Altona

Immer mehr öffentliche Kunst wird gestohlen

Erst verschwand der Reifen, dann der ganze „Reifenspieler“.

Erst verschwand der Reifen, dann der ganze „Reifenspieler“.

Foto: Kaja Steffens

Schwund bei Skulpturen in Osdorf und Lurup. Kulturpolitikerin kritisiert mangelndes Engagement bei der Aufklärung.

Hamburg.  Im Hamburger Westen verschwinden immer häufiger Metallskulpturen aus dem öffentlichen Raum. Aktuell wurden an der Straße Fahrenort die 1959 aufgestellte Figurengruppe „Zwei Faune“ der Künstlerin Ursula Querner gestohlen. Verschwunden ist auch die Bronzeplastik „Der Reifenspieler“ von Henrik Böhlig (1968), die zuletzt vor dem Lurup Center an der Luruper Hauptstraße gestanden hatte.

Alle Objekte sind Teil des Programms „Kunst im öffentlichen Raum“. Die über das ganze Stadtgebiet verteilten Kunstwerke verschiedener Epochen sollen seit vielen Jahrzehnten für jedermann erlebbar gemacht werden. Insider vermuten, dass die Plastiken für vergleichsweise wenig Geld an Altmetallhändler verkauft beziehungsweise kurz nach den Diebstählen eingeschmolzen wurden. Dass Kunstliebhaber sich diese privat aufstellen, gilt als eher unwahrscheinlich.

Die Diebstähle wurden jetzt von der Altonaer CDU-Kulturexpertin Kaja Steffens dokumentiert. Steffens kritisiert, dass die Kunstwerke zwar in Inventarlisten mit Angaben zu Standorten, Künstlern und Aufstellungsjahren erfasst seien, dass ihre Pflege und Sicherung aber seit Jahren nicht konsequent umgesetzt werde. „Man kann doch solche Bronzeplastiken nicht mal eben mit dem Fahrrad abtransportieren“, sagt Steffens, „entsprechend verwundert es schon, dass niemand etwas bemerkt zu haben scheint.“

Auch Beschädigungen werden nicht konsequent verfolgt

Dasselbe gelte für Verkauf beziehungsweise Einschmelzen der Skulpturen. Viele der Skulpturen waren ursprünglich zeitgleich mit der Errichtung der Neubausiedlung Osdorfer Born in­stalliert worden, auch weil die Anlage damals als Vorzeigeprojekt der Stadtentwicklungspolitik galt. Mittlerweile bestehe aber der Eindruck, dass sich niemand mehr für die Kunstwerke verantwortlich fühle. Das sei im Zusammenhang mit den jüngsten Diebstählen immer wieder deutlich geworden. „Das wird von Amtsseite zur Kenntnis genommen, aber mehr geschieht dann auch nicht“, so die Politikerin.

Auch die mutwillige Beschädigung der Kunstwerke werde laut Steffens nicht konsequent verfolgt. So war bei dem nun verschwundenen Reifenspieler zunächst der namensgebende Reifen gestohlen und monatelang nicht ersetzt worden. Vor Kurzem wurden, das als weiteres trauriges Beispiel, bei der „Vogelgruppe“ an der Luruper Ohlestraße, einem Werk von Christoph Bechteler, die Hälse der dargestellten Vögel abgebrochen.

Diebstahl von Skulpturen hat deutlich zugenommen

Der Diebstahl von Skulpturen aus Parks, Friedhöfen und anderen öffentlichen Plätzen hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Vor drei Jahren war die Skulptur „Die Tänzerin“, eine Arbeit des Künstlers Ludolf Al­brecht, im Jenischpark bei einem Diebstahlversuch schwer beschädigt worden, danach musste sie aufwendig restauriert werden und stand monatelang nicht an ihrem Platz. Der wohl spektakulärste Raub ereignete sich Anfang 2014. Damals gelang es Metalldieben, die rund 100 Jahre alte, circa 250 Kilogramm schwere Skulptur eines Bronze-Löwen vom Grab des Tierpark-Gründers Carl Hagenbeck zu stehlen. Auch dieser Fall konnte nie aufgeklärt werden.

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Kaja Steffens bittet vor allem Anwohner vergleichbarer Kunstwerke um erhöhte Aufmerksamkeit. Wer Vandalismus oder Diebstahl bemerkt oder etwas über den Verbleib der bereits gestohlenen Skulpturen weiß, kann sich mit Informationen direkt bei der Politikerin melden.