Norddeutschland

Gift-Zentrum Nord warnt vor bestimmten Pflanzen im Garten

Die gefährlichste Giftpflanze Europas ist der Blaue Eisenhut, insbesondere die Wurzel. Sogar der bloße Hautkontakt kann fatale Folgen haben.

Die gefährlichste Giftpflanze Europas ist der Blaue Eisenhut, insbesondere die Wurzel. Sogar der bloße Hautkontakt kann fatale Folgen haben.

Foto: imago images/ Panthermedia

Kinder äßen versehentlich Teile oder kämen mit ihnen in Berührung. Zahl der Anrufe während des Corona-Lockdowns gestiegen.

Hannover/Hamburg. Das Giftinformationszentrum Nord (GIZ-Nord) an der Universitätsmedizin Göttingen warnt vor Giftpflanzen in heimischen Gärten und Parks. Immer wieder komme es vor, dass Kinder versehentlich Teile von Giftpflanzen äßen oder mit ihnen in Berührung kämen, sagte GIZ-Nord-Direktor, Professor Andreas Schaper, dem Abendblatt.

So habe ein Kind kürzlich mehrere roten Beeren des Ahornstabes gegessen und Schleimhautreizungen bekommen. Das Giftinformationszentrum Nord erhält täglich bis zu 200 Anrufe wegen möglicher Vergiftungen u.a. durch Pflanzen, Haushaltsmittel und Pilze.

Giftpflanzen stehen auch als Zierpflanzen in Gärten

Giftpflanzen wachsen nicht nur in freier Natur, sondern stehen auch als Zierpflanzen in Gärten, Grünanlagen, Spielplätzen oder Freibädern. Dazu zählen beispielsweise Stechapfel, Tollkirsche und Eibe, Goldregen, Eisenhut, Herbstzeitlose und die Engelstrompete. "Giftig können Wurzel, Rinde, Triebe, Blätter, Zapfen, Samen, Früchten oder der Pflanzensaft sein. Oft sind es alle, manchmal auch nur bestimmte Pflanzenteile, die Giftstoffe enthalten", sagt Tobias Lindner, Apotheker im AOK-Bundesverband.

Die gefährlichste Giftpflanze Europas ist der Blaue Eisenhut, insbesondere die Wurzel. Sogar der bloße Hautkontakt kann fatale Folgen haben. Die geschätzte tödliche Dosis für den Menschen beträgt nach Angaben von Biologen zwei bis vier Gramm der Wurzel. In Norddeutschland ist vor einigen Jahren ein Kind am tödlichen Gift des Blauen Eisenhuts gestorben. Experten raten den Betreibern von Gärtnereien und Gartenzentren dringend, auf die Gefahren von Giftpflanzen beim Verkauf ausdrücklich hinzuweisen.

Lesen Sie auch:

Kinder schlucken versehentlich Spülmittel

Wie der Toxikologe Professor Schaper weiter sagte, sei die Zahl der Notrufe in der Anfangsphase der Corona-Pandemie deutlich gestiegen. In der ersten Zeit des Lockdowns hätten vermehrt besorgte Eltern angerufen, weil ihre Kinder Spülmittel, Hand- und Flächendesinfektionsmittel versehentlich geschluckt hätten. „Im April hatte sich die Zahl der Anrufe im Vergleich zum Vorjahr deshalb verdoppelt.“ Jetzt sei die Art dieser Notrufe rückläufig.

Die Mitarbeitenden des Giftinformationszentrum geben Tipps für den Notfall und verweisen auf Ärzte vor Ort. Nach eigenen Angaben ist das Zentrum die primäre Beratungs- und Erfassungsstelle für Vergiftungen in Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Bremen.