Gorch-Fock-Schule

Erst Krankenschwester – jetzt Schulleiterin

Innerlich angekommen: Schulleiterin Katrin Pinnau (fürs Foto ohne Maske) inmitten einer Schülergruppe.

Innerlich angekommen: Schulleiterin Katrin Pinnau (fürs Foto ohne Maske) inmitten einer Schülergruppe.

Foto: Andreas Laible

Katrin Pinnau, die neue Nummer eins der Blankeneser Gorch-Fock-Schule, machte über den zweiten Bildungsweg ihren Lebenstraum wahr.

Hamburg.  Ein Treffen mit Katrin Pinnau macht einfach gute Laune. Entspannt und fröhlich führt die neue Leiterin der Blankeneser Gorch-Fock-Schule durchs weitläufige Gelände. Seit Beginn des laufenden Schuljahrs leitet die 49-Jährige die fünfzügige Grundschule, die sich das Motto „Klarer Kurs – weites Herz“ gegeben hat. Spürbar freut sich die Rissenerin über ihre neue Aufgabe. Von Burnout ist bei ihr nichts zu merken, stattdessen sagt sie Sätze wie: „Ich habe natürlich ein ,richtiges‘ Zuhause, aber morgens hierherzukommen, ist für mich, wie noch mal nach Hause zu kommen.“

Ihr berufliches Glück hat Katrin Pinnau erst relativ spät gefunden, der Weg dorthin war lang und nicht leicht. Pinnau, das wird schnell klar, weiß das Erreichte zu schätzen und sieht ihren Beruf als Berufung, nicht nur als Job.

Schon als Kind wollte Pinnau Lehrerin werden

Katrin Pinnau wuchs in einer ländlichen Gegend in Dithmarschen auf. Ihre Biografie ähnelt der vieler Menschen ihrer Generation: Die Eltern hatten die Schule während des Krieges besucht, mussten danach früh arbeiten gehen. „Ein höherer Schulabschluss mit Studium war für mich und meine Geschwister nicht im Bereich des Möglichen“, sagt Pinnau. So etwas sei zu Hause einfach kein Thema gewesen, auch wenn sich die Eltern nie explizit dagegen ausgesprochen hätten.

Schon als Kind wollte Pinnau gerne Lehrerin werden – ein Wunsch, der immer weiter in ihr schlummerte. Doch ihre Mutter arbeitete in Heide am Krankenhaus als MTA, und früh war es innerhalb der Familie eine Art Selbstverständlichkeit, dass die Tochter denselben Weg gehen sollte. Nach dem Realschulabschluss machte sie eine dreijährige Ausbildung zur Krankenschwester, dann folgten neun Jahre auf einer neurochirurgischen Abteilung.

Im positiven Sinne nagte ihr ursprünglicher Berufswunsch in all den Jahren immer weiter in ihrem Unterbewusstsein. Zwei Schlüsselerlebnisse gab es dann, die sie das Ruder doch noch herumreißen ließen. Da war zunächst ein besonderes Gespräch: „Eines Tages erinnerte mich ein 18-jähriger, schwer Krebskranker, dass ich immer noch alle meine Träume verwirklichen könnte“, erzählt Pinnau ernst. „Er sagte: ,Für dich ist es ja noch nicht zu spät‘, das habe ich nicht mehr vergessen.“

Beispiellose Karriere

Dann kam, kurze Zeit später, Schlüsselerlebnis Nummer zwei: Ein studierender Bekannter klagte, dass der berühmter Lessing-Klassiker Emilia Galotti so schwer verdaulich sei und die Arbeit an dem Buch ihn viel Mühe koste. „Ich sah das Buch in einem Schaufenster und kaufte es mir“, erinnert sich Pinnau. „Nach dem Lesen war mein erster Gedanke: ,Hey, das verstehe ich ja, und es interessiert mich auch.‘“

Der Rest dieser beispiellosen Karriere im Schnelldurchlauf: Katrin Pinnau holte parallel zur Arbeit ihr Abitur nach. Die Schule lief täglich von 15 bis 19 Uhr, ihre Schichten passte sie entsprechend an. Nach dem Abschluss folgte ihr Lehramtsstudium, das sie sich mit der Arbeit am Krankenhaus finanzierte. Einen Teil der Referendarszeit verbrachte Pinnau bereits an der Gorch-Fock-Schule, danach war sie zwölf Jahre lang an der Schule Schulkamp in Nienstedten Lehrerin und – von 2017 an – drei Jahre stellvertretende Schulleiterin der Schule Marschweg in Rissen. In dieser Zeit studierte sie zur Weiterqualifizierung parallel in Kiel Schulmanagement mit Masterabschluss. Für die Gorch-Foch-Schule, die ihr schon als Referendarin gefiel und in der sie ihre beruflichen Wurzeln sieht, bewarb sie sich dann gezielt, als dort die entsprechende Stelle frei wurde.

Sie hat ihre Berufsentscheidung nie bereut

Bereut hat Katrin Pinnau ihre Berufsentscheidung nie. Im Gegenteil. „Es ist eine unglaubliche Bereicherung, wenn man das, was einem Spaß macht, als Beruf ausübt“, sagt sie. Auch für die Arbeit der Krankenschwester findet Pinnau im Rückblick nur gute Worte. Das seien „wichtige, gute Jahre“ gewesen, und die Menschen, die täglich in Krankenhäusern ihren Dienst versehen, verdienten höchste Anerkennung. Entsprechend hört sie es auch nicht gern, wenn ihr Werdegang als „Aufstieg“ klassifiziert wird: „Ich selbst spreche lieber von einem Umstieg.“

Immer noch sieht Pinnau vor allem die vielen positiven Seiten ihrer Arbeit – das Kommunikative und Soziale, die Fröhlichkeit und Frische der Kinder, die gemeinsame Arbeit in einem motivierten Team. Negatives, das es natürlich auch gibt, lässt sich so leichter wegstecken und auch wieder vergessen.

Lesen Sie auch:

Nebenan auf dem Schulhof stimmt eine kleine Schülergruppe ein Geburtstagslied an – coronabedingt mit gebührendem Abstand zueinander. „Heute kann es regnen, stürmen oder schneien“, klingt es zunächst etwas zögerlich, dann immer entschlossener. Als die Steppkes dann fröhlich schmettern und dazu klatschen, blickt Katrin Pinnau glücklich und versonnen auf die Szene. „Ist das nicht ein wunderbarer Beruf“, sinniert sie, „so habe ich mir das immer gewünscht – mein ganzes Leben lang.“