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So lief die Kieler Woche – unter Corona-Bedingungen

Traditionssegler liegen während der Windjammer-Parade in der Förde auf Kurs. Rund 120 Segelschiffe wurden von der Bark "Alexander von Humboldt II" angeführt.

Traditionssegler liegen während der Windjammer-Parade in der Förde auf Kurs. Rund 120 Segelschiffe wurden von der Bark "Alexander von Humboldt II" angeführt.

Foto: dpa

Der Überblick: Neue Corona-Zahlen für Hamburg. Umweltsenator für temporäre Nutzung von Heizpilzen. Szene-Café schließt.

Hamburg. Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus steigt in Schleswig-Holstein nur langsam an, am Sonntag wurden nur elf neue Fälle gemeldet – in Hamburg hingegen gab es seit vergangenem Sonntag bereits 327 neue Covid-19-Fälle. In Niedersachsen stieg die Zahl der Infizierten um 491.

In der Sternschanze musste ein weiterer Gastronom seinen Betrieb wegen der Pandemie schließen. Der Krise etwas Positives abgewinnen kann dagegen der Hamburger Zukunftsforscher Horst Opaschowski: Seiner Meinung nach löse die Pandemie eine Rückbesinnung auf die Ehe aus.

Die wichtigsten Corona-Nachrichten am Wochenende im Überblick:

Kieler Woche unter Corona-Bedingungen – ein Erfolg

Eine ganz andere Kieler Woche als üblich ist am Sonntag zu Ende gegangen – in Corona-Zeiten ohne Massenpublikum, ohne große Konzerte und ohne Abschlussfeuerwerk. Angesichts der Pandemie stand die 126. Auflage ganz im Zeichen der Segelwettbewerbe vor Schilksee. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) wertete diese Kieler Woche am Sonntag als Erfolg. „Wir haben es geschafft zu zeigen, dass man in Corona-Zeiten eine solche Veranstaltung machen kann – mit Mut, Kreativität und Verantwortungsbewusstsein“, sagte er.

Corona hatte die Veranstalter veranlasst, das Ereignis von Ende Juni in den September zu verlegen und auf ein Volksfest mit viel Musik und Trubel zu verzichten. „Wir haben viel Neues gewagt und wertvolle Erfahrungen gesammelt“, sagte Kämpfer. Die Segler, die sich in diesem Jahr nur in Kiel auf Weltniveau messen konnten, hätten am Ende ebenso gewonnen wie die besonders stark leidende Veranstaltungsbranche. Auch die Bands, die endlich wieder live spielen konnten, zählte Kämpfer zu den Gewinnern.

Insgesamt wurden 38.000 Tickets für Veranstaltungen gebucht, 44.000 standen zur Verfügung. Online hatten die Livestreams auf diversen Kanälen 195.000 Zuschauer. Das Hygienekonzept hat nach Einschätzung der Stadt funktioniert. Im vorigen Jahr waren unter normalen Bedingungen mehr als 3,5 Millionen Besucher aus gut 70 Ländern gekommen.

Region Hannover: Maskenstreit in S-Bahn endet in Schlägerei

Ein Hinweis, den Mund-Nasenschutz richtig aufzusetzen, endete in einer S-Bahn in der Region Hannover in einer Schlägerei. Wie die Polizei am Sonntag mitteilte, hatte ein 35 Jahre alter Mann zwei junge Männer drauf hingewiesen, ihre Masken in der Bahn aufzusetzen.

Daraufhin kam es zwischen dem Mann, seiner 32-jährigen Begleiterin und den beiden jungen Männern zum Streit und schließlich zum Handgemenge, das zu Würgegriffen und Schlägen mit einem Handy auf den Kopf des 35-Jährigen eskalierte. Das Zugpersonal stoppte die S-Bahn und alarmierte die Bundespolizei. Die Polizei ermittelt gegen die drei Männer wegen Körperverletzung.

Umweltsenator Kerstan für temporäre Nutzung von Heizpilzen

Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan hat sich in der Debatte um die Zulassung von Heizpilzen in der Gastronomie für eine temporäre Nutzung ausgesprochen. "Klimapolitisch wäre das nicht wünschenswert, aber man muss natürlich mit den realen Gegebenheiten umgehen", sagte der Grünen-Politiker am Samstagabend dem NDR "Hamburg Journal".

Er könnte es akzeptieren, wenn Heizpilze für eine beschränkte Zeit wieder zugelassen würden. "Denn in der Tat haben wir alle ein Interesse daran, dass die Gastronomie in unserer Stadt auch erhalten bleibt." Heizpilze sind in Hamburg genehmigungspflichtig und werden bislang von den dafür zuständigen Bezirken wohl oft abgelehnt. Selbst der Gastgewerbeverband Dehoga konnte nach eigenen Angaben nicht klären, wo welche Regeln gelten.

Vier neue Corona-Fälle in Schleswig-Holstein

Die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen in Schleswig-Holstein ist um 4 auf 4222 Fälle gestiegen. Das geht aus den am Sonntag von der Landesregierung veröffentlichten Zahlen hervor. Am Vortag waren 11 Neuinfektionen gezählt worden. Die Zahl der Menschen, die im Zusammenhang mit Covid-19 im Norden gestorben sind, blieb bei 161.

In Krankenhäusern wurden am Samstag sieben Corona-Patienten behandelt und damit einer weniger als am Tag zuvor. Von allen seit Beginn der Pandemie in Schleswig-Holstein nachweislich mit Sars-CoV-2 Infizierten gelten nach Schätzung des Robert Koch-Instituts rund 3900 als genesen.

Nach Absage: "Kidical Mass" findet am Sonntag statt

Eigentlich wollten Eltern und Kinder bereits im März bei der Hamburger "Kidical Mass", einer Radtour durch die Hansestadt, für mehr Fahrradfreundlichkeit und sicherere Schulradwege demonstrieren. Wegen Corna wurde die Veranstaltung damals abgesagt. Die Initiative Radentscheid Hamburg und der Fahrradclub ADFC rufen nun für Sonntag, 20. September, zu der Fahrraddemo für Kinder, ihre Familien sowie Freundinnen und Freunde auf. Die Demo startet um 14.30 Uhr an der S-Bahnstation Sternschanze beim Ausgang Schanzenpark. Die etwa sieben Kilometer lange Radtour führt von dort zum Stadtpark und wird von der Polizei gesichert.



Mit der Aktion rufen die Initiatoren Politiker und Verwaltung dazu auf, mit kindgerechten Planungen die Sicherheit der jüngsten Verkehrsteilnehmer auf Hamburgs Straßen zu verbessern. Verkehrssenator Anjes Tjarks will mitradeln und als Verkehrsfee die Wünsche der Kinder für deren Schulwege entgegennehmen.

Reeperbahn-Festival: "Signal für Rückkehr der Kultur" Corona-Zeiten

Für Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) ist das Reeperbahn-Festival ein wichtiger Bestandteil der vorsichtigen Rückkehr zur Kultur in Pandemie-Zeiten. „Es ist ein wichtiges Signal, um zu zeigen, Kultur und Live-Musik sind möglich“, sagte er.

In den vergangenen Tagen und Wochen sind nach mehrmonatiger Corona-Zwangspause zahlreiche Theater wieder an den Start gegangen. „Ich glaube, es gelingt gerade gut. Natürlich gibt es Themen, die wir weiter besprechen müssen. Das betrifft vor allem die Abstandsregeln auf Bühne und Zuschauerraum. Da führen wir gerade intensive Diskussionen, ob da nicht mehr gehen könnte.“ Er hoffe, dass die Behörden da bald mehr zulassen können. „Dann wird es noch mal einfacher und wird auch noch mal atmosphärisch einfacher im Raum.“

Das Reeperbahn-Festival findet von Mittwoch, 16. September, bis Sonnabend, 19. September, in Spielstätten rund um die Reeperbahn statt – unter Corona-Bedingungen: Besucher müssen mittels einer App in jeder Location ihre Kontaktdaten hinterlassen. Die Abstandsregel von 1,5 Metern gilt überall. Es muss – bis auf besonders markierte Sitz- und Stehplätze – Mund-Nase-Masken getragen werden. Hände müssen bei Betreten und Verlassen eines jeden Spielorts desinfiziert werden. Alle Infos zu den Verhaltens- und Hygieneregeln gibt es auf der Website des Reeperbahn-Festivals.

Corona: Hamburg meldet am Sonntag elf Neuinfektionen

Hamburg meldet am Sonntag elf neue Corona-Fälle. Die Zahl ist mit Vorsicht zu genießen, da die Ämter an den Wochenenden nicht zwingend alle Fälle melden.

Damit erkrankten in Hamburg seit Beginn der Pandemie 6824 Personen in der Hansestadt. Mit Stand Freitagmittag (am Wochenende erfolgt keine Aktualisierung) werden 22 Corona-Fälle im Krankenhaus behandelt, sieben Menschen sind so schwer erkrankt, dass sie auf der Intensivstation liegen. Als geheilt gelten 5900 Menschen.

Die Zahl der an Covid-19 gestorbenen Menschen in Hamburg liegt nach Angaben des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Eppendorf unverändert bei 237. Das Robert-Koch-Institut (RKI) gab 268 Tote an, einen mehr als am Vortag. Hintergrund: Die Hamburger Gesundheitsbehörde lässt alle gestorbenen Corona-Patienten obduzieren. Das Institut für Rechtsmedizin zählt aufgrund dieser Obduktionen dann alle Fälle, bei denen jemand an einer Covid-19-Erkrankung gestorben ist. Das RKI zählt alle Personen, die im Zusammenhang mit einer Sars-CoV-2-Infektion gestorben sind.

In den vergangenen sieben Tagen wurde eine Covid-19-Erkrankung bei 327 Menschen nachgewiesen: Das entspricht einem Wert von 18,2 pro 100.000 Einwohner. Ab einem Wert von 50/100.000 muss der Senat über neue Beschränkungen entscheiden. Für Hamburg beträgt die Grenze der Neuinfektionen 900 Fälle in sieben Tagen.

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Corona: Abstandsregeln auf der Bühne beflügeln die Fantasie

Für den Regisseur Leander Haußmann haben die Abstandsregeln auf der Theaterbühne wegen der Corona-Pandemie auch Vorteile. „Abstand auf der Bühne zu halten, muss nicht unbedingt schlecht sein“, sagte der auch als Filmemacher („Sonnenallee“) bekannte 61-Jährige.

„Uns kommt das eigentlich eher zugute, es beflügelt die Fantasie“, sagte der Regisseur vor der Premiere seiner Inszenierung von Molières „Der Geizige oder Die Schule der Lügner“ am Sonnabend im Hamburger Thalia Theater. Aufgrund der Kurzarbeit am Theater sei ein Bühnenbild nicht möglich gewesen. „Dann muss man eben sagen: Okay, wir sind nackt. Wir haben nichts außer uns und der Situation“, meinte der Regisseur.

Ab Frühjahr sollen alle sieben TUI-Schiffe wieder fahren

Der Hamburger Kreuzfahrtanbieter TUI Cruises will nach dem langsamen Wiederbeginn vom Frühjahr an wieder Fahrten auf allen Schiffe seiner Flotte anbieten. „Wir hoffen, spätestens im Frühjahr 2021 wieder mit allen sieben Schiffen unterwegs zu sein, mit etwas weniger Auslastung und den passenden Gesundheitskonzepten“, sagte Unternehmenschefin Wybcke Meier der Zeitung „Welt am Sonntag“.

Nach dem Stillstand von Kreuzfahrten wegen der Corona-Pandemie hatte TUI Cruises fast die ganze Flotte in der Nordsee geparkt. Seit Ende Juni dieses Jahres bietet das Unternehmen wieder Reisen in Nord- und Ostsee an. An diesem Wochenende soll ein weiteres Schiff in Griechenland wieder Gäste aufnehmen. TUI betreibt die Schiffe „Mein Schiff“ mit den Nummern eins bis sechs und die „Mein Schiff Herz“.

Szene-Café in der Sternschanze schließt wegen Corona

Ein weiterer Gastronom in Hamburg gibt infolge der Corona-Krise seinen Betrieb auf. Am Sonnabend hat Linus Köster die Schließung seines Cafés "Törnqvist" in der Sternschanze bekanntgegeben. In seinem minimalistisch gehaltenen Café, das er nach seiner finnischen Großmutter Marianne Törnqvist benannt hat, versorgt Köster seine Gäste seit gut drei Jahren mit frisch gebrühtem Kaffee. Am 18. Oktober werde er ein letztes Mal die Türen öffnen.

Die Pandemie und der damit verbundene Lockdown hätten ihm und seinem Team viel abverlangt. Er sei "todunglücklich" darüber, schreibt Köster auf der Facebook-Seite des Cafés. Der Betrieb werde danach zunächst ruhen, doch in Zukunft möchte er das Törnqvist wiederbeleben – möglicherweise in einer anderen Stadt oder sogar in einem anderen Land.

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1100 Menschen demonstrieren in Hannover gegen Corona-Regeln

Mehr als 1000 Menschen haben am Sonnabend in Hannover gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen protestiert. Sie beklagten unangemessene Eingriffe in die Grundrechte und staatliche Willkür. An dem Protestzug durch die Innenstadt beteiligten sich nach Polizeiangaben rund 1100 Teilnehmer. Viele von ihnen hielten sich nicht an die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, so dass die Polizei die Demonstration mehrmals unterbrach und an die Maskenpflicht erinnerte, die gerichtlich bestätigt worden war.

Eine Rednerin sprach auf einer Kundgebung zu Beginn der Proteste von einer „Fake-Pandemie“. „Sie nehmen uns unsere Menschenrechte ab“, sagte sie mit Blick auf die Bundesregierung. Steuergelder würden verprasst, weil etwa teure Beatmungsgeräte ins Ausland verschenkt würden, die in Deutschland keine Verwendung fänden. Eine private Initiative hatte den Protest unter dem Titel „Walk to freedom“ (Gang zur Freiheit) angemeldet, insgesamt war mit 2000 Teilnehmern gerechnet worden.

Demo-Teilnehmer legen angebliche Atteste gegen Maskenpflicht vor

Um der Maskenpflicht zu entgehen, legten Dutzende Teilnehmer Atteste vor, die bescheinigen sollten, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes aus medizinischen Gründen nicht möglich sei. Wegen gefälschter Atteste leitete die Polizei in einigen Fällen Ermittlungen ein.

Die Polizei war mit mehreren Hundert Beamten im Einsatz, mehrere Wasserwerfer standen in den Straßen der Landeshauptstadt, auch die Reiterstaffel war vor Ort. Kritisch war die Lage, als der Protestzug in der Nähe des Landtags vorbeizog, wo sich rund 50 Menschen aus dem linken Spektrum versammelt hatten. Dort kam es aber nicht zu Störungen der Demonstration.

Vor dem Landtag hatten sich zahlreiche Polizisten postiert, um zu verhindern, dass Demonstrationsteilnehmer in das Gebäude gelangen. Im Anschluss an die Demonstration in Berlin hatten Ende August nach Polizeiangaben etwa 300 bis 400 Demonstranten Absperrgitter am Reichstagsgebäude überrannt und sich lautstark vor dem Besuchereingang aufgebaut.

Erneut mehr als 50 Neuinfektionen in Hamburg

Die Zahl der Coronafälle in Hamburg steigt auch am Sonnabend deutlich an: 51 neue Fälle meldet die Stadt. Damit sind seit Montag 316 Neuinfektionen nachgewiesen worden, in den vergangenen sieben Tagen wurde eine Covid-19-Erkrankung bei 331 Menschen nachgewiesen: Das entspricht einem Wert von 18,4 pro 100.000 Einwohner. Ab einem Wert von 50/100.000 muss der Senat über neue Beschränkungen entscheiden.

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Seit Beginn der Pandemie im Frühjahr starben in Hamburg 237 Menschen an einer Covid-19-Erkrankung. Mit Stand Freitagmittag (am Wochenende erfolgt keine Aktualisierung) werden 22 Coronafälle im Krankenhaus behandelt, sieben Menschen sind so schwer erkrankt, dass sie auf der Intensivstation liegen.

Corona-Bußgeld in Hamburg eingeführt – Dom und Prostitution erlaubt:

Corona beschert E-Scooter-Verleihern gutes Geschäft

E-Scooter-Verleiher haben in Hamburg in Zeiten von Corona nach eigenen Angaben ein gutes Geschäft gemacht. Einer dpa-Umfrage zufolge bewegen sich die Nutzungszahlen der Anbieter Bird, Hive, Lime, Tier und Voi mindestens auf dem Vorjahresniveau – teils sogar darüber. Bis auf das deutsche Start-up Tier gaben alle Anbieter an, ihre Roller wegen der Corona-Krise zeitweise von der Straße genommen zu haben.

Laut Verkehrsbehörde kommen die fünf großen Anbieter der Hansestadt aktuell jeweils auf rund drei Ausleihen pro Roller und Tag. Im ganzen Hamburger Stadtgebiet gibt es demnach insgesamt rund 5000 Roller.

Bird, Voi, Tier und Lime gaben zudem an, dass ihre Kunden immer längere Routen zurücklegten. Nach Zahlen des amerikanischen Start-ups Lime nehmen längere E-Scooter-Fahrten weltweit zu. Die Dauer längerer Fahrten ist demnach um 34 Prozent von 9,72 Minuten auf 13,1 Minuten gestiegen. Bei den Touren handele es sich verstärkt um Freizeitfahrten, sagte Lime-Manager Jashar Seyfi.

Hive, der Neuling auf dem heiß umkämpften Hamburger Scootermarkt, gab auf dpa-Anfrage an, dass seine Roller hauptsächlich für Kurzstrecken innerhalb des Innenstadt-Bereichs genutzt würden.

Corona-Gegner demonstrieren in Hannover

Rund 2000 Gegner der staatlichen Corona-Maßnahmen werden an diesem Sonnabend zu Kundgebungen und einem Protestzug in Hannover erwartet. Gleichzeitig sind Gegendemonstrationen mit insgesamt etwa 1600 Teilnehmern angemeldet.

Die Demonstranten müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen und untereinander den Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten. Die Gegner der Corona-Maßnahmen hatten versucht, mit einem Eilantrag gegen die Auflagen vorzugehen. Das Verwaltungsgericht Hannover lehnte diesen am Donnerstag ab (Az. 10 B 4681/20).

Der Präsident des Verfassungsschutzes Niedersachsen, Bernhard Witthaut, appellierte an die Demonstrationsteilnehmer, darauf zu achten, in wessen Gesellschaft sie sich begeben. „Lassen Sie sich nicht zu Werkzeugen von Extremisten machen, die ganz anderes im Sinn haben als den Protest gegen die Corona-Maßnahmen“, sagte der Verfassungsschutzpräsident.

Elf neue Corona-Fälle in Schleswig-Holstein

Die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen in Schleswig-Holstein ist um elf auf 4218 Fälle gestiegen. Das geht aus den am Sonnabendmorgen von der Landesregierung veröffentlichten Zahlen hervor. Am Vortag waren zehn Neuinfektionen gezählt worden. Die Zahl der Menschen, die im Zusammenhang mit Covid-19 im Norden gestorben sind, blieb bei 161.

In Krankenhäusern wurden am Freitag acht Corona-Patienten behandelt und damit ebenso viele wie am Tag zuvor. Von allen seit Beginn der Pandemie in Schleswig-Holstein nachweislich mit Sars-CoV-2 Infizierten gelten nach Schätzung des Robert Koch-Instituts rund 3900 als genesen.

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum, und halten Sie mindestens 1,50 Meter Abstand zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an Ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

Leander Haußmann kann der Krise Positives abgewinnen

Für den Regisseur Leander Haußmann haben die Abstandsregeln auf der Theaterbühne wegen der Corona-Pandemie auch Vorteile. „Abstand auf der Bühne zu halten, muss nicht unbedingt schlecht sein“, sagte der auch als Filmemacher („Sonnenallee“) bekannte 61-Jährige. „Uns kommt das eigentlich eher zugute, es beflügelt die Fantasie“, sagte der Regisseur vor der Premiere seiner Inszenierung von Molières „Der Geizige oder Die Schule der Lügner“ am Sonnabend im Hamburger Thalia Theater.

Aufgrund der Kurzarbeit am Theater sei ein Bühnenbild nicht möglich gewesen. „Dann muss man eben sagen: Okay, wir sind nackt. Wir haben nichts außer uns und der Situation“, meinte der Regisseur.

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Hamburger Zukunftsforscher: Corona bewirkt Renaissance der Ehe

Die Corona-Krise bewirkt nach Ansicht des Zukunftsforschers Horst W. Opaschowski eine Rückbesinnung auf Ehe und Familie. „Von einem Niedergang der Familie als Lebensform kann in Corona-Zeiten keine Rede mehr sein“, sagte Opaschowski (79). Es deute sich eine Trendwende an. In repräsentativen Umfragen sei der Anteil der Befragten, die sich nach der „Ehe mit Trauschein und Kindern“ sehnten, seit 2013 Jahr für Jahr gesunken, und zwar von 75 auf 63 Prozent Anfang 2019. Im März 2020 seien es wider Erwarten 64 Prozent gewesen.

In Deutschland leben nach Angaben von Opaschowski 18 Millionen Menschen in Ein-Personen-Haushalten, gewollt oder ungewollt. 1991 seien es erst zwölf Millionen gewesen. In Krisenzeiten fühlten sich Singles in ihren eigenen vier Wänden alleingelassen. Das sogenannte Social Distancing (räumliche Abstandhalten) in der Öffentlichkeit verstärke dieses Gefühl. Familienleben biete dagegen nicht nur Beziehungsreichtum, sondern auch gegenseitige Hilfe.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im vergangenen Jahr gut 416.000 Ehen in Deutschland geschlossen. Das waren deutlich weniger als 2018, als mit rund 449.000 der höchste Wert seit 1999 erreicht wurde. Zu der hohen Zahl trug auch die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare im Oktober 2017 bei.

Doch 2019 ging sowohl die Zahl der Eheschließungen zwischen Mann und Frau zurück als auch die der gleichgeschlechtlichen Paare, wie das Bundesamt im Juli berichtete.

Erstmals seit Jahren ließen sich auch wieder etwas mehr Bundesbürger scheiden. Rund 149.000 Ehen endeten im vergangenen Jahr durch einen richterlichen Beschluss, knapp 1000 mehr als 2018.

Die Statistik macht noch keine Aussage über mögliche Auswirkungen der Corona-Einschränkungen in diesem Jahr. Experten erwarten jedoch eine regelrechte Welle an Trennungen. „Während der Hochphase von Corona gab es durch die Zwangsnähe eine radikale Belastung für Beziehungen“, erklärte kürzlich der Berliner Psychotherapeut Wolfgang Krüger. Opaschowski sieht darin keinen Widerspruch zu dem von ihm festgestellten Wertewandel: „Getrennte sehnen sich nach einer neuen Beziehung.“

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