Nabu-Ranking

Diese Kreuzfahrt-Reedereien schaden der Umwelt am wenigsten

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Louisa Rascher
Die "Europa 2" in Hamburg 2017 während der Cruise Days. Dieses Jahr musste das Kreuzfahrtschiff wegen der Corona-Krise wochenlang im Hafen ausharren und wurde mit Landstrom versorgt.

Die "Europa 2" in Hamburg 2017 während der Cruise Days. Dieses Jahr musste das Kreuzfahrtschiff wegen der Corona-Krise wochenlang im Hafen ausharren und wurde mit Landstrom versorgt.

Foto: dpa

Laut Nabu geht der Umstieg zu weniger Luftverschmutzung nur langsam voran. Die Ergebnisse des Kreuzfahrt-Rankings 2020.

Hamburg. Sie belasten die Luft von Hafenstädten wie Hamburg und befeuern den menschengemachten Klimawandel: Kreuzfahrtschiffe gehören mit ihrem hohen Ausstoß von Schadstoffen wie Feinstaub und Stickoxiden sowie dem Treibhausgas CO2 zu den umweltschädlichsten Transportmitteln der Welt. Reedereien reagieren und lassen ihre Schiffe mit weniger schädlichen Antrieben bauen oder rüsten um. Noch aber ist das die Ausnahme, kritisiert der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in seinem aktuellen Kreuzfahrt-Ranking.

Demnach sei das Gros der Branche weit davon entfernt, den Vorgaben des Pariser Klimaschutzabkommens zur Reduktion von Treibhausgasen zu entsprechen, teilte der Nabu mit. Die Studie wird seit 2012 einmal im Jahr veröffentlicht. Inzwischen fließt neben der Luftbelastung auch ein, inwieweit die Schiffe das Klima belasten.

Kreuzfahrtschiff-Ranking: Aida schneidet besser ab als Tui oder Hapag-Lloyd

Das Fazit: "Die Abfrage bei den 18 größten Anbietern auf dem europäischen Markt ergab, dass kaum eine Reederei eine konkrete Strategie hat, den konsequenten Umbau der Flotte in Richtung des emissionsfreien Betriebs voranzutreiben", teilte der Nabu mit. Es seien allenfalls einzelne Unternehmen, wie Ponant und Aida, die die Entwicklung entsprechender Antriebe angefangen und teilweise in Pilotprojekten zum Einsatz gebracht.

Andere deutsche Reedereien stellten sich noch nicht im nötigen Maße der Herausforderung des Klimaschutzes. Als Beispiel nennt der Nabu etwa Tui Cruises und Hapag-Lloyd Cruises. Diese schnitten laut Nabu aber zusammen mit MSC und dem norwegischen Anbieter Hurtigruten deutlich besser ab als der Branchenschnitt.

Die Top Ten beim Kreuzfahrt-Ranking 2020:

  • Ponant
  • Aida (Mutterkonzern: Costa/Carnival)
  • MSC Crociere
  • Hapag-Lloyd Cruises (Tui/RCL)
  • Hurtigruten
  • Tui Cruises (RCL)
  • Celebritiy Cruises (RCL)
  • Marella Cruises (Tui/RCL)
  • Royal Caribbean (RCL)
  • Carnival (Carnvial)

Zur Ermittlung Rangliste hat der Nabu in seiner Analyse Punkte in folgenden Kategorien vergeben: Bekenntnis zum Pariser Klimaabkommen, Klimastrategie, Emissionsminderung, Effizienzmaßnahmen, Landstrom, Stopp von Schweröl, Stickoxidkatalysatoren und Rußpartikelfilter.

Kreuzfahrtschiff-Reedereien fehle die Strategie zum Klimaschutz

„Klimaschutz in der Kreuzschifffahrt ist derzeit vor allem ein Lippenbekenntnis. Neun von 15 Anbietern bekennen sich zwar auf Nachfrage zu den Pariser Klimazielen. Sie haben aber keine nachvollziehbare Strategie, wie die Ziele erreicht werden können“, so Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. „Noch mehr hapert es an der Umsetzung. Der Branche läuft die Zeit davon, wenn sie im Jahr 2050 vollständig emissionsfrei unterwegs sein möchte.“

Mit Blick auf die durch das Coronavirus bedingte Krise der Branche warnten die Umweltschützer davor, bereits in Aussicht gestellte Investitionen in den Klimaschutz zurückzunehmen. „Die bislang erfolgsverwöhnte Branche sollte die Zwangspause nutzen, um sich ernsthaft mit der Frage zu beschäftigen, unter welchen Vorzeichen die Kreuzfahrt eine Zukunft haben kann", sagt Nabu-Kreuzfahrtexperte Daniel Rieger. Auch die Politik müsse eingreifen und etwa Umwelt- und Klimaschutzauflagen zur Bedingung für staatliche Hilfen machen.

Nabu: Reedereien müssen sich schnell von Schweröl verabschieden

In Ergänzung des Rankings hat der Nabu in einem dreistufigen Fahrpan benannt, wie die Kreuzschifffahrt bis 2050 emissionsfrei werden können. Die Vorschläge umfassen den Abschied von giftigem Schweröl in den kommenden drei Jahren, die Entwicklung einer individuellen Klimastrategie und die Nutzung von Landstrom.

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In Hamburg will der Senat die Nutzung von Landstrom in den kommenden Jahren weiter ausbauen, bis 2040 soll der Hamburger Hafen klimaneutral werden. Das haben SPD und Grüne unter ihren Vorhaben für die Wirtschaft im neuen Koalitionsvertrag festgelegt.

Hamburg baut Landstrom-Versorgung im Hafen aus

Um die Abgasemissionen im Hafen deutlich zu reduzieren, sollen alle Kreuzfahrtterminals und acht Liegeplätze für große Containerschiffe in den kommenden Jahren mit Landstromanlagen ausgestattet werden. Sie versorgen die Schiffe mit Energie, damit diese während der Liegezeit nicht ihre Dieselmotoren laufen lassen.

Zuletzt hat die Stadt die Corona-bedingte Liegezeit der "Europa 2" für eine Testphase mit Landstrom genutzt: 30 Tage lang wurde das Schiff der Reederei Hapag-Lloyd Cruises während der unfreiwilligen Liegezeit mit Ökostrom von Hamburg Energie versorgt.

Dem Nabu nach müsse das erste emissionsfreie Schiff bis 2039 in Betrieb gehen. Davon würden auch die Hafenstädte profitieren. „Landstrom ermöglicht die Nutzung erneuerbarer Energien beim Betrieb der Schiffe. Doch die Bereitstellung der Infrastruktur in den Häfen allein reicht nicht aus". sagt Nabu-Hafenexperte Malte Siegert und schlägt eine EU-weite Landstrompflicht vor.

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