Hamburg

Stimmen Sie ab: Wer wird Asklepios-Lebensretter 2020?

Aleksandra Maria Momberg zog einen Mann, der hinter dem Steuer zusammengebrochen war, aus dem Auto.

Aleksandra Maria Momberg zog einen Mann, der hinter dem Steuer zusammengebrochen war, aus dem Auto.

Foto: André Zand-Vakili

Diese fünf Kandidaten sind nominiert. Als Abendblatt-Leser können Sie mitentscheiden, wer zu den drei Gewinnern gehören soll.

Hamburg. Dieser Moment kommt oft völlig unerwartet und bedeutet eine Ausnahmesituation, in die niemand gern geraten möchte: Wenn ein Mensch neben einem plötzlich einen Herz-Kreislauf-Stillstand hat, leblos vom Fahrrad fällt, im Wohnzimmer, am Steuer oder im Büro zusammenbricht, ist schnelle Hilfe gefragt. Wer beherzt eingreift und eine Herzdruckmassage anwendet, kann zum Lebensretter werden. Doch nicht jeder traut sich das zu. Noch immer zählt ein plötzlicher Herz-Kreislauf-Stillstand in Deutschland zu den häufigsten Todesursachen.

Nach Herzstillstand: Die ersten Minuten sind entscheidend

Pro Jahr werden mehr als 70.000 Menschen vom Rettungsdienst wiederbelebt, oft jedoch ohne nachhaltigen Erfolg. Denn wenn der Rettungsdienst am Ort des Geschehens eintrifft, sind im Durchschnitt schon acht Minuten vergangen. Das Gehirn beginnt aber schon nach drei Minuten ohne Sauerstoff zu sterben. Die Chance, jemanden danach ins Leben zurückzuholen, liegt noch bei 75 Prozent, nach zehn Minuten nur noch bei zehn Prozent. Umso wichtiger ist es, wenn Umstehende durch eine Herzdruckmassage oder mithilfe eines Defibrillators den Blutkreislauf in Gang halten.

Um das beherzte Eingreifen von Ersthelfern zu würdigen und mehr Menschen zu ermutigen, im Notfall schnelle Hilfe zu leisten, hat der Asklepios-Konzern in Kooperation mit dem Hamburger Abendblatt den Asklepios-Lebensretterpreis ausgeschrieben, der in diesem Jahr zum sechsten Mal vergeben wird. Unterstützt wird die Initiative von der Feuerwehr Hamburg.

Fünf Nominierte aus eingegangenen Vorschlägen

Für die Verleihung des Preises waren die Abendblatt-Leser gefragt: Sie wurden aufgerufen, jemanden aus dem Großraum Hamburg als den „Asklepios-Lebensretter 2020“ vorzuschlagen, der durch Herzdruckmassage oder den Einsatz eines Defibrillators in den vergangenen 18 Monaten einen Menschen ins Leben zurückgeholt hat.

Aus den eingegangenen Vorschlägen wurden fünf Personen nominiert, die das Hamburger Abendblatt heute vorstellt. Eine Jury und Sie als Leser entscheiden dann zusammen, wer von den fünf zu den drei Asklepios-Lebensrettern 2020 gehören wird. Und so funktioniert die Abstimmung: Heute und morgen, 7. und 8. September, können Sie die Telefonnummer wählen, die jeweils unter dem Text zu Ihrem Wunschkandidaten angegeben ist. Der Preis wird dann am Mittwoch, 16. September, im Rahmen der „Woche der Wiederbelebung“ in einem feierlichen Akt im ehemaligen Hauptzollamt am Alten Wandrahm in der Speicherstadt verliehen.

Dazu sind 100 Gäste aus der Hamburger Gesundheitsbranche sowie von Vereinen und Rettungsdiensten geladen. Alle fünf Nominierten erhalten als Anerkennung eine Medaille. Durch den Abend führt Moderatorin Susanne Holst. Den drei Gewinnern wird ein persönlicher Wunsch erfüllt.

Ehefrau schreckt aus Schlaf hoch und rettet ihren Mann

Anders als geplant ist sie an diesem Abend nicht mit einer Freundin ausgegangen. „Zum Glück“, sagt Catharina Schulz heute. Sie schläft zwar schon, als ihr Mann Martin, ein Bühnenmeister, eines Januarabends spät von einer Probe nach Hause kommt. Doch sie wacht auf, als er im Wohnzimmer zu Boden fällt – und kann sein Leben retten. „Ich hatte den Rums gehört, sah ihn leblos bäuchlings auf dem Boden liegen und habe in meiner Aufregung erst einmal die 110 statt der 112 gewählt“, erinnert sich die Produktdesignerin (55). Sie wird zur Feuerwehr weitergeleitet und aufgefordert, mit einer Herzdruckmassage zu beginnen, dreht ihren weißgesichtigen Mann auf den Rücken und fängt an – „immer schön im Rhythmus von Stayin’ alive“. Ihre Frage, was sie beim Klingeln der Sanitäter tun soll, wird von der ruhigen Stimme am anderen Ende der Leitung mit „Summer drücken, Tür öffnen und weitermachen“ beantwortet.

Sieben Minuten vergehen zwischen ihrem Anruf bis zu den ersten Herz­tönen, die die Sanitäter ihrem Mann abringen. Bis dahin hat Catharina Schulz funktioniert. Jetzt wird ihr schwindelig, sie muss sich kurz hinlegen. Sie ist froh, dass ihre elfjährige Tochter bei den Pfadfindern ist und das alles nicht mitbekommt. Nach Krankenhausaufenthalten in St. Georg und Altona und einer Reha geht es ihrem Mann, der mehrere Bypässe erhalten hat, heute wieder sehr gut.

Die Telefonnummer für die Abstimmung: 01378/ 78 19 33 (0,50 €/Anruf aus dem dt. Festnetz, höherer Mobilfunktarif)

Notfall im Auto – 22-Jährige greift beherzt ein

Es ist filmreif, was da am Straßenrand passiert. An der Haakestraße in Harburg kommt ein Auto von der Fahrbahn ab, kommt neben einem Baum zum Stehen. Aleksandra Maria Momberg (22), die gerade mit Schwester und Nichte vorbeigeht, sieht einen Mann, der hinter dem Steuer zusammengesackt ist. Die Fahrertür ist blockiert, also klettert die Heimfelderin durch den Kofferraum ins Fahrzeug, öffnet die Beifahrertür und schnallt den 79-Jährigen ab.

Vom nahen Kiosk kommt ein Mann, der den Verunglückten aus dem Auto hieven will. Er schafft es nicht. Die gelernte Altenpflegerin weiß, was zu tun ist: Sie packt den Mann hinten am Hosenbund und zieht ihn raus. Umstehende helfen, als sich seine Beine hinter dem Schaltknüppel verhaken. Auf der Straße kontrolliert Momberg Atmung und Puls des 79-Jährigen. Beides ist nicht vorhanden. Ihre Schwester hat schon die Rettungsleitstelle am Telefon, übergibt. „Als ich hörte, dass ich eine Herzdruckmassage vornehmen soll, hatte ich Angst“, erinnert sich die junge Frau. Doch sie fängt an. Immer im Rhythmus von „Stayin’ Alive“ – wie sie es gerade bei einem Erste-Hilfe-Kurs gelernt hatte. Die Rettungssanitäter müssen den Verunglückten lange reanimieren, bevor sie ihn ins Krankenhaus bringen. Doch er überlebt. Polizei, Feuerwehr, Ärzte – viele gratulieren ihr hinterher. Aleksandra Maria Momberg findet es selbstverständlich zu helfen, erwartet das eigentlich von jedem. „Es könnten ja auch deine Eltern mal diese Hilfe benötigen.“

Die Telefonnummer für die Abstimmung: 01378/78 19 32 (0,50 €/Anruf aus dem dt. Festnetz, höherer Mobilfunktarif)

Nur schnell was aus der Küche holen - da bleibt das Herz stehen

Ein schöner Juniabend – der Tisch draußen ist gedeckt für ein frühes Abendessen, Susanne und Robert Thalemann haben sich schon gesetzt, da will der 67-Jährige noch einmal schnell was aus der Küche holen. Plötzlich hört seine Frau ein Krachen. Sie springt auf, rennt hinein – und sieht ihren Mann, der in der kleinen Küche gestürzt ist und mit dem Kopf zwischen einem Tisch und einem Regal klemmt. „Ich habe ihn an den Hosenbeinen gepackt und ein Stück weggezogen, sodass sein Kopf freikam“, erinnert sich die Eidelstedterin (59). Kein leichtes Unterfangen bei dem 1,92 Meter großen 100-Kilo-Mann. Da liegt er vor ihr auf dem Boden: mit röchelndem Atem und blau angelaufen. An einen Herzstillstand denkt Susanne Thalemann nicht. „Er hatte vorher nie etwas mit dem Herzen gehabt. Ich dachte, er hat sich beim Sturz verletzt.“

Sie stürzt ins Wohnzimmer, holt ihr Handy und wählt den Notruf. Dort schildert sie den Vorfall. Als ihr Mann währenddessen aufhört zu atmen, erhält sie die Anleitung zu einer Herzdruckmassage. Sechs Minuten kniet sie über ihm und drückt auf seinen Brustkorb, dann klingelt es. Sie eilt zur Tür, bittet einen Nachbarn, den sie im Vorbeilaufen auf seinem Balkon sitzen sieht, den Sanitätern unten den Weg zur Wohnung zu zeigen. Dann hastet sie wieder zu ihrem Mann. Die Sanitäter übernehmen wenig später, 15 Minuten danach atmet ihr Mann wieder. Er wird ins Koma versetzt und – weil Treppenhaus und Fahrstuhl so eng sind – von sechs Mann in einem Tuch zum Krankenwagen transportiert.

Nach drei Wochen im Krankenhaus, davon 14 Tage auf der Intensivstation, darf er kurz nach Hause, dann geht es in die Reha. Mittlerweile ist Robert Thalemann wieder wohlauf. Nur Auto fahren darf er noch einige Monate nicht.

Die Telefonnummer für die Abstimmung: 01378/78 19 34 (0,50 €/Anruf aus dem dt. Festnetz, höherer Mobilfunktarif)

Muskelkater nach 15 Minuten Wiederbelebung des Kollegen

Das Büro ist fast leer. Die meisten Mitarbeiter von Vivien Sander (26) machen gerade Mittagspause. Sie geht am Schreibtisch eines Kollegen vorbei – und sieht ihn mit sonderbar leerem Blick zur Decke starren. „Fünf Minuten vorher hatte ich noch mit ihm gesprochen – jetzt waren bei ihm komplett die Lichter aus“, erinnert sich die junge Außenhandelskauffrau. Sie hat etwa ein Jahr vorher ihre Erste-Hilfe-Ausbildung aufgefrischt und weiß sofort, was zu tun ist.

Da der Kollege auch nicht reagiert, als sie ihn ins Gesicht schlägt, ruft sie den Rettungsdienst an, hievt den leblosen 59-Jährigen mithilfe eines weiteren Kollegen vom Stuhl auf den Boden und fängt mit einer Herzdruckmassage an. „Es dauerte 20 Minuten, bis die Sanitäter eintrafen“, erinnert sich die Pinnebergerin. Die Retter begründen das mit einer Baustelle und den vielen, durch den Fastenmonat Ramadan verursachten Kreislaufzusammenbrüchen, um die sie sich vorher hätten kümmern müssen. Die meiste Zeit, sicher 15 Minuten, versucht die junge Frau, den leblosen Mann zu retten. Nur kurz wird sie von einem Kollegen abgelöst. Der auf dem Boden Liegende gibt manchmal ein „schluchzendes Geräusch“ von sich, hat aber keinen Puls. „Wir hätten niemals gedacht, dass er das übersteht.“ Zweimal wird er von den Sanitätern mit Elektroschocks reanimiert, dann kommt er ins Krankenhaus. Vivien Sander hat am nächsten Tag höllischen Muskelkater. Von der Familie ihres Kollegen bekommt sie Blumen und einen Dankesbrief. Dass er trotz des langen Herzstillstands keine Folgeschäden hat, sei ihr zu verdanken, sagen die Ärzte. Sie sind sogar wieder Arbeitskollegen – mit einer besonderen Beziehung.

Die Telefonnummer für die Abstimmung: 01378/78 19 30 (0,50 €/Anruf aus dem dt. Festnetz, höherer Mobilfunktarif)

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Vater überlebt Herzstillstand nach dem Fahrradfahren

Schon während der kurzen Fahrt vom Wandsbeker Markt zurück nach Marienthal steigt Uwe Bruck einmal ab. Er klagt kurz über Unwohlsein, fährt dann aber weiter. Sein Sohn, Andreas Stephan (51), begleitet den 79-Jährigen. Vor ihrem Haus angekommen, bricht sein Vater auf dem Gehweg zusammen. „Ich war glücklicherweise direkt neben ihm und konnte ihn davor bewahren, auf den Boden zu fallen.“ Seinen zusammengesackten Vater im Arm, bittet Stephan ein vorbeigehendes Paar, die 112 anzurufen. Über den Lautsprecher ihres Handys spricht er dann mit der Feuerwehr. Weil sein Vater noch atmet, sich aber erbricht, legt er ihn zunächst in die stabile Seitenlage. Dann aber setzt die Atmung aus.

„In den Firmen, in denen ich gearbeitet habe, war ich immer Ersthelfer und kenne mich daher etwas aus. Jetzt stand ich aber so unter Stress, dass ich ohne die Ansage des Feuerwehrmanns nicht gewusst hätte, wann ich mit der Herzdruckmassage beginnen soll“, erinnert sich Stephan an die dramatischen Minuten. Kurz zuvor hatte er im Abendblatt einen Bericht über die Rettungsleitstelle der Feuerwehr gelesen, in dem es um die am Telefon angeleitete Herzdruckmassage ging. Dass er selber von dort einmal beim Kampf um das Leben seines Vaters unterstützt werden wird – damit hätte er nie gerechnet. Auch auf dem langen Weg der Genesung begleitet er seinen Vater. Sechs Wochen liegt dieser im künstlichen Koma, kommt erst nach weiteren Wochen ohne Beatmungsgerät aus – das aspirierte Erbrochene hatte seine Lunge schwer geschädigt. „Weil er auch Lähmungserscheinungen hatte, war lange nicht klar, ob er jemals wieder mehr tun kann, als eine Tasse zu halten“, so Stephan. Doch sein Vater ist vollständig genesen. Schon seit April fährt er wieder Fahrrad.

Die Telefonnummer für die Abstimmung: 01378/78 19 31 (0,50 €/Anruf aus dem dt. Festnetz, höherer Mobilfunktarif)