Hamburg

Willkommen zurück: Wann man die "Peking" wo begrüßen kann

Hier liegt die Viermaststahlbark noch am Ausrüstungskai der Peters Werft in Wewelsfleth, am 7. September 2020 macht sie sich auf den Weg in ihren Heimathafen Hamburg.

Hier liegt die Viermaststahlbark noch am Ausrüstungskai der Peters Werft in Wewelsfleth, am 7. September 2020 macht sie sich auf den Weg in ihren Heimathafen Hamburg.

Foto: Klaus Bodig

Am Montag tritt die Viermastbark ihre Heimreise an: An einem Ort bleibt sie besonders lang, bevor sie nach Hamburg kommt.

Wewelsfleth/Hamburg. Es ist der Augenblick, auf den viele gewartet haben. Die „Peking“ kehrt in den Hamburger Hafen zurück. Das Verholen der historischen Viermastbark zu ihrem künftigen Liegeplatz am Bremer Kai im Hansahafen ist wohl die vorerst letzte Gelegenheit, den viel besungenen „Hamborger Veermaster“ auf seinem angestammten Revier, der Unterelbe, in Fahrt zu sehen. Wer sich das nicht entgehen lassen möchte, findet entlang der rund 50 Kilometer langen Strecke zahlreiche gute Aussichtspunkte.

Die ganztägige Reise des historischen Frachtseglers, der von einem bis zu 2,5 Kilometer langen Schleppverband und mehreren Polizeischiffen begleitet wird, beginnt am frühen Montagmorgen. Sofern es keine verkehrlich und meteorologisch bedingten Abweichungen gibt (ab Windstärke 4 gilt ein Ausfahrverbot), wird das 115 lange und knapp 15 Meter breite Schiff um 6 Uhr die Peters Werft in Wewelsfleth verlassen, wo es drei Jahre lang restauriert wurde.

Doch auch ohne widrige Umstände ist das Verholen eine Herausforderung: Um die „Peking“, die weder einen Antrieb noch ein Ruder hat, rückwärts aus der Werft ziehen zu können, werden an dem hohen Schiff ein Bug- und ein Heckschlepper mit je 25 Tonnen Zugkraft gespannt. Vor dem engen Stör-Sperrwerk wird die Viermastbark gedreht, um anschließend (gegen 6.30 Uhr) durch das Stör-Sperrwerk gezogen zu werden.

So sieht der grobe Fahrplan der "Peking" aus

Für diese Passage müsse die „Peking“ die „Ohren anlegen“, sagt Niklas Pfaff von der Peters Werft, der für das Schiff und die Verholung verantwortlich ist. Das heißt, die sonst quer zu den Masten hängenden Rahen werden in Längsrichtung gebrasst, damit sie nicht an der Klappbrücke oder am Brückenhäuschen hängen bleiben. Ein drei mal 18 Meter langer und 1,70 Meter dicker Poller soll verhindern, das die „Peking“, falls sie abdriftet, das Sperrwerk beschädigt.

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Vor der Einfahrt in die Elbe (6.50 Uhr) wird der Stör-Lotse von zwei Elb-Lotsen abgelöst. Während sie später, vor dem Hamburger Hafengebiet, wieder von Bord gehen und zwei andere Kollegen übernehmen, ist Ben Lodemann die ganze Zeit an Bord. Der Elb-Kapitän wurde eigens für die Verholung angeheuert. Er kennt die „Peking“ gut, hat schon 2017 in New York ihre Verschiffung auf das Dockschiff gemeistert und sie nach der Ankunft in Wewelsfleth von dort wieder heruntergeholt.

Auf der Unterelbe gleitet die „Peking“ unter seiner Führung dann vorbei an

  • Glückstadt (7.15 Uhr)
  • Krautsand (7.30 Uhr)
  • Bützfleth (9.15 Uhr)
  • Stader Sand (9.30 Uhr)

Richtung Twielenfleth, wo sie von 10 Uhr bis 15.30 Uhr auf Reede liegt. „Andernfalls wären wir zu früh in Hamburg und würden den Hafen blockieren“, so Pfaff, der die Verantwortung für die Verholung hat. In den Hansahafen könne die „Peking“ erst zwei Stunden nach Niedrigwasser. Von Twielenfleth geht es dann vorbei an

  • Wedel (16.30 Uhr)
  • Blankenese (17 Uhr)
  • Cranz (17.05 Uhr)
  • Nienstedten (17.15 Uhr)
  • Teufelsbrück und Finkenwerder (17.20 Uhr)
  • Oevelgönne (17.30 Uhr)
  • den Landungsbrücken (17.45 Uhr)
  • der Überseebrücke (17.55 Uhr) und schließlich
  • der Elbphilharmonie (18 Uhr).

Offizielle Schiffsparade muss ausfallen

Im Amerikahöft schließlich muss die „Peking“ noch einmal gedreht werden. Dafür wird dieser Hafenbereich gesperrt. Gegen 19 Uhr soll das Schiff dann längsseits an der Kaikante vor dem Hafenmuseum Hamburg festgemacht werden. Auch das gesamte Areal des Hafenmuseums und die Kaikante werden ab 15 Uhr aus Sicherheitsgründen für die Öffentlichkeit gesperrt. Von Dienstag an kann die „Peking“ dann innerhalb der Öffnungszeiten des Hafenmuseums (Mo, Mi, Do, Fr 10–17 Uhr, Sa, So 10–18 Uhr) von der Kaikante aus betrachtet werden. Anlässlich der Ankunft öffnet das Hafenmuseum am 8. September ausnahmsweise an einem Dienstag.

Eigentlich war geplant, die „Peking“ mit einem großen Fest im Heimathafen zu begrüßen. Auch die offizielle Schiffsparade muss Corona-bedingt ausfallen. Doch trotz der strikten Regelungen, die die Behörden für diesen Transport erlassen haben, wird die „Peking“ von einer reglementierten Anzahl von Begleitschiffen eskortiert. Der Konvoi formiert sich vor Schulau und wird die stählerne Legende auf ihrer letzten Etappe nach Hamburg begleiten.

Viermastbark "Peking" - Einblicke in Restaurierungsarbeiten

Viermastbark "Peking" - Einblicke in Restaurierungsarbeiten
Stiftung Hamburg Maritim

„Vorweg fährt ein Löschboot der Feuerwehr und wird Wasserfontänen in die Luft spritzen“, verrät Jürgen Seifert von der Stiftung Hamburg Maritim, der für die Organisation des Begleitzuges verantwortlich ist. Danach folgen 15 weitere Schiffe, darunter der Stückgutfrachter „Bleichen“, das Dampfschiff „Schaarhörn“, der Schlepper „Fairplay VIII“, der Hochseekutter „Landrath Küster“, das Inspektionsfahrzeug „Sü­derelbe“, der Besan-Ewer „Johanna“, die MS „Hamburg“ und einige Schiffe aus dem Museumshafen Oevelgönne.

Auf der „Cap San Diego“ spielt ein Posaunenchor

Auch Veranstalter von Hafenrundfahrten bieten Begleitfahrten an, sind jedoch nicht Teil des Konvois. Tickets gibt es noch bei Käpt’n Schwarz (für 30 Euro unter https://hafentouristik.touri.com). Auf der „Cap San Diego“ wird die „Peking“ mit dem standesgemäßen Ertönen des Typhons (Schiffshorn) empfangen. Von 17 Uhr an ist auch der Türmer der Hauptkirche St. Michaelis, Josef Thöne, mit Mitgliedern des Posaunenchors an Bord und sorgt für die musikalische Begrüßung (Karten für 9,50 Euro unter www.capsandiego.de).

Informationen zur "Peking":

  • Schiffstyp: Frachtsegler
  • Länge über alles: 115 Meter / Breite 14,40 Meter / Tiefgang max. 7,24 Meter
  • Takelagetyp: Viermastbark
  • Masthöhe: 62 Meter (über Kiel) / 51 Meter (über Deck) / 54 Meter (über Wasserlinie)
  • Segelfläche: 4100 m²
  • Geschwindigkeit: max. 17 Knoten (31 km/h)
  • Besatzung: 31 Mann plus 43 Seeoffiziersanwärter
  • Indienststellung: 16. Mai 1911
  • Heimathafen: Hamburg
  • Bauwerft: Blohm & Voss

Eine gute Möglichkeit, die gesamte Überfahrt der „Peking“ am 7. September von zu Hause aus zu verfolgen, bietet ein Livestream des NDR, der von etwa 6 Uhr an auf www.abendblatt.de verfolgt werden kann.

Der Verein „Freunde der Viermastbark Peking e. V.“ ruft alle Schaulustigen zu einem Fotowettbewerb auf. „Die schönsten Fotos wollen wir auswählen und prämieren, um sie dann über unsere Homepage allen zur Verfügung zu stellen“, sagt der Vorsitzende, Mathias Kahl. Die Sieger erhalten jeweils ein kleines Stück der Original-Stahlplatten, die im Zuge der Restaurierung ersetzt werden mussten. Jeder Teilnehmer kann sich bis zum 13. September mit maximal zwei Fotos beteiligen (www.fotowettbewerb.peking-freunde.de).