Hamburg

Rassistisch? Wirbel um Arbeitsheft an Eimsbütteler Schule

Das Übungsheft „Mein Indianerheft“ mit Aufgaben aus den Bereichen Mathematik, Deutsch und Sachkunde sorgt für heftige Empörung unter Hamburger Eltern.

Das Übungsheft „Mein Indianerheft“ mit Aufgaben aus den Bereichen Mathematik, Deutsch und Sachkunde sorgt für heftige Empörung unter Hamburger Eltern.

Foto: privat

Eltern einer Eimsbütteler Schule sind empört, dass ihre Kinder im "Indianerheft" arbeiten. Der Verlag hat bereits reagiert.

Hamburg. Große Aufregung um ein Schulheft an der Grundschule Lutterothstraße in Eimsbüttel: Das Übungsheft „Mein Indianerheft“ mit Aufgaben für die Fächer Mathematik, Deutsch und Sachkunde sorgt für heftige Empörung unter den Eltern.

Sie finden den Titel rassistisch und nicht mehr zeitgemäß. Die Schule hat reagiert. „Eine andere Mutter und ich haben schon letzten Herbst angemerkt, dass wir es nicht in Ordnung finden, dass das „Indianerheft“ in der Schule benutzt wird. Weil es rassistische Stereotypen reproduziert“, schreibt eine Eimsbütteler Mutter auf ihrem Instagram-Account.

Wegen Empörung der Eltern: Verlag benennt Indianer-Heft um

Der zuständige Klett-Verlag war nach eigener Aussage mit der Grundschule Lutterothstraße darüber im Gespräch. Auch die Lehrer fanden den Titel demnach ungünstig, die Wortwahl unpassend. „Wir haben auf die Diskussion reagiert und das Indianerheft umbenannt in ,Mein Anoki-Heft’“, so eine Verlagssprecherin.

„Als führender Verlag sind wir uns unserer Verantwortung und Vorbildfunktion für die Entwicklung von Schulmedien bewusst. Es ist für den Ernst Klett Verlag selbstverständlich, dass Schulbücher und Unterrichtsmaterialien die Vielfalt gesellschaftlicher Lebensformen und Entwicklungen diskriminierungsfrei und vorurteilsfrei präsentieren und dazu beitragen, dass tolerantes Denken und Verhalten entstehen und gefestigt werden können.“

Indianerheft kam 2013 auf den Markt – als es Yakari im TV gab

Mit der Übungsheftreihe „Meine Anoki-Übungshefte“ (alter Name: Meine Indianerhefte) sei es keine Absicht gewesen, die Geschichte der indigenen Bevölkerung Amerikas zu ignorieren. „Die Reihe erhebt in ihrer heutigen Form auch nicht den Anspruch, einen umfassenden Überblick oder eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Geschichte der Native Americans geben zu wollen.“ Schüler, so die Klett-Sprecherin weiter, sollten sich kritisch mit den Themen (Post) Kolonialismus, Rassismus, Diversität und Migration auseinandersetzen. „Dazu gehört auch die Ausbildung eines Bewusstseins für historische (Sprach-)Bilder, die auf kolonialen Weltbildern basieren.“

Dass „Mein Indianerheft“ noch in den Schulen benutzt werde, liege daran, dass es sich um Restbestände handele. Das Heft kam 2013 auf den Markt. „Damals waren es andere Zeiten. Es gab den Indianerjungen Yakari im Fernsehen, Kinder verkleideten sich als Indianer – es sollte einfach ein Sympathieträger aus der kindlichen Welt sein“, so die Verlagssprecherin.

Schulbehörde will "kritische Anmerkung" an den Verlag schicken

Die Hamburger Schulbehörde äußerte sich in einer Stellungnahme folgendermaßen: „Die Übungen für den Bereich Mathematik sind zeitgemäß, aber warum ein Indianer auf dem Buch abgebildet ist, erschließt sich uns nicht und könnte ein Grund werden, warum Grundschulen von der Bestellung Abstand nehmen. Hier zeigt sich, dass die Schulbuchverlage nur sehr überlegt Visualisierungen in die Produkte einbinden sollten. Wir werden dem Klett-Verlag eine „kritische Anmerkung“ dazu schreiben."

Hamburg (als sehr kleines Bundesland) gehöre zu den Bundesländern, in denen es keine zentrale Prüfung und Zulassung von Schulbüchern und anderen Lehrwerken gebe. Die Lehrkräfte seien insofern grundsätzlich frei in der Wahl ihrer Unterrichtsmedien – und damit natürlich auch frei, ein Unterrichtsmedium (wie hier das sog. „Indianerheft“) nicht zu verwenden. "Die Schulen und Lehrkräfte entscheiden im Rahmen ihrer pädagogischen Freiheit selbstständig darüber, welche Unterrichtsmaterialien zum Einsatz kommen“, hieß es weiter.

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Auf den gesellschaftlichen Druck hin wurde die Reihe umbenannt, ab Januar soll es einen kompletten Neustart geben. Dann dreht sich bei „Mein Anoki-Heft“ alles um vier Freunde und ihre Abenteuer. Darunter sind Jungen und Mädchen. „Derzeit haben wir Zeichner mit der Illustration beauftragt.“

Die Restbestände aber mit dem Wort „Indianer“ liegen noch in den Schulregalen. Die Mutter aus Eimsbüttel in ihrem Instagram-Post: „Uns ging es vor allem darum, dass es nicht sein kann, dass die Schule sagt: Ja, ist rassistisch – aber benutzen wir halt trotzdem weiter.“

Bereits im Frühjahr 2019 gab es Wirbel an einer Kita in Ottensen, weil Eltern von der Kitaleitung darauf hingewiesen wurden, dass Indianer- und Scheichkostüme zum Fasching nicht erwünscht sind.