Hamburg

Wie die legendäre "Peking" zu ihrem Namen kam

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Die Viermastbark wurde 1911 bei Blohm+Voss für einen bestimmten Zweck gebaut. Die wechselvolle Historie des Segelschiffs.

Hamburg. Während immer mehr Dampfschiffe die Seefahrt eroberten, setzte die Hamburger Reederei F. Laeisz Anfang des 20. Jahrhunderts traditionell auf Windkraft. Sie brauchte dringend neue, leistungsstarke Frachtsegler, die ohne Maschinen angetrieben wurden, für den Salpeterhandel mit Chile. Salpeter wurde als Düngemittel und für die Herstellung von Sprengstoff gebraucht.

Die Überführung der "Peking" – hier im Livestream verfolgen

Deshalb ließ die Reederei die 115 Meter lange Viermastbark „Peking“ 1911 bei Blohm+Voss als Flying „P“-Liner bauen. Diese bis zu 17 Knoten schnellen Frachtsegler tragen allesamt ein „P“ als ersten Buchstaben im Namen: Passat, Pommern, Padua, Pamir zum Beispiel. Der Grund: Die Reedergattin wurde wegen ihres krausen Haares respektvoll „Pudel“ genannt, und so entfaltete sich die ungeschriebene Regel, dass die Reederei die Namen vieler ihrer Schiffe mit „P“ beginnen ließ.

"Peking" absolvierte 1932 ihre letzte Reisen unter Segeln

Die „Peking“ brachte es bei ihren Südamerika-Touren auf insgesamt 34 Kap-Hoorn-Umrundungen. 1932 absolvierte sie mit 34 Mann Besatzung an Bord ihre letzte Reise unter Segeln, wurde außer Dienst gestellt und zum stationären Internats- und Schulschiff in Großbritannien umgebaut. Dafür ließ man extra Bullaugen einbauen. Im Medway an der englischen Ostküste lag sie unter dem Namen „Arethusa“ bis 1974 vor Anker.

Danach schmückte sie Manhattans maritime Skyline als Bestandteil des New Yorker South Street Seaport Museums. Doch der Zustand des alten Frachtsegels verschlimmerte sich Jahr um Jahr. Als das South Street Seaport Museum in den Jahren ab 2000 in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet, wurde die „Peking“ für viel Geld zum Verkauf angeboten.

"Peking" kehrt nach Hamburg zurück – Zuschuss vom Bund macht es möglich

Viermastbark "Peking" - Einblicke in Restaurierungsarbeiten
Stiftung Hamburg Maritim

Schon damals hatte die frisch gegründete Stiftung Hamburg Maritim Interesse an dem berühmten Viermaster gezeigt, wegen der erheblichen Restaurierungskosten jedoch wieder Abstand genommen von dem Projekt, heißt es beim Verein der Freunde der Viermastbark Peking. Als schließlich Hamburger Bundestagsabgeordnete die Weichen dafür stellten, dass der Bund 120 Millionen Euro für das neue Deutsche Hafenmuseum bereitstellte, war die Überführung des Schiffes und die Sanierung für 26 Millionen Euro beschlossene Sache.

Informationen zur "Peking":

  • Schiffstyp: Frachtsegler
  • Länge über alles: 115 Meter / Breite 14,40 Meter / Tiefgang max. 7,24 Meter
  • Takelagetyp: Viermastbark
  • Masthöhe: 62 Meter (über Kiel) / 51 Meter (über Deck) / 54 Meter (über Wasserlinie)
  • Segelfläche: 4100 m²
  • Geschwindigkeit: max. 17 Knoten (31 km/h)
  • Besatzung: 31 Mann plus 43 Seeoffiziersanwärter
  • Indienststellung: 16. Mai 1911
  • Heimathafen: Hamburg
  • Bauwerft: Blohm & Voss

Im Sommer 2017 kehrte die Viermastbark per Dockschiff nach Deutschland zurück. Die Peters Werft in Wewelsfleth übernahm die aufwendige Sanierung jener alten Damen, die Kenner der Materie schlechterdings als „Schrotthaufen“ bezeichneten. Nun erstrahlt sie im neuen Glanz und bedarf eines behutsamen Innenausbaus.

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Die „Peking“ ist einer von vier noch erhaltenen Windjammern aus der Flotte der „Flying P-Liner“ der Laeisz-Reederei: die „Passat“ liegt seit 1960 als Museumsschiff in Travemünde, die „Pommern“ ebenfalls als Museumsschiff in Mariehamn (Finnland), und die ehemalige „Padua“ fährt unter dem Namen „Kruzenshtern“ als Segelschulschiff unter russischer Flagge. Sie ist regelmäßig Gast in Hamburg. Die „Pamir“ war 1957 als Segelschulschiff in der Nähe der Azoren in einem Hurrikan untergegangen, 80 junge Seeleute starben.