Hamburg

Das ist der „Masterplan 2025“ für die CDU

Christoph Ploß (35) gehört dem Bundestag seit 2017 an.

Christoph Ploß (35) gehört dem Bundestag seit 2017 an.

Foto: dpa

Künftiger Landeschef Christoph Ploß will Partei „inhaltlich neu aufstellen“ und moderne, digitale Formen der Kampagnen einführen.

Hamburg.  Der designierte CDU-Landesvorsitzende Christoph Ploß verordnet seiner Partei nach dem Absturz bei der Bürgerschaftswahl einen Modernisierungsschub. Der Bundestagsabgeordnete will die CDU zur „Kümmererpartei“ entwickeln, die die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger aufnimmt, und vor allem die digitale Kommunikation deutlich ausbauen. „,Always on‘ ist unser Motto. Moderne politische Arbeit schafft einen permanenten Zyklus durch die Ansprache von Bürgern und durch Interaktion“, schreibt Ploß in einem vierseitigen „Masterplan 2025“, mit dem er sich Ende September zur Wahl stellt.

Nur kurz und eher indirekt geht Ploß auf das Wahldebakel ein, bei dem die CDU auf den historischen Tiefststand von 11,2 Prozent absackte. „Wir wollen die Hamburger CDU wieder auf Erfolgskurs bringen. Doch aktuell finden unsere Botschaften in der Bevölkerung zu wenig Gehör. Ein wichtiges Ziel der kommenden Jahre wird daher sein, die Hamburger CDU wieder als Ideen- und Taktgeber unserer Stadt zu etablieren“, schreibt der Parteichef in spe.

Ploß will die „Alleinstellungsmerkmale der CDU klar herausstellen und unsere Partei so wieder wahrnehmbarer für die Bürger machen“. Dabei hat der Bundestagsabgeordnete auch alte Bekannte im Gepäck wie die Forderung nach „mehr Präsenz unserer Sicherheitskräfte in den Stadtteilen und mehr politische Rückendeckung für Polizei und Feuerwehr“. Im Gespräch mit dem Abendblatt ergänzt Ploß: „Die Hamburger CDU sollte der erste Ansprechpartner für die Hamburger Wirtschaft sein, für die Hamburger Jobs sichern und in Zukunftsfeldern neue Arbeitsplätze schaffen.“

Hamburger CDU muss sich inhaltlich neu aufstellen

Andererseits ist dem Christdemokraten klar, dass die vertrauten Pfade allein nicht weiterhelfen werden. „Die Hamburger CDU muss sich, um für große Teile der Hamburger Bevölkerung wählbar zu sein, inhaltlich neu aufstellen“, schreibt Ploß, der deswegen ein neues Grundsatzprogramm mit seinen Parteifreunden erarbeiten will. In dem Grundsatzprogramm soll sich die CDU zu ihren Kompetenzfeldern Sicherheit, Mobilität, Wirtschaft, Wissenschaft, Familie und Bildung bekennen.

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Ploß schwebt ein umfangreicher Beteiligungsprozess vor, der die Expertise aller Mitglieder umfassen soll. Aber er will auch externe Multiplikatoren vor Ort einbinden und Methoden wie das „Community organizing“ (Gemeinschaft organisieren, die Red.) anwenden, um die CDU zur „Kümmererpartei“ zu entwickeln. Es soll regelmäßige Bürgerforen auf Landesebene geben. Ein Beirat aus der CDU nahestehenden Menschen aus Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft soll den Landesvorstand beraten.

Herzstück des „Masterplans 2025“ ist jedoch die Modernisierung und besonders die Digitalisierung der Kommunikation der Partei nach außen wie nach innen. Unter dem Motto „Always on“ soll das Ludwig-Erhard-Haus, die etwas in die Jahre gekommene Gründerzeitvilla am Leinpfad (Winterhude), zur Kampagnenzentrale ausgebaut werden. „Botschaften werden emotionalisiert und mittels Storytelling ein Infotainment betrieben. Hierfür werden wir seriellen Content möglichst in einem hauseigenen Studio erstellen und neue Formate in der Stadt etablieren“, schreibt Ploß, der am Leinpfad ein „modernes Newsroom-Konzept“ realisieren will.

„Die Mitglieder sind unser Kapital“

„Ziel wird es sein, schnell und professionell auf allen Kanälen der Hamburger CDU zu informieren. Dauerhafte Kampagnen schaffen einen laufenden Dialog mit den Bürgern“, so der voraussichtlich nächste Parteichef. Eine Kampagne setze sich „aus Social-Media-Formaten und bürgeroffenen Veranstaltungen zusammen, die ein zeitgemäßes, junges Auftreten verkörpern müssen“. Ploß glaubt, dass die Union „die Menschen permanent für unsere politischen Ziele begeistern und mobilisieren“ muss, um die nächsten Wahlen zu gewinnen.

„Die Mitglieder sind unser Kapital“, schreibt Ploß, der die Christdemokraten besser vernetzen will. Die Parteiarbeit soll traditionelle Formate überwinden. „Der Landesverband wird die technischen und satzungsmäßigen Voraussetzungen schaffen, damit Mitglieder digital an Anträgen oder in Kommissionen mitarbeiten und Meetings digital stattfinden können“, heißt es im „Masterplan“ und weiter: „Die Möglichkeit, sich aus dem Büro oder aus dem Homeoffice zu physischen Sitzungen dazuzuschalten, ermöglicht es Familien und Berufstätigen gleichermaßen, Parteiarbeit in den oft vollen Alltag zu integrieren.“

Ploß plant Fortbildungen in der Parteizentrale

Ploß will in der Parteizentrale eine Ludwig-Erhard-Akademie aufbauen, in der Fortbildungen zu Social-Media-Kenntnissen, Rhetorik oder Pressearbeit für Mitglieder angeboten werden. „Durch ein spezielles Programm für Frauen, das auch ein umfassendes Mentoring erhalten soll, unterstützen wir diese bei der aktiven Teilhabe an parteipolitischen Entscheidungen und auf dem Weg in Ämter und Mandate“, heißt es ganz zum Schluss des „Masterplans“.

Ein klein wenig Storytelling in eigener Sache erlaubt sich Ploß gleich zu Beginn seines Textes, indem er einen fiktiven Ausblick auf den Herbst 2024 gibt. „,Hamburger CDU in Umfragen im Aufwind‘ titeln die Hamburger Medien, denn im sich anbahnenden Wahlkampf erkennen immer mehr Hamburger, wofür die Hamburger CDU steht und wodurch sie sich von den Mitbewerbern unterscheidet“, schreibt Ploß.