen könntet und vielleicht einen Tipp, eine Idee habt oder einen Raum wisst, der zu vermieten ist.“

Coronavirus – die Fotos zur Krise

Voigt würde gerne im Viertel oder nahe gelegenen Stadtteilen bleiben. „Hier haben wir einfach den größten Bekanntheitsgrad und viele Eltern, die seit Jahren mit ihren Kindern zu uns kommen.“ Außerdem sollte die Räumlichkeit mindestens 40 Quadratmeter groß und so gelegen sein, dass die Lautstärke, die während der Kurse durchaus entstehen kann, keinen stört.“

Klar ist für Voigt auch: „Mit einem neuen, bestenfalls etwas größeren Raum möchten wir auch neue Ideen umsetzen. Wir überlegen schon lange, dass wir gerne auch Kindergeburtstage ausrichten würden, was bisher an den Räumlichkeiten gescheitert war.“ Wer eine Idee für ein neues Zwergenorchester-Zuhause hat, kann sich per Mail an florian.voigt@zwergenorchester.de wenden.