Hamburger Hafen

Willkommen zu Hause! Die "Peking" hat in Hamburg festgemacht

Die "Peking" ist zurück im Hamburger Hafen

Die legendäre Viermastbark hat nach 88 Jahren ihre alte Heimat erreicht und wird dort das neue Wahrzeichen des geplanten Deutschen Hafenmuseums.

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Die Stadt hat wieder einen "Hamborger Veermaster" – so lief die letzte Etappe der Heimkehr einer Legende unter Segeln.

Hamburg. Der geschwungene Bug hoch über dem Wasser, die vier Masten elegant nach hinten getrimmt – majestätisch glitt die „Peking“ am Montag die Elbe hinauf. Nach 88 Jahren kehrte die Viermastbark nach Hamburg zurück, begleitet von Sonne, einer frischen Brise und Tausenden Schaulustigen, die sich an und auf der Elbe sowie morgens an den Ufern der Stör versammelt hatten.

Noch vor Sonnenaufgang hatte die „Peking“ dort die „Peters Werft“ in Wewelsfleth verlassen, wo sie drei Jahre lang originalgetreu restauriert worden war – von einem verrosteten Stahlschiff zu einem allen modernen Anforderungen entsprechendes Museumsschiff, das an seinem neuen Liegeplatz im Hansahafen, den es am Montagabend erreichte, zum Wahrzeichen des neuen Deutschen Hafenmuseums werden soll.

Erste Hürde bei der Heimkehr der "Peking": Das Stör-Sperrwerk

Die Passage durch das Stör-Sperrwerke war gleich die erste Herausforderung für die 30-köpfige Verhol-Mannschaft an Bord. Noch vorher musste die „Peking“ auf der engen Stör gedreht werden, dann galt es, sie unbeschadet durch das Nadelöhr zu bringen. „Dafür musste man das Schiff und den Fluss schon sehr gut kennen. Aber es hat alles gut und ohne Adrenalinausstoß geklappt“, sagt Joachim Kaiser von der Stiftung Hamburg Maritim, der die Restaurierung geleitet hat und als Teil der Verhol-Mannschaft an Bord war.

Statt Adrenalin gab es an Bord aber viele Emotionen. „Der Morgen mit dem Sonnenaufgang über der Marsch und dem Nebel auf dem Wasser – das war schon ein schöner Moment“, beschreibt Kaiser die Einfahrt der „Peking“ in die Elbe.

"Peking"-Ehrengäste Kahrs und Kruse: "Erhebender Moment"

Auch für die „Ehrengäste“ Johannes Kahrs und Rüdiger Kruse, die als Hamburger Bundestagsabgeordnete 2015 die Bundesmittel für die Sanierung der „Peking“ eingetrieben und so erst ermöglicht hatten, war es ein ganz besonderer Tag. „Es ist ein erhebender Moment, jetzt hier an Bord zu sein“, so Kruse. „Von den Dingen, die ich in meiner elfjährigen Tätigkeit bewegen konnte, ist die ,Peking’ wirklich das schönste.“ Auch Kahrs sprach von „Hochstimmung“ und dass er „stolz wie Bolle“ sei. „Es ist toll, zu sehen, was die Peters Werft aus dem beklagenswerten Schiff, das erst keiner haben wollte, gemacht hat.“

Übergabe der "Peking": "Da werden nicht viele Augen trocken bleiben"

Zwar wurde der Viermaster von einem Bugschlepper gezogen und per Heckschlepper gebremst – dennoch waren an Bord während der Verholung alle Hände voll zu tun. Zunächst mussten die Rigger die Rahen (die sonst quer zum Schiff stehenden Segelstangen) vor dem Passieren der Sperrwerks hart anbrassen und längs zum Schiff ausrichten. Danach wurden sie wieder auf Vierkant getrimmt, also in ihre ursprüngliche Stellung rechtwinklig zum Schiff.

Parallel dazu liefen weitere noch notwendige Arbeiten – unter anderem, um die Dokumente über die technische Abnahme des Schiffes zu erstellen. „Diese werden nach der Ankunft im Hansahafen an die Stiftung Historische Museen Hamburg übergeben“, so Markus Söhl von der Stiftung Hamburg Maritim (SHM), der für die Übergabe zuständig ist. Auch das dürfte ein emotionaler Moment werden. „Es haben sich sehr viele Menschen während ihrer Arbeit an der ,Peking’ sehr mit dem Schiff identifiziert – da werden nicht viele Augen trocken bleiben.“

"Peking" wurde von einer Armada großer und kleiner Boote begleitet

Nicht nur an Bord und an den Ufern – auch auf dem Wasser war die Begeisterung für die „Peking“ riesengroß. Von Beginn ihrer Heimreise wurde die „Grande Dame“ von einer Armada aus Segel- und Sportbooten begleitet, die – je weiter sie Richtung Hamburg kam – immer größer wurde.

Immer wieder ertönten Schiffshörner, auch entgegenkommenden Frachtschiffe ließen zum Gruß ihre Typhone schallen. Zu der Eskorte des Zuges gehörten auch vier Polizeischiffe, die darauf achteten, dass der mehrere Hundert Meter lange Schleppverband nicht behindert wurde.

Mit der "Peking" durch den Hamburger Hafen: "40-Tonner bei Glatteis"

Ein großes, antriebloses Schiff wie die 115 Meter lange „Peking“ zu manövrieren, ist nicht ohne – die Fahrt später im Hamburger Hafen verglich Kapitän Ben Lodemann, der schon ihre Verholung aus New York verantwortet hatte, mit einer „Fahrt im 40-Tonner ohne Bremsen bei Glatteis in einer belebten Fußgängerzone".

Der neue Liegeplatz der "Peking" im Hansahafen:

Damit nichts schiefging, stimmt sich der erfahrene Elbkapitän bei der Verholung mit ebenso erfahrenen Elb- und Hafenlotsen ab, deren nautische Expertise insbesondere beim Drehen der „Peking“ im Amerikahöft abends vor der Elbphilharmonie zum Einsatz kam.

Zwangspause für die "Peking" – Warten auf günstigen Wasserstand

Doch der Reihe nach: Mittags gab es zunächst im niedersächsischen Twielenfleth eine Zwangspause: Hier lag die „Peking“ ab 10.30 Uhr Uhr auf Reede, um den günstigsten Wasserstand für das Erreichen des Hafens abzuwarten.

Auch dort hatten sich an Land Hunderte Schaulustige versammelt, um die „Peking“ bei ihrer Heimreise zu sehen. Wäheking“ bei ihrer Heimreise zu sehen. Während der Weiterfahrt am Nachmittag schwoll die Eskorte des 1911 bei Blohm + Voss erbauten Frachtseglers dann immer weiter an.

Vor Schulau stießen die historischen Schiffe zur Eskorte

Vor Schulau kamen die historischen Schiffe der Stiftung Hamburg Maritim dazu, darunter der Stückgutfrachter „Bleichen“, das Dampfschiff „Schaarhörn“ und der Schlepper „Fairplay VIII“, aber auch Schiffe aus dem Museumshafen Oevelgönne, Barkassen und Hunderte Segel- und Motorboote.

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In den Wasserfontänen des voranfahrenden Feuerwehrlöschboots bildete sich ein Regenbogen, von den Elbufern winkten die Schaulustigen – zwischen das Tuten der Schiffe mischte sich hier und das das Klingen einer Schiffsglocke. Vereinzelt gab es sogar Salutschüsse und Feuerwerk. Konnte ein großes Willkommensfest im Hafen auch coronabedingt nicht stattfinden – ein Volksfest auf dem Wasser war der Empfang der „Peking“ allemal.

Auch Bürgermeister Tschentscher begrüßt den 'Hamborger Veermaster'

„Ich bedanke mich bei allen für die Tatkraft und Ausdauer für die Rückkehr der ,Peking’ in ihren Heimathafen und für ihre Restaurierung eingesetzt haben, danke ich sehr herzlich“, sagte Bürgermeister Tschentscher anlässlich der Rückkehr der „Peking“. Mit dem Schiff erhalte Hamburg ein neues Wahrzeichen.

Die Geschichte der legendären "Peking"

„In ihrer 109-jährigen Geschichte hat die ,Peking’ 34 Mal Kap Hoorn umrundet, zwei Weltkriege überstanden und mehr als 40 Jahre als Museumsschiff am Pier von Manhattan verbracht. Auf der Peters Werft hat sie sich in den prächtigen 'Hamborger Veermaster' zurückverwandelt, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts für seine Schnelligkeit und Zuverlässigkeit bekannt war und der als eines der letzten Handelsschiffe unter Segeln den Atlantik bereiste.“

Die "Peking", ein "herausragendes Beispiel deutscher Schiffsbaukunst"

Auf dem Fahrgastschiff „Commodore“ eskortierten die eigens angereiste Kulturstaatsministerin Monika Grütters, Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda, Hans-Jörg Czech, Direktor der Stiftung Historische Museen Hamburg (SHMH), die mit der Ankunft der „Peking“ in Hamburg deren alleiniger Betreiber wurde, und Claus Liesner, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Hamburg Maritim, in deren Verantwortung das Schiff bis dahin war, die „Peking“.

Viermastbark "Peking" - Einblicke in Restaurierungsarbeiten

Viermastbark "Peking" - Einblicke in Restaurierungsarbeiten
Stiftung Hamburg Maritim

Grütters hob die Bedeutung des Viermasters, den sich als „herausragendes Beispiel deutscher Schiffsbaukunst“ bezeichnete, ebenfalls hervor. „Als Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien ist mir die Förderung der maritimen Kultur unseres Landes ein wichtiges Anliegen.“ Der Bund unterstütze als alleiniger Geldgeben die Restaurierung der „Peking“ und die Errichtung des Deutschen Hafenmuseums mit insgesamt 185,5 Millionen Euro. „Das ist eine Ausnahme“, erläuterte sie. Normalerweise beteilige sich der Bund nur an Kofinanzierungen.

Informationen zur "Peking":

  • Schiffstyp: Frachtsegler
  • Länge über alles: 115 Meter / Breite 14,40 Meter / Tiefgang max. 7,24 Meter
  • Takelagetyp: Viermastbark
  • Masthöhe: 62 Meter (über Kiel) / 51 Meter (über Deck) / 54 Meter (über Wasserlinie)
  • Segelfläche: 4100 m²
  • Geschwindigkeit: max. 17 Knoten (31 km/h)
  • Besatzung: 31 Mann plus 43 Seeoffiziersanwärter
  • Indienststellung: 16. Mai 1911
  • Heimathafen: Hamburg
  • Bauwerft: Blohm & Voss

"Ein Tag für die Geschichtsbücher" – nicht nur die Hamburgs

Senator Brosda betonte, das die „,Peking“ als wichtiges Ausstellungsstück des Deutschen Hafenmuseums an ihrem künftigen Standort ein weithin sichtbares Wahrzeichen auch für den neuen Stadtteil am Grasbrook sei. „Das Schiff steht für den globalisierten Handel, der auch vom Hamburger Hafen ausgehend die ganze Welt verändert hat.“ Das Deutsche Hafenmuseum werde ein Ort sein, an dem gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Auswirkungen der Globalisierung sichtbar würden.

Czech ergänzte: „Heute ist ein Tag für die Geschichtsbücher nicht nur der Freien und Hansestadt Hamburg: Nach 88 Jahren kehrt die ,Peking’ in ihren Heimathafen zurück. Der frisch restaurierte Frachtsegler steht künftig mit seiner typischen Silhouette eines Hamborger Veermasters für die bedeutende Rolle der deutschen Überseehäfen und bildet somit das ideale Leitobjekt für geplante Deutsche Hafenmuseum.“

Seemannslieder zur Begrüßung – samt Schiffshorn

Liesner verwies darauf, dass die Verholung der „Peking“ von New York nach Deutschland bis hin zum erfolgreichen Abschluss der Restaurierungsarbeiten auf der Peters Werft ein „komplexes, aber reizvolles und spannendes Projekt“ gewesen sei. „Wir sind sehr stolz auf das Ergebnis.“

An den Landungsbrücken schließlich wurde die „Peking“ auf ganz besondere Weise begrüßt: Auf der Brücke der Cap San Diego spielte der Posaunenchor der Michaeliskirche unter Leitung des Michel-Türmers Josef Thöne Seemannslieder – im Duett mit dem Schiffshorn, mit dem Kapitän Birger Möller den ersten Ton vorgab.

"Die 'Peking' gehört einfach hier her"

Auch auf der Plaza der Elbphilharmonie tummelten sich mehrere hundert Schaulustige. Viele hatten ihre Kameras gezückt um den Moment festzuhalten, an dem die „Peking“ unmittelbar vor ihnen gedreht wurde, um dann rückwärts in den Hansahafen geschleppt zu werden, wo sie um kurz nach 19 Uhr festmachte.

Joachim Werner aus Norderstedt hatte sich wochenlang auf diesen Tag gefreut – und brachte die Stimmung wohl aller Zuschauer auf den Punkt. „Ich hatte die ganze Zeit Gänsehaut. Die ,Peking’ wird ein absolutes Wahrzeichen dieser Stadt werden.“ Das glaubt auch Jürgen Kowalewski: „Als waschechter Hamburger sage ich: Die ,Peking’ gehört einfach hier her. Schön, dass ich sie heute noch einmal auf der Elbe erleben darf.“