Amtsgericht

Angestellter vergeht sich im Hotelkeller an Auszubildender

Das Amtsgericht St. Georg (Archiv).

Das Amtsgericht St. Georg (Archiv).

Foto: Imago/Lars Berg

Junge Frau arbeitete mit dem Angeklagten vertrauensvoll zusammen – bis der eines Tages im Keller über sie herfiel.

Hamburg. Wie das Verhältnis zum Kollegen vor der Tat gewesen sei?, fragt die Amtsrichterin. „Freundschaftlich, normal kollegial“, antwortet die Zeugin, eine 21-jährige Frau. Sie machte damals eine Ausbildung im Crowne Plaza Hotel am Graumannsweg. Mit Joao F. arbeitete Maria D. vertrauensvoll zusammen – bis der 29-Jährige eines Tages im Keller aus heiterem Himmel über sie herfiel.

Als Maria D., inzwischen Hotelfachfrau, von dem sexuellen Übergriff erzählt, schießen ihr die Tränen in die Augen. Ein Jahr später ist die Erinnerung verblasst. Sie redet so leise, dass sie kaum zu verstehen ist. Die 21-Jährige erzählt, wie sie am 30. August 2019 im Bankettlager des Hotels etwas suchte, so wie Joao F. auch. Wie sie sich dann „zufällig umdrehte“ und ihren Kollegen einen Meter hinter sich sah, mit heruntergezogener Hose und entblößtem Genital. Sie habe ihn dort anfassen müssen.

Joao F. hatte schon zuvor eine Abmahnung erhalten

Er habe ihre Hand gehalten, vielleicht umklammert, da ist sie sich heute nicht mehr sicher, jedenfalls sei der Griff nicht sonderlich fest gewesen. „Ich war schockiert und konnte in dem Moment nicht mehr klar denken“, sagt sie. „Gleichzeitig hielt er mich an der Schulter fest, zog mich zu sich, küsste mich zwei- oder dreimal auf den Hals.“ Sie habe ihn weggeschubst und sofort der Chefin von der Tat berichtet. Danach sei sie längere Zeit „traurig“ gewesen. Jetzt ginge es ihr besser.

Joao F., am Mittwoch in St. Georg wegen sexueller Nötigung angeklagt, hatte schon zuvor eine Abmahnung erhalten, weil er eine Dienstleisterin verbal sexuell belästigt hatte. Nach dem Vorfall im Lager fristlos entlassen, arbeitet er inzwischen in einem anderen Hotel.

Richterin stufte sexuelle Nötigung zu sexuellem Übergriff herunter

Im Gericht trägt Joao F., dreifacher Familienvater, seinen Ehering. Das Geschehen schildert er ähnlich wie sein Opfer, aber im Detail eben doch anders. Nachdem er seinen Reißverschluss geöffnet habe, habe er ihr zugerufen: „Komm mal gucken!“ Er habe ihre Hand aber nicht umklammert, sie habe sie ohne Widerstand wegziehen können. „Sie sagte nur: Oh, Joao.“ Erst als er sie küsste, habe sie Nein gesagt. Danach hätten sie Bügelbretter in den Zimmern verteilt. Das kauft ihm allerdings das Gericht nicht ab, zumal die Zeugin den weiteren Ablauf ganz anders darstellt. Sie sei erst zur Chefin, dann zur Polizei gegangen, so Maria D. Für den Angeklagten hatte die Sache auch privat ein Nachspiel. „Zu Hause gab und gibt es Stress deswegen.“ Er wisse partout nicht, wie ihm das alles passieren konnte. Es tue ihm furchtbar leid, sagt der geständige Angeklagte.

Weil ihm zwar die sexuelle Handlung gegen den erkennbaren Willen des Opfers, aber keine Gewaltanwendung nachzuweisen ist, stuft die Richterin den Vorwurf von einer sexuellen Nötigung zu einem sexuellen Übergriff herunter. Das Urteil: ein Jahr auf Bewährung, wie von der Staatsanwaltschaft beantragt. Zudem muss Joao F. 500 Euro Schmerzensgeld zahlen. Die Strafe sei angemessen, sagt die Richterin, die junge Zeugin sei weiterhin „sichtlich beeinträchtigt“.