Hamburger Hafen

Rethe-Klappbrücke viel unzuverlässiger als bekannt

Sorgenkind Rethebrücke: Links die neue Klappbrücke, rechts die alte Hubbrücke (Archivbild).

Sorgenkind Rethebrücke: Links die neue Klappbrücke, rechts die alte Hubbrücke (Archivbild).

Foto: Klaus Bodig / HA

Die CDU kritisiert Stadt und HPA und wirft die Frage auf, ob es sich bei dem Millionenprojekt um eine Fehlplanung handelt.

Hamburg. Die Unzuverlässigkeit der Rethe-Klappbrücke ist deutlich höher als bisher bekannt. Seit Fertigstellung vor drei Jahren ist es insgesamt 54-mal zu Sperrungen gekommen. Zehnmal wegen Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten. Einmal wegen äußerer Einflüsse. 43-mal wegen technischer Störungen.

Das geht aus der Antwort des Senats auf eine Schriftliche Kleine Anfrage der CDU-Fraktion hervor. Die Dauer der Ausfälle schwankte stark und reichte von neun Minuten im Februar 2018 bis zu 65 Stunden im Juli dieses Jahres. Noch nicht eingerechnet ist der schwere Schaden vom 20. August, dessen Reparatur bis Mitte November dauern wird. Bis dahin ist ein Notbetrieb eingerichtet.

Die neue Rethebrücke muss im Schnitt dreimal täglich geöffnet werden

Die Brücke ist seit dem 11. Juli 2016 für den Straßenverkehr und seit Dezember 2017 für den Bahnverkehr eröffnet. Täglich nutzen 7000 Fahrzeuge die Strecke über die Rethe.

Die Rethe-Klappbrücke erfüllt verkehrstechnisch eine wichtige Funktion als Hauptstraßenverbindung aus dem Hafen nach Süden in Richtung Harburg, als Verbindung zwischen den Autobahnen A7 und A1 und zur Entlastung der Köhlbrandbrücke.

Sie muss aber im Schnitt 100-mal im Monat geöffnet werden, um Schiffe den Weg durch die Rethe bis zum Reiherstieg freizugeben. Etwa 100 bis 200 Schiffe und Boote nutzen die Passage im Monat. Im Mai 2018 waren es sogar 268. Um das zuverlässige Öffnen und Schließen der Brücke sicherzustellen, wurden die wesentlichen Systeme doppelt eingebaut, falls eines ausfällt.

Die Rethebrücke, eine Fehlkonstruktion? Senat widerspricht

Dennoch soll es von Anfang an zu Mängeln gekommen sein, wie aus der Senatsantwort hervorgeht: „Nach dem Bau wurden bei der Abnahme – wie in der Regel bei jedem Ingenieursbauwerk üblich – Mängel festgestellt und behoben, so dass eine Freigabe für den Straßen- und Schienenverkehr erteilt werden konnte“, heißt es darin.

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Zweifeln aus der Hafenwirtschaft, wonach die Brücke möglicherweise eine Fehlkonstruktion sein könnte, tritt der Senat entschieden entgegen: „Die grundsätzliche Betriebsfähigkeit der Brücke stand zu keinem Zeitpunkt in Frage“, heißt es in der Antwort. Allerdings räumt der Senat ein, dass man sich mit den Baufirmen noch streitet. „Eventuelle Ansprüche aus der Mängelbeseitigung befinden sich in Klärung.“

CDU: 54 Sperrungen in so kurzer Zeit sind inakzeptabel

Dem wirtschaftspolitischen Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Götz Wiese, reicht diese Antwort nicht. „Die Pannenstatistik zeigt: Die neue Rethebrücke funktioniert einfach nicht verlässlich. Die Frage lautet: Wer hat dies zu verantworten? Handelt es sich um Bau- oder Planungsmängel? Ist die Brücke insgesamt viel zu schwer und der Klappmechanismus daher viel zu anfällig?“

Für eine neue Brücke seien 54 Sperrungen in so kurzer Zeit jedenfalls völlig inakzeptabel. Wirtschaftsbehörde und Hamburg Port Authority (HPA) müssten jetzt klar sagen, wie es weiter geht. „Sie müssen dafür sorgen, dass dies kein Schrecken ohne Ende wird.“

HPA verfolgt das Ziel der vorbeugenden Instandhaltung

Die zuständige HPA verfolgt jetzt das Ziel einer vorbeugenden Instandhaltung, um das Auftreten von Störungen bereits im Voraus zu verhindern. Dazu sammele man nun Erfahrungswerte.

Derzeit erfolge die Instandsetzung erst dann, wenn eine Störung vorliegt. Die neue Retheklappbrücke kostet zusammen mit dem Abbau der alten Hubbrücke 227,1 Millionen Euro.