St. Georg

Das sind die kleinsten Hotelzimmer von Hamburg

Ein Blick in eine
Schlafkabine, in der Lasse Lütjens Platz genommen
hat. Mathias Krahl (l.)
hat sich in Japan dazu
inspirieren lassen.
Die Leitung des CAB20
übernimmt Jan Kleinert.

Ein Blick in eine Schlafkabine, in der Lasse Lütjens Platz genommen hat. Mathias Krahl (l.) hat sich in Japan dazu inspirieren lassen. Die Leitung des CAB20 übernimmt Jan Kleinert.

Foto: Marcelo Hernandez

Logieren wie in Japan: Im CAB20 in St. Georg haben zwei Personen gerade einmal sechs Quadratmeter Platz. Eröffnung im Juni.

Hamburg. Ursprünglich wollte Ma­thias Krahl bereits vor einigen Jahren auf dem Areal eines ehemaligen Autohauses an der Brennerstraße Wohnraum für Studenten schaffen. Doch dieser Plan ging nicht auf, weil es dafür keine Bau­genehmigung gab. Deshalb hat der Geschäftsführer der Fährhaus Investment Group mit Sitz in Ottensen umdisponiert und eröffnet voraussichtlich im Juni 2021 das CAB20. „Das ist das erste Cabin-Hotel Deutschlands. Wir bauen 176 Schlafkabinen. Unser Konzept ist es, sich auf das Wesentliche zu reduzieren, aber das in einer hippen Umgebung“, sagt Krahl beim Ortstermin mit dem Abendblatt.

Die ersten Kabinen sind bereits eingerichtet. Sechs Quadratmeter ist das Zimmer groß. Dort gibt es ein Queen­size-Bett mit zwei Matratzen, und davor ist noch Platz, um einen Koffer abzustellen und sich umzuziehen. Auch eine Stange, um Kleidung aufzuhängen, soll noch angebracht werden. Ein Fenster in den Gang gibt es auch. Vor Blicken der anderen Gäste soll später eine Jalousie schützen. Die Kabinen sind doppel­stöckig gebaut, über eine kleine Treppe gelangen die, die oben schlafen, in ihre Koje.

Die Übernachtung soll für zwei Personen rund 55 Euro kosten

„Wir haben hier alles schallisoliert. Wenn man die Tür zumacht, dann ist es absolut ruhig, wie in jedem anderen Hotel auch“, sagt Krahl. Toiletten gibt es auf dem Gang, und geduscht wird im Untergeschoss. Für Männer und Frauen gibt es jeweils einen separaten Bereich. „Wir bauen hier abschließbare Dusch­kabinen ein. Jeder hat also seine Privatsphäre, und außerdem sind Handtücher und ein Bademantel im Preis inklusive“, sagt CAB20-Geschäftsführer Lasse Lütjens. Es gibt 122 Doppelkabinen.

Die Übernachtung inklusive WLAN soll für zwei Personen rund 55 Euro kosten. Wer sich für eine der 54 Einzelkabinen entscheidet, bezahlt rund 35 Euro pro Nacht. Frühstück kostet extra. Anstatt einer Zimmerkarte erhalten die Gäste beim Einchecken ein Armband. „Das Armband ist nicht nur der Türöffner. Die Gäste können damit auch alles bezahlen, was sie hier im Hotel konsumieren. Abgerechnet wird dann über eine hinterlegte Kreditkarte. Bargeld wird es bei uns nicht geben“, sagt CAB20-Direktor Jan Kleinert.

Die Inspiration für dieses außergewöhnliche Projekt hat sich Mathias Krahl in Japan geholt. „Dort werden die Flächen in den Hotels sehr effizient genutzt, und dort habe ich auch das erste Mal Schlafkabinen gesehen.“ Sein CAB20 solle ein „innovativer Vorreiter der urbanen Hotellerie“ werden, sagt der Bauherr, der rund 15 Millionen Euro investiert. Die Zielgruppe sind die 20- bis 35-Jährigen, „die keinen Wert auf überflüssigen Luxus legen, sondern sich mit anderen Reisenden austauschen wollen und die erlebnisorientiert sind“, sagt Kleinert. Die „Cabin Crew“ werde die Gäste mit Insidertipps für ihren Hamburg-Aufenthalt versorgen.

Mathias Krahl ist begeistert von dem Standort

Das CAB20 liegt nur etwa fünf Minuten zu Fuß vom Hauptbahnhof und vom ZOB entfernt. Auf dem Weg zum Hotel kommen die Gäste am Hansaplatz vorbei – der auch beliebt bei Trinkergruppen ist. Dass in dieser Gegend trotz Verbots Prostituierte ihre Dienste anbieten, ist auch nicht zu übersehen. Hamburg ist eben eine Großstadt mit Ecken und Kanten. Mathias Krahl ist begeistert von dem Standort „Wer bei uns übernachtet, der erlebt Hamburg pur. Die Lage ist super. Die Lange Reihe und die Alster sind um die Ecke, und in der Innenstadt ist man zu Fuß in zehn Minuten.“ Die drei Herren stehen in der rund sechs Meter hohen Lobby, die noch ein Rohbau ist. „Wir werden hier eine Bar mit kleiner Speisekarte haben und Sitzlandschaften. Alles wird modern und bunt sein“, sagt Kleinert.

Bis 2014 hatte Mathias Krahl dem Kulturprojekt „B20“ das ehemalige Autohaus unentgeltlich zur Verfügung gestellt. „Wir wollen gerne auch die Künstler von B20 bei der Gestaltung des Hauses mit einbinden. Zu unserem Konzept passen Bilder und auch Graffiti an den Wänden“, sagt Krahl.

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Weiter geht die Baustellenführung auf die große Dachterrasse. „Das soll ein lebendiger Ort werden. Die Dachterrasse soll ein Treffpunkt für die Gäste sein, aber wir laden auch die Hamburger ein, hier vorbeizuschauen und sich von CAB20 inspirieren zu lassen. Hier kann man mal grillen oder einen DJ auflegen lassen“, sagt Krahl. Wenn das Wetter nicht mitspielt, gibt es hier oben auch noch eine Lounge.

Natürlich wissen Krahl und seine Mitstreiter, wie hart umkämpft der Hamburger Hotelmarkt ist und dass in der Corona-Krise das Geschäft nur langsam wieder anläuft. „Wir haben mit unserem CAB20 ein Alleinstellungsmerkmal, und auch das Preis-Leistungs-Verhältnis ist nicht zu toppen“, sagt Krahl. Der Geschäftsmann sucht bereits nach weiteren Standorten und kündigte an: „Wir wollen mit CAB auch in andere deutsche Großstädte expandieren. Ich sehe ein großes Potenzial für diese Marke.“