Hamburg

Warum der Elbtunnel bald für 55 Stunden gesperrt wird

Martin Steinkühler und sein Team werden in den Zwischenraum zwischen den beiden Fahrbahnen zwei weitere Spuren bauen.

Martin Steinkühler und sein Team werden in den Zwischenraum zwischen den beiden Fahrbahnen zwei weitere Spuren bauen.

Foto: HA / Lars Hansen

Wer aus Hamburgs Nordwesten in Südwesten fahren möchte, oder umgekehrt, sollte Zeit für Umwege einplanen.

Hamburg.  Die positive Nachricht: Am übernächsten Wochenende gibt es unter Garantie keinen Stau vor dem Elbtunnel. Allerdings hat die Sache einen Haken: Man kommt trotzdem nicht durch den Tunnel. Zwischen Volkspark im Norden und Heimfeld im Süden wird die A7 von Freitag, 18. September, 22 Uhr, bis Montag, 21. September, 5 Uhr voll und in beide Richtungen gesperrt.

Sperrung des Elbtunnels in beide Richtungen

Wer aus Hamburgs Nordwesten in den Südwesten fahren möchte, oder umgekehrt, sollte viel Zeit für Umwege einplanen oder seine Pläne verschieben. Die Umleitung über die Elbbrücken können Autofahrer sich schon einmal einprägen: Bis zum Frühjahr sind noch mindestens zwei weitere Vollsperrungen geplant.

So ärgerlich die Sperrwochenenden auch sein mögen, so sollen sie doch sicherstellen, dass bei den umfangreichen Baumaßnahmen der nächsten Jahre der Verkehr ansonsten fließen kann.

Hamburger Abschnitt der A7 für mehrere Tage gesperrt

Martin Steinkühler ist kein Mann für Kleinigkeiten: Der Ingenieur hat unter anderem die Rügenbrücke gebaut und die Wilhelmsburger Reichsstraße verlegt. Und in gut zwei Wochen sperrt er mal eben fast den gesamten Hamburger Abschnitt der A7 für mehrere Tage. Der Grund ist nicht einfach eine Baustelle, sondern gleich mehrere.

Während der Ausbau der A7 nördlich der Elbe in die Endphase geht, beginnt er im Süden gerade erst. Hier hat es Steinkühler mit zwei gigantischen Brücken zu tun, von denen er eine komplett abbrechen und neu bauen, die andere um zwei Fahrspuren verbreitern muss. Dabei soll der Verkehr die ganze Zeit fließen, auch unter der Autobahn. Das macht das Bauen noch einmal besonders kompliziert.

Gesamter A7-Streckenabschnitt auf Brücken

Den meisten Autofahrern ist nicht bewusst, dass die gesamte Strecke der A7 zwischen den Harburger Bergen und der Elbtunneleinfahrt über Brücken führt, nämlich die Hochstraße Elbmarsch von Heimfeld bis Waltershof mit der Bauwerksnummer K20 und der Rampe von der K20 in den Elbtunnel, Bauwerksnummer K30

Dabei ist die K20 mit 3840 Metern sogar die längste Straßenbrücke Deutschlands. Auch hier soll die A7 auf vier Spuren je Richtung verbreitert werden – in luftiger Höhe. „Die Erbauer der A7 haben da zum Glück schon vorausgedacht und haben zwischen den beiden Fahrbahnen genug Platz für zwei weitere Spuren gelassen“, sagt Martin Steinkühler, „das können wir heute nutzen – allerdings nicht ganz so, wie es sich die Ingenieure in den 1970er-Jahren gedacht haben.“

Veränderte Baunormen beeinflussen Arbeiten

Die waren davon ausgegangen, dass man später zwischen die Querträger unter den Fahrbahnen einfach weitere einhängt und darauf die neuen Fahrspuren verlegt. Die Träger der nördlichen und südlichen Fahrbahnen stehen deshalb auf der gesamten Strecke exakt parallel.

„Leider gibt die Statik der Stützkonstruktionen das nicht mehr her“, sagt Steinkühler, „und auch die veränderten Baunormen lassen es nicht mehr zu. Die Zwischenfahrbahnen brauchen deshalb eigene Stützen und Träger.“

Testbau der Brücke "hat gut geklappt"

Wie man eine Brücke zwischen die Brücken baut, ohne den Verkehr allzu sehr zu beeinträchtigen, haben Steinkühler und sein Team bereits an einem Probefeld geübt. Die jeweils zur Innenseite liegenden Fahrstreifen wurden dafür gesperrt und als Bauzone genutzt, auf den Außenseiten wurden die Standstreifen aufgegeben, um weiterhin drei Fahrspuren zu haben.

„Das hat gut geklappt“, sagt Steinkühler, „und es war reiner Luxus! Wann hat man schon einmal die Gelegenheit, eine Autobahnbaustelle einfach mal auszuprobieren?“

Rampe zum Elbtunnel muss neu gebaut werden

Die K20 ist damit Steinkühlers größte Baustelle, nicht aber sein größtes Sorgenkind. Das sind die K30 von Waltershof zum Elbtunnel und die Kreuzung unter der Anschlussstelle Waltershof. Die Stützkonstruktion der K30 ist nicht in einem so guten Zustand wie die der Hochstraße.

Die Rampe zum Elbtunnel muss komplett neu gebaut werden. Damit auch hier der Verkehr weiterfließen kann, wurde neben der Autobahn ein Straßendamm aufgeschüttet, über den die Autos fahren, während der Altbau sukzessive, immer vier Spuren gleichzeitig, abgerissen und neu gebaut wird.

Damit die Tunnelampeln die neue Situation korrekt regeln, erhalten sie ein Software-Update. Das ist der Hauptgrund für die Sperrung. Die neue Steuerung muss einprogrammiert und gründlich geprüft werden. Nördlich des Elbtunnels wird die Sperrung für Restarbeiten des Ausbaus genutzt. Südlich wird die Verbreiterung und der Anschluss des Hilfsdamms vorbereitet.

Sechs Megastützen müssen erneuert werden

In Waltershof kreuzt die Auffahrt zur Köhlbrandbrücke die A7. In diesem Bereich ruhen die Fahrbahnen nicht auf den üblichen Konstruktionen, sondern auf sechs sogenannten Megastützen. Auch diese müssen gänzlich erneuert werden.

Dazu wird Steinkühlers Team die Autobahn sogar einige Millimeter anheben müssen. In der vierjährigen Bauphase wird die Fahrbahn auf einer Stahlplatte liegen. Auch diese wird am Wochenende eingezogen.

Die Umleitungsempfehlung: Von der AS Heimfeld über die U 7 zur A1, durch die Stadt zur Kieler Straße und zurück auf die A7 und umgekehrt. Weitläufig kann man Hamburg über die A1 und die A21 umfahren.