HafenCity

Was macht Corona mit dem XXL-Einkaufsviertel?

Unibail-Chef Andreas Hohlmann (l.) und Dirk Hünerbein am „Westfield“-Modell.

Unibail-Chef Andreas Hohlmann (l.) und Dirk Hünerbein am „Westfield“-Modell.

Foto: Marcelo Hernandez

Erste Mietverträge für Neubau im Überseequartier sind bereits unterschrieben. Investor setzt auch auf Onlineshops als Mieter.

Hamburg.  19 Kräne schweben über dem rund 67.000 Quadratmeter großen Areal in der HafenCity, auf dem das Einkaufsviertel „Westfield Hamburg-Überseequartier“ entsteht. Auf der Baustelle ist Hochbetrieb, mehr als 200 Bauarbeiter sind im Einsatz. „Dazu kommen 350 Architekten, Ingenieure und Planer, die aktuell für dieses Projekt in Büros in ganz Europa arbeiten“, sagt Andreas Hohlmann.

Der Deutschlandchef von Unibail-Rodamco-Westfield steht beim exklusiven Ortstermin mit dem Abendblatt oberhalb der Baustelle auf einer Aussichtsplattform. „Im nördlichen Teil des Baufelds beginnen bereits die Arbeiten an der Bodenplatte für das Erdgeschoss des Stadtquartiers.

Unibail-Rodamco-Westfield investiert mehr als eine Milliarde Euro

Auf anderen Flächen im südlichen Teil haben wir uns vom dritten ins zweite Untergeschoss vorgearbeitet und erreichen bald die Ebene minus eins, wo später auch Shops einziehen werden.“ Hohlmann zeigt auf Stahlträger in der Baugrube, „dort kommt das neue Kreuzfahrtterminal hin“.

Der französische Konzern Unibail-Rodamco-Westfield investiert mehr als eine Milliarde Euro in das größte Bauvorhaben in der HafenCity. 200 Flächen inklusive mehr als 40 Gastronomieeinheiten, ein Kino mit zehn Sälen für rund 2000 Besucher, rund 650 Wohnungen im gehobenen Preissegment, 48.000 Qua­dratmeter Bürofläche und drei Hotels der Marke Accor mit 830 Zimmern sind geplant. Insgesamt werden 14 Gebäude gebaut. Mit 16 Millionen Besuchern rechnen die Investoren pro Jahr.

Riesige Flächen an der Mönckebergstraße werden auf den Markt geschwemmt

Ortswechsel. Inzwischen steht Hohlmann mit seinem Deutschland-Entwicklungschef Dirk Hünerbein vor einem Model des XXL-Einkaufsquartiers in der siebten Etage des Sumatrakontors Am Sandtorpark. Hier hat das Unternehmen seinen Showroom und sein Planungsbüro.

Die beiden Herren versprühen an diesem Nachmittag viel Optimismus – trotz schwieriger Zeiten. Fakt ist, in der Innenstadt werden demnächst durch die Schließung von Galeria Kaufhof und von Karstadt Sports riesige Flächen an der Mönckebergstraße auf den Markt geschwemmt. Im revitalisierten Gebäudekomplex der ehemaligen Vereins- und Westbank am Alten Wall werden noch Mieter gesucht, auch in den Stadthöfen gibt es Leerstand. Und genau in dieser Zeit planen Hohlmann und Hünerbein ein Projekt mit 200 Flächen für Einzelhandel und Gastronomie- und Freizeitkonzepte.

Leerstände in den deutschen Innenstädten

„Es wird zu Leerständen in den deutschen Innenstädten kommen, weil Geschäfte die Corona-Krise nicht überstehen und aufgeben müssen. Aber deshalb stellen wir unser Projekt nicht in Frage, wir sind vollends vom Erfolg von Westfield Hamburg-Überseequartier überzeugt“, sagt Hohlmann und erklärt die Philosophie: „Wir schaffen hier ein Stück Stadt. Wir realisieren einzelne Themenwelten für Shopping, Gastronomie und Entertainment. Auch der Bereich Fitness und Gesundheit wird vertreten sein. Dazu moderne Büroflächen der neusten Generation und hochwertige Miet- und Eigentumswohnungen. Außerdem ein 10.000 Quadratmeter großes Kreuzfahrtterminal und drei Hotels für unterschiedliche Zielgruppen.“ Der Standort direkt an der Elbe in der angesagten HafenCity sei eine Eins-a-Lage und nicht irgendeine grüne Wiese am Stadtrand.

Im Abendblatt-Gespräch sagte Entwicklungschef Hünerbein, die Nachfrage nach den Flächen sei groß, und es seien bereits Mietverträge unterzeichnet worden. Bereits im Mai sollten erste Namen von Mietern präsentiert werden, aber das soll nun erst zu einem späteren Zeitpunkt geschehen.

Französische Nobelwarenhauskette ist im Gespräch

Nach Abendblatt-Informationen hat es in den vergangenen Wochen mehrere Mietvertragsabschlüsse über jeweils mehr als 1000 Quadratmeter große Flächen mit internationalen Marken und Konzepten für das Überseequartier gegeben, die bislang noch nicht in Hamburg vertreten sind. Auch wer die rund 4000 Quadratmeter große Markthalle – eine Art Edelsupermarkt – bespielt, soll bereits feststehen.

Bleibt die Frage nach dem Ankermieter, für den bis zu 15.000 Quadratmeter Fläche in einem eigenen Gebäude vorgesehen sind. Dem Vernehmen nach sind das die Favoriten: zum einen die Luxuskaufhauskette Breuninger, die bislang vor allem an Standorten in Süddeutschland vertreten ist.

Auch die französische Nobelwarenhauskette Galeries Lafayette mit dem berühmten Stammhaus in Paris und mit einem Ableger in Berlin an der Friedrichstraße wird immer wieder genannt (wir berichteten). Oder ist sogar schon ein Mietvertrag mit einem dieser „Big Player“ unterschrieben? Auf diese Frage will Dirk Hünerbein nicht antworten. Aber es ist davon auszugehen, dass die Verhandlungen mit dem potenziellen Ankermieter zumindest weit vorangeschritten sind.

Coronavirus – die Fotos zur Krise

Als Zielgruppe für die Einzelhandelsflächen setzt Hünerbein auch auf „Onlineshops, die erkannt haben, dass ein eigenes Geschäft gut für das Image ist, sich dort Produkte und Markenwelten besser präsentieren lassen und die Kundenbindung steigt“.

Hotel-Branche ist ins Straucheln geraten

Die Corona-Krise hat auch dieses Projekt erwischt. Anstatt Ende 2022 ist die Eröffnung jetzt für die zweite Jahreshälfte 2023 (wir berichteten) geplant. Konkret gehen die Projektentwickler nach Abendblatt-Informationen von einem Jahr Verzögerung aus. „Wir hatten nicht nur das Problem, dass die Bauarbeiter, die häufig aus dem Ausland kommen, nicht mehr vor Ort waren. Dadurch, dass die meisten an der Planung dieses Projekts beteiligten Unternehmen ihre Büros geschlossen hatten und die Mitarbeiter im Homeoffice waren, wurden Abläufe verzögert, weil zum Beispiel große Datenmengen etwa in 3-D-Planungsmodellen ohne die Rechnerkapazitäten in den Büros schlecht transportiert werden konnten“, sagt Hohlmann.

Schon vor der Corona-Krise standen Angebot und Nachfrage in der Hotellerie in Hamburg nicht mehr im Einklang. Doch im Zuge der Pandemie ist die Branche ins Straucheln geraten, allein im ersten Halbjahr ist die Zahl der Übernachtungen um 55,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen.

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Wie passt es da zusammen, dass hier auf dem Areal 830 weitere Zimmer entstehen? Dazu Hohlmann: „Die Hotels eröffnen erst 2023. Bis dahin wird der Tourismus in Hamburg wieder auf Wachstumskurs sein. Und wir werden mit unserer Freizeit- und Erlebniswelt hier im Überseequartier einen weiteren Reiseanlass mit großer Strahlkraft schaffen.“