Hamburg-Kolumne

Der Radiopreis und eine Weihnachtsfeier

Ein Prost auf die Schönheit: Promiärztin Barbara Sturm und Designer Guido Maria Kretschmer trafen sich zum Abendessen auf Einladung von PR-Profi Alexandra von Rehlingen.

Ein Prost auf die Schönheit: Promiärztin Barbara Sturm und Designer Guido Maria Kretschmer trafen sich zum Abendessen auf Einladung von PR-Profi Alexandra von Rehlingen.

Foto: Franziska Krug

Anekdoten aus der Gesellschaft, Rück- und Vorblicke auf Veranstaltungen – alles über die wichtigsten Köpfe der Stadt.

Hamburg. Unter den fast schon gewohnt ungewöhnlichen Umständen ist die Verleihung des elften Deutschen Radiopreises im Schuppen 52 über die Bühne gegangen. Ohne Zuschauer, dafür aber mit motivierten Hörfunkmachern und illustren Gästen. 138 Radioprogramme hatten ihre 432 Favoriten eingereicht. Die undotierten Preise wurden in zehn Kategorien vergeben. Einer von ihnen blieb gleich im Norden. Für ihren Podcast „Hundertachtzig Grad“ wurden Doreen Strasdas und Bastian Berbner von NDR Info als Klassenbeste ausgezeichnet. Einen Sonderpreis bekam der Virologe Christian Drosten für seine Mitwirkung am NDR-Info-Podcast „Coronavirus-Update“, weil es ihm gelungen sei, „komplexe naturwissenschaftliche und epidemiologische Zusammenhänge allgemeinverständlich darzulegen“, wie es in der Begründung des Beirats hieß, der den Preis vergeben hat. Der Preis für die beste Comedy ging an Planet Radio und Parshad Esmaeili für „Frag Parshi“. Beste Newcomerin ist Anh Tran vom Deutschlandfunk. Als beste Innovation wurde die Morgenshow „Energy Hood Hop“ von Energy Stuttgart ausgezeichnet.

„Freut euch in die Armbeuge“, rief Barbara Schöneberger den Preisträgern zu. Sie moderierte das zweieinhalbstündige Programm witzig und selbstironisch, kam auch mal in einem Schutzanzug auf die Bühne. Zu den Künstlern zählten unter anderen Milow und Tim Bendzko. Katie Melua sagte: „Radio ist so wichtig, denn da können sich die Leute aussuchen, was sie auf den verschiedenen Sendern hören möchten.“ Am 16. Oktober erscheint ihr „Album No. 8“. In Hamburg sang sie „A Love Like That“. Im Gegensatz zu diesen Künstlern traf Comedian Bülent Ceylan nicht immer den richtigen Ton. Er sei halt in letzter Zeit in erster Linie vor Autos aufgetreten, so seine Begründung, nachdem er zu Beginn seines Auftritts „Verpiss dich, Corona“ durch die Halle gebrüllt hatte.

Am Tag danach sagte NDR-Hörfunk-Chefin Katja Marx: „Der elfte Deutsche Radiopreis hat gezeigt, wie lebendig das Medium Radio ist, wie kreativ und professionell die Programmmacher sind. Insbesondere in Corona-Zeiten haben die Programme die Menschen über das Virus und dessen Auswirkungen informiert, Tipps zum Schutz gegeben, aber auch Witz, Charme und Musik für Unterhaltung und – wo nötig – für Ablenkung von den Alltagsängsten gesorgt. Radio ist auch in Zeiten von Abstand nah an den Menschen. Das haben fast alle Laudatoren in sehr wertschätzender Form zum Ausdruck gebracht.“

In wenigen Wochen wird sich der Alltag von Tina Ingwersen-Matthiesen erheblich ändern. „Ich werde nicht mehr jeden Tag Vollzeit im Büro sein“, sagt die geschäftsführende Gesellschafterin des Bahrenfelder Spirituosenproduzenten Borco. Nach 17 Jahren in der Familienfirma, die zum Beispiel Sierra Tequila und Helbing Kümmel herstellt, zieht sie sich im Oktober aus dem operativen Geschäft zurück und wechselt in den Beirat. „Das ist eine lange gereifte Entscheidung“, sagt die promovierte Psychologin. In Zukunft will sie sich weniger um Borco kümmern und mehr um ein Start-up. Sie will ein Unternehmen für pflanzliche Ernährung gründen, für die sie sich seit Jahren engagiert. „Ich freue mich auf meine neue Aufgabe“, sagt die 46 Jahre alte vierfache Mutter. Das Konzept stehe weitgehend, an Details werde aber noch gefeilt.

Es sollte eine große internationale Veranstaltung werden – am Ende war sie doch eher beschaulich. Für Anfang der Woche hatten sich die Verkehrsminister aller EU-Länder auf Einladung von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer zur Konferenz über eine klimafreundlichere Schifffahrt in Hamburg angemeldet. Aber die Corona-Pandemie machte einen Strich durch die Rechnung. Von den 26 Ministern kamen nur vier persönlich an die Elbe, die Übrigen wurden per Video zugeschaltet. Und die zuständige EU-Kommissarin Adina Valean fehlte ganz – Corona-Verdacht. Der Bayer Scheuer erwies sich in Meeresangelegenheiten als nicht ganz sattelfest. Er bezeichnete Wale – bekanntlich die größten Säugetiere der Welt – als „große Fische“. Und im Abschluss-Statement ließ es der Minister mächtig menscheln. Seine kleine Tochter, berichtete er, habe ihm eine Bitte mitgegeben zur Konferenz: „Papa, mach, dass die Tiere im Meer nicht mehr so viel Plastik schlucken und daran sterben.“ Diesem Wunsch, so Scheuer, sei man in Hamburg ein Stück näher gekommen.

So langsam trauen sich die Unternehmen wieder aus der Deckung. Während sechs Monate quasi nichts mehr stattfand, gab es in der vergangenen Woche an einem Tag gleich mehrere Veranstaltungen, bei denen Leute gern und gut gelaunt zusammenkamen. Die Firma L’Occitane lud zu einem Christmas Get-together, um ihre Produkte für die Adventszeit vorzustellen ins Barefood Deli von Til Schweiger. Tatsächlich roch es Anfang September dort schon nach Weihnachten. Ein Alkoholanbieter versammelte ein paar ausgewählte Kunden um die Außenbar von Florian Brauns Concept-Store Uzwei zum „Campari Amalfi Aperitivo“. Die Hamburger Künstlerin Kera Till zeichnete vor Ort für die Gäste. Ihr Strich war so farbenfroh und fröhlich wie die Drinks, da fiel der Nieselregen gar nicht so auf. In den Hongkong Studios von Stefan Kiefer kamen Nachhaltigkeitsexperten aus ganz Deutschland zusammen, um von Heike Janßen und Marc Winkelmann (Gründer der gemeinnützigen Unternehmergesellschaft Zwanzig50) etwas über ihre Kommunikationsarbeit zu lernen – und zu schauen, wie „grün“ Hamburg schon ist.

Im Hotel The Fontenay an der Außenalster drehte sich alles um Schönheit. Nachdem Barbara Sturm lange Zeit in ihrer zweiten Heimat Los Angeles festgehangen hatte, war die Ärztin nach Hamburg gekommen, um hier tagsüber ihre exklusive Kundschaft zu behandeln. Abends hatte ihre Freundin Alexandra von Rehlingen ein paar Gäste zu einem privaten Dinner mit Sturm eingeladen, darunter Guido Maria Kretschmer, Dorit Otto, Ingeborg Prinzessin zu Schleswig-Holstein und Ulrike Krages.

Die Schönheit ist auch ein Geschäft, auf das sich neuerdings Laura Noltemeyer konzentriert. Die 32-Jährige hat ihre eigene Kosmetikmarke „Bayage Beauty“ gegründet. „Wir haben uns entschlossen, alle Produkte in einer deutschen Manufaktur fertigen zu lassen. Und das nicht nur wegen der hohen Qualitätsansprüche, sondern auch der Umwelt zuliebe“, so Noltemeyer. „So können die Lieferwege besonders kurz gehalten werden, und wir verbessern den ökologischen Fußabdruck“, sagte die Unternehmerin, die bereits seit 2014 ihren eigenen Life­styleblog www.designdschungel.com hat.

Als Fußballer hat Philipp Lahm Titel gesammelt wie andere Briefmarken: Weltmeister, Champions-League-Sieger, achtmal Deutscher Meister, sechsmal Pokalsieger, Deutschlands Fußballer des Jahres 2017 zum Ende seiner Karriere. Ähnlich temporeich wie früher auf dem Platz plante der heute 36-Jährige die Zeit ohne den Fußball. Als Unternehmer ist er über seine Holding an diversen Unternehmen wie Schneekoppe der Sixtus-Gruppe (vertreibt Pflegeprodukte) beteiligt. In seiner Eigenschaft als Chef des Organisationskomitees für die EM 2024 reiste Lahm in dieser Woche quer durchs Land: In Düsseldorf, Essen, Leipzig, Dortmund und Berlin schaute er sich mit einer Delegation des Deutschen Fußballbundes und dem europäischen Fußballverband Uefa mögliche Standorte für das Medienzentrum während des Turniers an.

Den schönsten Termin hatte sich Lahm jedoch für den Freitag aufgehoben mit dem Besuch der Elbphilharmonie, wo im Dezember 2023 die Gruppenauslosung für die EM 2024 stattfinden wird (siehe auch Sport). „Die Architektur ist wirklich sehr beeindruckend“, lobte der frühere Kapitän der deutschen Nationalmannschaft und fügte gleich dazu: „Ich komme immer wieder sehr gerne nach Hamburg. Die Stadt vereint Moderne und Tradition, ist sehr grün und bietet viel Wasser. Nicht umsonst hat Hamburg sehr gut beim Bewerbungsverfahren um EM-Spiele abgeschnitten.“ In vier Jahren hofft er sehr auf einen Triumph der DFB-Elf: „Als Spieler bin ich nie Europameister geworden, so könnte ich mir das als Organisator in den Briefkopf eintragen lassen.“

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Einen guten Freund aus Prag begrüßte Ondrej Kovar in seinem Restaurant Stüffel in Eppendorf. Jan Puncochar war extra aus Tschechien angereist, um für 50 Gäste ein Fünf-Gänge-Menü zu kochen. Sie ließen sich Ententatar und Rehrücken schmecken. „Es war ein kulinarisches Erlebnis. Wir sind seit 20 Jahren befreundet. In seiner Heimat hat Jan eine eigene Fernsehsendung, ist so populär wie Tim Mälzer in Deutschland“, sagte Kovar.

Kulinarisch verwöhnte auch Alex Obertop, Direktor vom Side Designhotel an der Drehbahn, seine Gäste. Ein kleiner Kreis von Feinschmeckern traf sich im Restaurant Meatery zu einem Kaviardinner, natürlich wurde dazu auch Champagner gereicht. Die passende Erklärung zu den Delikatessen lieferte sachkundig Frank Brömmelhaus, Geschäftsführer von Caviar House & Prunier Deutschland. Auch Side-Eigentümer Gregor Gerlach gehörte zu der illustren Runde.