Pandemie

UKE-Arzt zur Corona-Lage: Hamburg glimpflich davongekommen

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Prof. Stefan Kluge ist Leiter der Intensivmedizin am UKE in Hamburg.

Prof. Stefan Kluge ist Leiter der Intensivmedizin am UKE in Hamburg.

Foto: picture alliance/dpa

Stefan Kluge erklärt, warum nur noch wenige Corona-Infizierte sterben. Mediziner hat Sorge vor Anstieg der Infektionen im Herbst.

Hamburg.  Die Hansestadt ist nach Einschätzung des Leiters der Intensivmedizin am UKE, Stefan Kluge, wie die benachbarten Bundesländer bislang glimpflich davongekommen. „Wir waren einfach gut vorbereitet, sodass wir in Deutschland keine starke Übersterblichkeit hatten“, sagt der 52-Jährige. Das heißt, es sind in Hamburg zwar 232 Menschen an Covid-19 gestorben, mehr als 9200 in ganz Deutschland, es gab aber insgesamt nur etwas mehr Tote als in anderen Jahren.

Derzeit gibt es nur noch selten Todesopfer. Zuletzt starb jeweils ein Erkrankter am 27. Juni, am 30. Juli und am 20. August. Mit den Sommerferien ist die Zahl der Neuinfektionen gestiegen, aber nicht die Zahl der Klinikpatienten oder der Todesfälle. Warum ist das so? „Der Altersdurchschnitt der Infizierten geht runter, und die Jüngeren haben ein geringeres Risiko zu erkranken, schwer zu erkranken und zu versterben“, sagt Kluge.

Zwei Medikamente erwiesen sich als wirksam

Der Facharzt für Innere Medizin und Lungenheilkunde verweist auf die Statistik des Robert-Koch-Instituts (RKI), wonach das Durchschnittsalter der Infizierten von 52 Jahren auf 32 gesunken ist. „Die typischen Mallorca-Urlauber am Ballermann sind alle unter 30, und die sterben zum Glück extrem selten.“ Während in Hamburg Ende März nur rund 3400 Menschen pro Tag auf das Virus untersucht wurden, waren es Mitte August laut Gesundheitsbehörde 9500.

„Wir haben extrem viel gelernt“, sagt Kluge mit Blick auf die Behandlung von Covid-19-Patienten. Zwei Drittel der Patienten, die eine Lungenentzündung entwickelten, müssten beatmet werden, meist zwei bis drei Wochen lang. Als wirksam hätten sich zwei Medikamente erwiesen, erklärt Kluge. In der Frühphase mildere das eigentlich gegen Ebola entwickelte Remdesivir die Symptome bei Krankenhauspatienten. In der Spätphase verbessere das Cortison-Präparat Dexamethason die Überlebenschance von beatmeten Patienten deutlich. Das habe eine britische Studie ergeben.

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Auch nach der Genesung litten viele Klinikpatienten unter extremer Müdigkeit, der sogenannten Fatigue, Luftnot und Gelenkschmerzen, wie eine italienische Studie gezeigt habe. Zwei Monate nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus waren demnach knapp 90 Prozent der Patienten betroffen.

Kluge teilt die Sorge vor einer Zunahme der Infektionen im Herbst. Wenn sich die Menschen wieder mehr in geschlossenen Räumen aufhielten, könnten sie sich leichter durch Aerosole anstecken. Andererseits habe Deutschland ein gutes Kontroll- und Gesundheitssystem. „Ich glaube, wir müssen auf Sicht fahren“, sagte Kluge. Er setzt große Hoffnungen in einen guten Impfstoff. Dann könnte die Krankheit effektiv verhindert oder sogar ganz eliminiert werden, vorausgesetzt, es ließen sich viele Menschen impfen. „Wir wären natürlich froh, wenn die Gesellschaft das Thema auch mal abschließen könnte.“

( dpa )

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