Hamburg

Die Hamburg-Kolumne: Tobi Schlegels Buch und Chers Haus

Tobias Schlegel (links) stellte sein Buch „Schockraum“ in der St. Pauli Kirche zusammen mit „Aspekte“-Moderator Jo Schück vor.

Tobias Schlegel (links) stellte sein Buch „Schockraum“ in der St. Pauli Kirche zusammen mit „Aspekte“-Moderator Jo Schück vor.

Foto: Lars Meier Management & PR

Anekdoten aus der Gesellschaft, Rück- und Vorblicke auf Veranstaltungen – alles über die wichtigsten Köpfe der Stadt.

Hamburg. Das nennt man wohl ein Heimspiel auf St. Pauli: In der Kirche am Pinnasberg stellte Tobias Schlegl seinen Debütroman „Schockraum“ vor. Der frühere „Extra 3“-Moderator verarbeitet darin seine Erfahrungen als Notfallsanitäter. Schlegl hatte vor vier Jahren sein altes Leben als Medienmann aufgegeben, um sich fortan um Menschen zu kümmern. Eigentlich wollte er gar kein Buch schreiben, erzählte er im Gespräch mit „Aspekte“-Moderator Jo Schück.

Aber dann entschied er sich, als Art Therapie seine Erlebnisse zu einem Roman zu komponieren. „So konnte ich die recht traumatischen Einsätze verarbeiten“, sagte Schlegl vor 60 Zuhörern – darunter Sozialsenatorin Melanie Leonhard, Sängerin Anna Depenbusch, Musiker Ole Specht und St.-Pauli-Pastor Sieghard Wilm. Es ist ein nachdenkliches, kluges und fesselndes Buch über den Sanitäter Kim geworden, dessen Leben wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung aus den Fugen gerät.

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Ohnsorg-Theater

Nur je 120 Zuschauer können derzeit eine Vorstellung im Ohnsorg-Theater (428 Plätze) besuchen. Dass Kultursenator Carsten Brosda zum Spielzeitauftakt zur Premiere von „Twee as Bonnie un Clyde“ erscheinen würde, wusste Hausherr Michael Lang: „Er kommt besonders gern zu Paar-Stücken“, scherzte der Intendant, der Brosda zuletzt 2017 bei „Romeo un Julia“ begrüßt hatte. Der Premierenbesuch von Uschi Neuss überraschte indes Lang: Die Chefin des Musical-Multis Stage Entertainment erlebte mit ihrem Begleiter erstmals ein plattdeutsches Stück am Heidi-Kabel-Platz.

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Unternehmertag des Unternehmensverbands AGA

Das Motto lautete „neu denken“ – und natürlich bedeutete das in den Zeiten von Corona für den alljährlichen Unternehmertag des Unternehmensverbands AGA auch: neu und anders zusammenkommen. Die Lenker der Hamburger Wirtschaft trafen sich nicht wie sonst üblich persönlich in der Handelskammer, sondern im virtuellen Raum, in einer Videokonferenz. AGA-Hauptgeschäftsführer Volker Tschirch begrüßte nur einige wenige Prominente in der Verbandszentrale.

Vize-Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) sprach ein Grußwort, der neue Handelskammer-Hauptgeschäftsführer Malte Heyne kam zur Begrüßungsrunde. In der sorgte Comedian Alfons per Einspielfilm dafür, dass es nicht ausschließlich ernst zuging – obwohl die Lage es ist. Die aus Berlin zugeschaltete Wirtschaftsprofessorin Claudia Kemfert sprach mehr über Chancen als über Probleme. Ihr Thema: „Wie uns die Corona-Krise in eine klimaneutrale Zukunft führen kann.“ Und Volksbank-Vorständin Rita Herbers erklärte, wie der Finanzpartner eines Unternehmens diesem in der Krise helfen kann.

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Filmbranche nimmt langsam wieder an Fahrt auf

Auch die Filmbranche nimmt langsam wieder an Fahrt auf. Gedreht werden in Hamburg zurzeit neue Folgen des „Großstadtreviers“, das im 35. Jahr seines Bestehens im kommenden Frühjahr auch mit einem 90 Minuten langen Film im Abendprogramm vertreten sein wird. Dieser Film wird „St. Pauli, 6 Uhr 07“ heißen. „Wir gehen tiefer in die Abgründe, es wird existenzieller“, verspricht Claudia Thieme, die Film und Serie als ausführende Produzentin der Letterbox Filmproduktion betreut. Die neuen Folgen der Serie wurden teilweise stark verändert und den Corona-Auswirkungen angepasst.

„Es ist erstaunlich, was alles geändert werden musste“, so Thieme. Dafür war unter anderem Drehbuchautor Norbert Eberlein zuständig, der seit 1990 für die Serie, aber auch für „Neues aus Büttenwarder“ schreibt, die zweite Serie, die jetzt ohne Jan Fedder auskommen muss. „Wir haben auch vorher schon manchmal ohne ihn gedreht, aber diesmal fühlte es sich anders an“, so Eberlein. „Wir wollten ihn bewusst und richtig verabschieden und werden ihn deshalb auch in einer Folge beerdigen. Ich habe gehört, es hat alle, die dabei gewesen sind, sehr bewegt.“

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Ein bekannter, aber im Kino eher seltener Gast kommt am Sonntag um 11 Uhr ins Zeise. Dirigent Kent Nagano stellt den Film „Anton Bruckner – Das verkannte Genie“ vor und bringt Regisseur Reiner Moritz mit.

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Für gewöhnlich bringt er Gabelstapler und Hubwagen an den Mann, in dieser Woche waren es Fußbälle: Christian
Erlach
, Vertriebsvorstand beim Hamburger Gabelstaplerbauer Jungheinrich, übergab eine Lkw-Ladung von 5000 Trainingsbällen an Dirk Fischer, den Präsidenten des Hamburger Fußball-Verbands (HFV). Anlass: der Neustart des Trainingsbetriebs nach der monatelangen Pandemie-Pause. Erlach: „Wir freuen uns, die Hamburger Fußballclubs bei ihrem Start in die neue Trainingssaison zu unterstützen.“

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Einen guten Deal könnte Christian Völkers machen. Der Hamburger Luxusmakler ist mit Engel & Völkers auch in den USA aktiv und vermarktet aktuell eine Villa für rund 18,6 Millionen Euro auf der künstlichen Insel LaGorce Island, die zu Miami Beach gehört. Dabei handelt es sich nicht nur um ein luxuriöses Anwesen am Wasser. Die Immobilie hatte eine berühmte Vorbesitzerin. Dabei handelt es sich um die US-amerikanische Sängerin und Schauspielerin Cher, die von 1993 bis 1996 Eigentümerin war. Außerdem zählten Prominente wie Janet Jackson und Julio Iglesias zu den Mietern des Hauses.

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In Hamburg hat sich ein neues cooles Trio zusammengetan: Der Gründer der Online Marketing Rockstars (OMR), Philipp Westermeyer, und BPO Capital (das Family-Office des Otto-Konzerns) haben in das Hamburger Marktforschungsunternehmen Appinio investiert. Bei Appinio handelt es sich um eines der spannendsten Hamburger Tech-Unternehmen. Es wurde 2014 von Jonathan Kurfess und Kai Granaß gegründet und ermöglicht seinen Kunden, repräsentative Meinungen spezifischer Zielgruppen in wenigen Minuten zu erhalten und dadurch Entscheidungen und Ideen in Echtzeit zu validieren. Gründer Kurfess wurde zu Beginn des Jahres in die Forbes-Liste „30 unter 30“ in Europa gewählt.

Auch andere Fachleute aus der Marketingbranche sind bereits an Appinio beteiligt, darunter Michael Trautmann und der Heimat-Gründer Matthias von Bechtolsheim. Über die Höhe der Investitionssumme bekommt man leider nichts heraus. Doch Philipp Westermeyer glaubt, dass die App von Appinio die Marktforschung grundlegend revolutioniert und sie schneller, qualitativer und günstiger macht: „Nichts hat so viel mit Marketing zu tun wie ein gutes Verständnis für die Menschen. Appinio ist dabei, diesen Bereich grundlegend zu verändern, und da wollen wir dabei sein.“ Appinio-CEO Jonathan Kurfess sagt, er freue sich darauf, gemeinsam mit den neuen Partnern die Marktforschung „weiter auf den Kopf zu stellen“. Appinios Plattform nutzen rund 500 Unternehmen, darunter VW, Unilever, Telekom und Red Bull.

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Am 9. Oktober wird die Marke Uniqlo, eines der größten Modeunternehmen der Welt, im ehemaligen Bucerius Kunst Forum ihre Türen für die Kundschaft öffnen. Ein Geschäft (1750 Quadratmeter groß) an einer so historischen Stelle erfordert ein gewisses Feingefühl bei der Umgestaltung. „Es wird ein Stück Hamburg bleiben,“ verspricht Riani Tanjasila von Uniqlo.